Ärztekammer informiert Bevölkerung über Gefahren durch ELGA

Keine Garantie von Datensicherheit bei exorbitant hohen Gesamtkosten - "Grob fahrlässig gegenüber den Patienten"

Wien (OTS) - "ELGA kostet Sie Ihr letztes Hemd" und "ELGA stellt
Sie vor den anderen bloß" sind die beiden Slogans, mit denen die Ärztekammer in den nächsten Wochen die Bevölkerung über die Gefahren der Elektronischen Gesundheitsakte" (ELGA) informieren wird. Im Mittelpunkt der Kritik stehen dabei Probleme rund um den Datenschutz sowie die exorbitant hohen Gesamtkosten, die für ELGA in der Endausbaustufe bereitgestellt werden müssten. ****

"ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, die uns mehrere Hundert Millionen Euro kosten wird - Geld, mit dem längst überfällige medizinische Leistungen für Patienten finanziert werden könnten", heißt es zum Beispiel in einem der Inseratensujets.

"ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, mit der mehr als 100.000 Personen Zugang zu Ihren Krankheitsdaten bekommen können. Nach jüngsten Hacker-Attacken auf sensible Gesundheitsdaten wird mit ELGA dem zentralen Datenklau in Österreich Tür und Tor geöffnet", lautet eine andere Kernbotschaft, die die Ärztekammer in Richtung Patienten bringen möchte.

Für den Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, war es "höchst an der Zeit, die Menschen in Österreich davor zu warnen, was mit der Realisierung von ELGA in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf sie zukommen könnte". Denn es werde ein "Datenmoloch" geschaffen, der für die Patienten keinerlei Nutzen hätte, im Gegenzug jedoch viel Geld koste und darüber hinaus den Patienten in der Öffentlichkeit komplett bloßstelle.

Steinhart: "In Deutschland beispielsweise hat man sich längst von einer zentralen Speicherung von Gesundheitsdaten mangels Nutzen und hohem Missbrauchsrisiko verabschiedet." Nur in Österreich werde dieses "Prestigeobjekt von Hauptverband und Gesundheitsministerium" mit aller Gewalt durchgedrückt. Dabei nehme man bewusst in Kauf, die Menschen in Österreich zu "gläsernen Patienten" zu machen.

Sicherer als das Pentagon oder die Sony-Zentrale?

Als "geradezu peinlich" bezeichnet der Vizepräsident die andauenden Beschwichtigungsversuche des Hauptverbands, wonach für eine maximale Sicherheit der Daten gesorgt sei. Gerade die Datenskandale im In- und Ausland der letzten Monate hätten gezeigt, wie wenig sicher zentrale Datenspeicherungen wirklich seien. "Und jetzt will uns der Hauptverband erklären, dass er die Kundmanngasse sicherer gestalten wird, als es beispielsweise das Pentagon oder die Sony-Zentrale geschafft haben?", kritisiert Steinhart, der damit befürchtet, dass die österreichischen Patienten mit ELGA "komplett in der Öffentlichkeit" stehen könnten.

Dabei macht Steinhart neben möglicher krimineller Vergehen auch noch ein anderer Umstand große Sorge: "Nach derzeitigem Plan könnten mehr als 100.000 Personen ganz legal Einschau in die Gesundheit der Österreich nehmen." Denn nicht nur alle Ärztinnen und Ärzte sollen sich in das System einloggen können, sondern auch das Pflegepersonal, Angehörige der gehobenen medizinischen Dienste sowie alle Mitarbeiter von Apotheken.

Steinhart appelliert daher an die Politik, allen voran an den Gesundheitsminister, dem "Spuk um ELGA" möglichst rasch ein Ende zu bereiten. Es sei keine Schande, im Laufe eines Projekts zu erkennen, dass es nicht realisierbar und ohne Nutzen sei. "Wider besseren Wissens und entgegen den Ratschlägen von Experten daran festzuhalten, ist jedoch grob fahrlässig und den Menschen in Österreich gegenüber unverantwortlich", betont Steinhart. (hpp)

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