- 02.11.2011, 09:14:50
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Lohnentwicklung und Lohnunterschiede in der Industrie seit 2000
Wien (OTS/WIFO) - Die Globalisierung der Wirtschaft und der
fortschreitende technologische Wandel spiegeln sich in einer
Verlagerung der Beschäftigungsanteile am Eigenpersonal in der
österreichischen Industrie zugunsten der Angestellten: Während die
Zahl der Industrieangestellten im Zeitraum von 2000 bis 2010 nahezu
konstant blieb, ging der Anteil der Arbeiter und Arbeiterinnen
deutlich zurück. Die Veränderung der Arbeitskräftenachfrage hin zu
höherqualifizierten Tätigkeiten dürfte die Verhandlungsposition der
Angestellten gestärkt, jene der Beschäftigten in den Arbeiterberufen
jedoch geschwächt haben.
In allen Fachverbänden der Industrie liegen die Effektivlöhne bzw.
Effektivgehälter über den Kollektivvertragslöhnen bzw.
Kollektivvertragsgehältern. Während die Überzahlungssätze für
Industrieangestellte im letzten Jahrzehnt wieder stiegen, sanken sie
in den Arbeiterberufen dem langfristigen Trend folgend weiter1);
somit dürfte der Anteil der Beschäftigen in Arbeiterberufen, die rein
nach dem Kollektivvertrag entlohnt werden, gestiegen sein, sodass die
Kollektivvertragsabschlüsse für die Entwicklung der Effektivlöhne an
Bedeutung gewonnen haben.
Trotz der unterschiedlichen Entwicklung von Entlohnung und
Überzahlungssätzen zwischen Arbeitern und Angestellten sind deutlich
Hoch- und Niedriglohnbranchen zu unterscheiden. Dies ist ein Ausdruck
der großen Lohnunterschiede in Österreichs Industrie: Jene
Fachverbände - die Niedriglohnbranchen -, in denen die Arbeiter unter
dem Industriedurchschnitt entlohnt werden, weisen auch eine
unterdurchschnittliche Entlohnung der Angestellten auf;
Entsprechendes gilt für die Hochlohnbranchen. Die Daten aus dem
Zeitraum 2000/2010 lassen aber einen neuen Trend erkennen: Während
die Ungleichheit der Arbeiterentgelte zwischen den Fachverbänden hoch
blieb, verringerte sich die Streuung der Gehälter beträchtlich.
Zwischen 2000 und 2010 schwächte sich das Reallohnwachstum der
Industriebeschäftigten ab. Hatten sich die Bruttoverdienste bereinigt
um die Inflationsrate zwischen 1980 und 2000 um gut 1,5% pro Jahr
erhöht, so betrug die Reallohnsteigerung seit 2000 nur
durchschnittlich 0,7% pro Jahr. Dennoch dürfte die Kaufkraft der
Industriebeschäftigten - wie schon in der Vergangenheit - etwas
stärker gestiegen sein als in den anderen privatwirtschaftlichen
Branchen.
1) Diese Entwicklung wurde zwar durch die Einführung des
"einheitlichen Entgeltsystems" in der eisen- und metallverarbeitenden
Industrie 2005 gefördert, aber auch im Durchschnitt ohne die davon
betroffenen Fachverbände bleibt das Gesamtbild erhalten.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
10/2011 ( http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/42734 ).
Rückfragehinweis:
Dr. Thomas Leoni
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-215 * Fax. +43 1 798 93 86
[email protected]
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