GPA-djp: "JournalistInnen müssen ohne Druck arbeiten können"

Handbuch für Freie JournalistInnen - Praxisleitfaden für sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen

Wien (OTS/GPA-djp/ÖGB) - Bereits zum vierten Mal ruft die Europäische Föderation der Journalistinnen und Journalisten EFJ heuer am 5. November unter dem Titel "Stand up for journalism" dazu auf, den Niedergang der journalistischen Standards in Europa zu bekämpfen und die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalisten zu verbessern. "Der Zustand der Medien, nicht zuletzt der des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, spiegelt den demokratischen Zustand der Gesellschaft", sagt Fritz Wendl, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs ORF und Töchter in der GPA-djp. "Der Handlungsbedarf steigt von Jahr zu Jahr", erklärt der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp, Franz C. Bauer, "vor allem die Entwicklung in unserem Nachbarland Ungarn macht uns Sorgen."

Unter der seit dem Vorjahr mit einer Zweidrittelmehrheit regierenden Fidesz-Partei von Viktor Orban stehen Einschränkungen der Meinungs-und Medienfreiheit auf der Tagesordnung. Nach einer Kündigungswelle im Sommer drohen im November die Kündigungen von weiteren 450 Kolleginnen und Kollegen ungarischer Zeitungen, Radios und TV-Stationen, wie VertreterInnen ungarischer Gewerkschaften unlängst bei der GPA-djp-Diskussion "SOS Ungarn" bestätigten. Wer sich nicht an die Spielregeln halte und regierungsfreundlich berichte, müsse offenbar um seinen Job fürchten, so Bauer: "Eine an düsterste Zeiten erinnernde bedrohliche Entwicklung, auf die nie ausreichend aufmerksam gemacht werden kann." Die Journalistengewerkschaft hat deswegen eine Petition gestartet, mit der die Spitzenpolitiker Österreichs aufgefordert werden, bei jeder gebotenen Gelegenheit im Namen der Republik Österreich in deutlicher Art und Weise zu den bedenklichen, Demokratie und Meinungsfreiheit gefährdenden Entwicklungen in Ungarn Stellung zu beziehen. Mehr als 1300 UnterzeichnerInnen haben diese Möglichkeit bereits genutzt, die Petition zu unterschreiben. Das ist weiterhin online möglich unter
http://www.gpa-djp.at/pressefreiheit.

Lohndumping und prekäre Beschäftigungsverhältnisse

"Aber auch in Österreich ist Journalismus nicht immer ein Traumberuf, was auch am Missverhältnis zwischen dem Überangebot der Ausbildungsmöglichkeiten und dem daraus resultierenden Lohndumping liegt. Verschärft wird die Situation auch noch durch die meistens vorgeschriebenen Pflichtpraktika", ergänzt Fritz Wendl: "Die jungen Leute strömen motiviert in die Redaktionen und müssen dann zu oft wirklich schlechten Bedingungen arbeiten. Im worst case bekommen die Unternehmen auch noch Förderungen dafür." Der wirtschaftliche Druck der Redaktionen führe unweigerlich zu einem Qualitätsverlust, der natürlich auch zu Lasten der Ausbildung und der Qualität der Beschäftigungsverhältnisse geht. Medien und Verlagshäuser wollen immer weniger mit fix angestellten MitarbeiterInnen auskommen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu. Die Journalistengewerkschaft hat deswegen in Zusammenarbeit mit der GPA-djp-Interessengemeinschaft work@flex und mit der Gesellschaft für Publizistik und Medienforschung (GESPU) das "Handbuch für freie JournalistInnen" produziert, einen Praxisleitfaden, in dem der Freie Dienstvertrag mit all seinen sozialversicherungsrechtlichen und steuerrechtlichen Fragen erklärt wird. Das Handbuch kann bestellt werden unter www.gpa-djp.at.

"JournalistInnen müssen ohne Druck, ob wirtschaftlich oder politisch motiviert, arbeiten können! Wir schauen natürlich weiterhin darauf, dass Gesetze und Kollektivverträge eingehalten werden. Wir werden auch nicht lockerlassen, wenn es darum geht, auf die Besorgnis erregende Situation unserer KollegInnen in anderen Ländern aufmerksam zu machen - nicht nur am 5. November, sondern jeden Tag", so Bauer und Wendl abschließend.

Weitere Informationen zum International Stand Up for Journalism Day finden sich auf den Websiten der Europäischen Journalistenföderation (EFJ): www.ifj.org

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Litsa Kalaitzis
Gewerkschaft der Privatangestellten,
Druck, Journalismus, Papier
Pressesprecherin
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Email: litsa.kalaitzis@gpa-djp.at
Internet: www.gpa-djp.at

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