Bayr zum Weltspartag: "Auch Mikrokredite sind Kredite"

Nachhaltige Mikrofinanzierung braucht 'responsible finance'

Wien (OTS/SK) - Zum Weltspartag am 31. Oktober erinnert Petra
Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung, an die Nebenwirkungen des Mikrofinanz-Booms. "Mikrokredite erfreuen sich mittlerweile weltweit wachsender Beliebtheit und das auch in der so genannten 'Ersten Welt'. In Deutschland beispielsweise sind 2010 tausend dieser Kleinkredite vergeben worden und auch in Österreich wird diesem relativ jungen Finanzzweig bei den Banken ein exponentielles Wachstum prophezeit." Trotzdem sollte bei der momentanen Euphorie von Seiten der Investoren nicht auf die möglichen Risiken vergessen werden. "Mikrokredite sind Kredite. Die Erfahrungen in Indien zeigen, dass besonders arme Frauen Opfer einer richtiggehenden 'Mikrofinanz-Industrie' werden und Haushalte dort im Schnitt mit bis zu acht Krediten gleichzeitig belastet werden. Schulden alleine bedeuten noch keinen Statusgewinn", so Bayr am Montag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

Banken würden Mikrofinanzierung gerne als eine Art "Testlabor" für die Banken von morgen missbrauchen, dies sei aber, so Bayr, "nicht im Sinne ihres Erfinders". Die Nationalratsabgeordnete kritisiert vor allem die fehlende Aufklärung bei der Kreditvergabe. "Mikrofinanzierung ist nicht bloß Mikrokreditvergabe. Im Gegenteil, sie ist ein soziales Instrument und so genannte 'Nichtbankfähige' brauchen eben 'responsible finance', also umfassende, kostenlose Begleitmaßnahmen, um sie vor Überschuldung, negativen Umweltauswirkungen u.Ä. zu warnen. Außerdem muss den Menschen vermittelt werden, dass Schulden sich nicht von heute auf morgen in Luft auflösen." Gleichzeitig verweist die Vorsitzende des Entwicklungspolitischen Unterausschusses auf die positiven 'side effects' von verantwortungsvoller Mikrofinanzierung. "Frauen konnten sich vom herkömmlichen Rollenverständnis emanzipieren. Durch ihr neues Rollenbild als Unternehmerinnen waren sie gefordert, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Sie konnten es sich dadurch auch leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken und oftmals begannen sie sich politisch mehr zu engagieren", sagte Bayr.

Trotzdem dürfe die Mikrofinanzierung nicht dazu missbraucht werden, den Staat aus seiner sozialen Verantwortung zu entlassen. "Die Menschen dürfen nicht gezwungen werden, irgendwelche Kredite aufzunehmen, nur um sich und ihren Familien ein menschenwürdiges Dasein zu sichern. Zu allererst müssen Grundbedürfnisse wie Bildung und Gesundheit von staatlicher Seite gedeckt werden, erst dann soll es jeder und jede Einzelne auf sich nehmen können, einen Kredit aufzunehmen. Egal, ob jetzt von einem Mikrofinanzinstitut oder einem lokalen Geldverleiher", so Bayr. (Schluss) bj

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