- 02.11.2011, 10:29:29
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Chinas ultimativer EFSF-Hebel - von Hans Weitmayr
In eine solche Position darf sich Europa nicht begeben
Wien (OTS) - Keinerlei politische Zugeständnisse für den Fall,
dass Peking den abgebrannten Europäern bei Auffüllen ihres
EFSF-Schutzschirmes hilft - Auslöser dieser aufgeregten Forderung
waren Signale aus Peking, dass man im Vorfeld einer Beteiligung am
Rettungsfonds über die Modalitäten desselben Bescheid wissen will.
Außerdem drängt China die EU angeblich zu Reformen. Mit anderen
Worten: Bevor China seine Yuan in denselben dunklen Tunnel wirft wie
Europa seine Euros, hätte man zu Ausleuchtungszwecken gerne eine
Taschenlampe. Das klingt legitim - man sollte die Warner eines
chinesischen Engagements im EFSF allerdings nicht als Hysteriker
abtun. Entscheidend wird nämlich nicht sein, was China an Druck
ausübt, bevor allfällige Gelder fließen, sondern was danach
geschieht. Denn, um es mit Hilary Clinton zu sagen: "Wie redet man
mit seinem Banker?" Die mehr als zwei Billionen US-Dollar, die China
an Reserven hält, würden wahrscheinlich ausreichen, um den Greenback
zu Fall zu bringen. Was ein solches Szenario unwahrscheinlich
erscheinen lässt, ist ein Gleichgewicht des Schreckens. Bringt China
die Weltwährung Nummer eins zu Fall, stürzt die Volksrepublik mit.
Anders sieht das mit dem Euro aus. Es stimmt schon - rund 20 Prozent
der chinesischen Exporte gehen nach Europa. Damit ist natürlich eine
gewisse gegenseitige Abhängigkeit verbunden. Letzten Endes säße China
aber am weitaus längeren Hebel. Um nach einem volkswirtschaftlich
relevanten Engagement bei der EFSF Einfluss geltend zu machen, muss
auch nicht unbedingt die monetäre Nuklearwaffe eines massiven
Euro-Anleihenverkaufs gezündet werden - kleine Nadelstiche können
schon unverhältnismäßig große Wirkungen nach sich ziehen. Das konnten
die USA zuletzt Anfang Juni erleben, als Guan Tao, seines Zeichens
Chef der chinesischen Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr,
in einem Posting die hohen Dollar-Reserven Chinas kritisierte - der
Greenback stürzte in der Folge auf ein Vier-Wochen-Tief.
Bereits jetzt hält China Euro-Anleihen über geschätzt 600 Milliarden
Euro. Gestattet man China eine Investition im EFSF, erhält das Land
über die neuralgischste Einrichtung der Eurozone Marktmacht. Chinas
Einfluss würde sich über ein maßgebliches Engagement in der Fazilität
nicht multiplizieren, sondern potenzieren. Dieses ultimative
"Leveraging" würde den Euro in weiterer Folge zum Spielball
chinesischer Interessen machen. Dazu bleibt nur zu sagen: In eine
solche Position der - zusätzlichen - Schwäche darf sich Europa
langfristig nicht begeben.
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