WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chinas ultimativer EFSF-Hebel - von Hans Weitmayr

In eine solche Position darf sich Europa nicht begeben

Wien (OTS) - Keinerlei politische Zugeständnisse für den Fall, dass Peking den abgebrannten Europäern bei Auffüllen ihres EFSF-Schutzschirmes hilft - Auslöser dieser aufgeregten Forderung waren Signale aus Peking, dass man im Vorfeld einer Beteiligung am Rettungsfonds über die Modalitäten desselben Bescheid wissen will. Außerdem drängt China die EU angeblich zu Reformen. Mit anderen Worten: Bevor China seine Yuan in denselben dunklen Tunnel wirft wie Europa seine Euros, hätte man zu Ausleuchtungszwecken gerne eine Taschenlampe. Das klingt legitim - man sollte die Warner eines chinesischen Engagements im EFSF allerdings nicht als Hysteriker abtun. Entscheidend wird nämlich nicht sein, was China an Druck ausübt, bevor allfällige Gelder fließen, sondern was danach geschieht. Denn, um es mit Hilary Clinton zu sagen: "Wie redet man mit seinem Banker?" Die mehr als zwei Billionen US-Dollar, die China an Reserven hält, würden wahrscheinlich ausreichen, um den Greenback zu Fall zu bringen. Was ein solches Szenario unwahrscheinlich erscheinen lässt, ist ein Gleichgewicht des Schreckens. Bringt China die Weltwährung Nummer eins zu Fall, stürzt die Volksrepublik mit.

Anders sieht das mit dem Euro aus. Es stimmt schon - rund 20 Prozent der chinesischen Exporte gehen nach Europa. Damit ist natürlich eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit verbunden. Letzten Endes säße China aber am weitaus längeren Hebel. Um nach einem volkswirtschaftlich relevanten Engagement bei der EFSF Einfluss geltend zu machen, muss auch nicht unbedingt die monetäre Nuklearwaffe eines massiven Euro-Anleihenverkaufs gezündet werden - kleine Nadelstiche können schon unverhältnismäßig große Wirkungen nach sich ziehen. Das konnten die USA zuletzt Anfang Juni erleben, als Guan Tao, seines Zeichens Chef der chinesischen Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr, in einem Posting die hohen Dollar-Reserven Chinas kritisierte - der Greenback stürzte in der Folge auf ein Vier-Wochen-Tief.

Bereits jetzt hält China Euro-Anleihen über geschätzt 600 Milliarden Euro. Gestattet man China eine Investition im EFSF, erhält das Land über die neuralgischste Einrichtung der Eurozone Marktmacht. Chinas Einfluss würde sich über ein maßgebliches Engagement in der Fazilität nicht multiplizieren, sondern potenzieren. Dieses ultimative "Leveraging" würde den Euro in weiterer Folge zum Spielball chinesischer Interessen machen. Dazu bleibt nur zu sagen: In eine solche Position der - zusätzlichen - Schwäche darf sich Europa langfristig nicht begeben.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0002