Ein Mensch ist geboren. Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Ein Mensch ist geboren, und das ist ein Grund zur Freude. Es ist der siebenmilliardste Mensch. Wir wissen nicht, wie er heißt. Wir wissen nur, er ist zwölf Jahre nach Adnan Mevic geboren, den die Vereinten Nationen zum sechsmilliardsten Menschen erkoren hatten. Adnan lebt in Bosnien-Herzegowina, und dieser Tage kann man darüber lesen, dass seine Familie mit 350 Euro im Monat auskommen muss, dass es zuweilen an Feuerholz mangelt, dass jeder Fünfte im Land als arm gilt.

Ein Mensch ist geboren. Das ist ein Grund, sich auch Sorgen zu machen. Sieben Milliarden Menschen wollen ernährt sein, wollen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Das ist - gemessen an unseren Maßstäben - nicht viel. Und doch ist es eine gewaltige Herausforderung, hinter der ein nicht minder gewaltiger Verteilungskampf steckt.

Chancen auf Erwerb heißt: Lasst Chinesen, Inder oder Afrikaner zu ihren Löhnen produzieren und exportieren. Also weg mit den Zollschranken. Stoppt die 55 Milliarden Euro schweren EU-Subventionen für die Landwirtschaft, die die Märkte in Afrika zerstören. Wie, das geht nicht? Kostet Arbeitsplätze? Stimmt. So ist das mit der Globalisierung: Die Chancen der einen bedeuten Risiken für den Wohlstand der anderen. Teilhabe zulassen - das Prinzip der Marktwirtschaft ist mit Grenzen nicht aufzuhalten. Jedenfalls nicht bei sieben Milliarden und mehr Menschen.

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