Auch genormte Seifenblasen sind nur Luft

Zur Veröffentlichung der ON-Regel 192500: "Gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen (CSR)"

Wien (OTS/GPA-djp/ÖGB) - Anfang November 2011 veröffentlicht das Austrian Standards Institute (ASI, ehemals Österreichisches Normungsinstitut) mit der ON-Regel 192500 ein neues normatives Dokument zum Thema "Gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen (CSR)". Aus der Sicht des Netzwerks Soziale Verantwortung (NeSoVe), deren Mitglieder u.a. der ÖGB und die GPA-djp sind, ist diese "Regel" keine brauchbare Grundlage, um gesellschaftliche bzw. soziale Belange, Umweltbelange und nachhaltiges Wirtschaften in nennenswertem Umfang in die Tätigkeit von Organisationen zu integrieren.

Sie ist kein geeigneter Bezugspunkt für eine anspruchsvolle Politik im Bereich CSR, denn sie basiert auf dem Leitfaden ISO 26000 "Guidance on Social Responsibility", welcher von der International Standards Organization (ISO) vor einem Jahr veröffentlicht wurde. Diese "Norm" wurde von NeSoVe heftig kritisiert und als "Bauchladen der Optionen" mit geringem Anforderungsniveau bezeichnet:
http://www.netzwerksozialeverantwortung.at/pages/berichtspflicht-fuer-unternehmen/iso-26000-news.php

Im Wesentlichen wurde dem ISO-Text ein Managementsystem hinzugefügt und viele Empfehlungen des Leitfadens ("sollte") in normative Anforderungen ("muss" oder äquivalente Ausdrücke) umgewandelt. "Das ist sicher ein Fortschritt, allerdings geht der Großteils dieser Anforderungen nicht über bestehende gesetzliche Verpflichtungen hinaus oder liegt sogar noch weit darunter. Darüber hinaus sind die meisten Anforderungen von den Unternehmen weitgehend frei gestaltbar. Anspruchsvolle Benchmarks findet man in dieser Regel nicht", kritisiert Marieta Kaufmann, Geschäftsführerin von Nesove.

Damit spielt die "Norm" eine gewinnbringende Rolle für die Geschäfte von BeraterInnen, ZertifiziererInnen und Marketingagenturen, da sich Unternehmen für "Business as usual" sozial und ökologisch vermarkten können. Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen wird dadurch aber nicht gefördert. Schlimmer noch: Anspruchsvollere Regeln wie z. B. das Umweltzeichen drohen dadurch an den Rand gedrängt zu werden.

"Ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung ist von diesem Dokument jedenfalls nicht zu erwarten", so das Resümee der Geschäftsführerin des Netzwerks Soziale Verantwortung Marieta Kaufmann.

Weitere Informationen:
www.sozialeverantwortung.at

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Ass.jur. Marieta Kaufmann - Geschäftsführerin NeSoVe
Erdbergstraße 10/37; A-1030 Wien
Tel.: 01/236 10 30-37
Mobil: 0680/40 45 982
Email: marieta.kaufmann@sozialeverantwortung.at
www.nesove.at

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