Durch einen tragischen Todesfall steckt die Klinikführung wieder einmal in einer Erklärungsdefensive.

Klinikführung muss handeln - Leitartikel Tiroler Tageszeitung von Peter Nindler

Innsbrudk (OTS) - In der öffentlichen Wahrnehmung leidet die Innsbrucker Klinik an einem Image- und Vertrauensverlust.

War es ein ärztlicher Kunstfehler, Schicksal oder führte die Verkettung unglücklicher Umstände zum Tod einer Dreijährigen an der Klinik? Ermittlungen und Gutachten werden diese Frage hoffentlich rasch klären. Aber einmal mehr drängt der tragische Todesfall das Landeskrankenhaus, an dem jährlich 90.000 Patienten aufgenommen und 350.000 Behandlungen durchgeführt werden, in eine Erklärungsdefensive.

Schuld daran ist ein Gemenge aus Strukturdefiziten, Macht- und Ränkespielen, wissenschaftlichen Defiziten wie dem Urologieskandal sowie schwierigen Führungsverhältnissen von Landeskrankenhaus (Tilak) und Medizin-Uni, weil das LKH Innsbruck gleichzeitig Forschungsstätte (Klinik) ist. Es gibt aber auch medizinische Fehlleistungen. Und je instabiler die Strukturen sind, desto exemplarischer werden mögliche ärztliche Kunstfehler als ein Fehler im System Klinik gesehen. Das ist das Problem der Klinik, die deshalb an einem Image- und Vertrauensverlust leidet.
Die Kinderklinik wurde in fünf Departments aufgeteilt, weil es innerhalb weniger Jahre drei Leiterwechsel gegeben hat. Sie bietet ständig Angriffsflächen, die angesichts des ungeklärten Todes eines Kleinkindes wieder hochkochen. Die Pathologie war über Monate führungslos und geriet noch dazu wegen Fehldiagnosen in die Kritik. Überlagert werden die Problemfelder von diversen Verfahren wie jene rund um Behandlungen an der Hals-, Nasen- und Ohren-Klinik und vom Aufschrei des Pflegepersonals sowie der Ärzte wegen Überlastung.

Die Klinikerhalter Land und Bund haben deshalb akuten Handlungsbedarf. Nicht nur was die Aufklärung des jüngsten Todesfalls betrifft, sondern sie müssen durch konsequente Strukturreformen das Image der Klinik in der öffentlichen Wahrnehmung wieder herstellen.

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