"profil": Hans-Werner Sinn: "Man verliert Zeit"

Ifo-Chef Sinn: "Geberländer verlieren mehr und mehr Geld" - "Gigantische Leistungsbilanzdefizite" in EU-Problemländern

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert Hans-Werner Sinn, Präsident des "Instituts für Wirtschaftsforschung" (Ifo) in München, die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels: "Die Geberländer verlieren mehr und mehr Geld, ohne dass dadurch irgendein Beitrag zur Lösung der Probleme geleistet würde. Man verliert Zeit." Schuldenländer wie Griechenland, Irland, Spanien, Portugal und Italien seien durch den billigen Kreditfluss unter dem Euro teuer geworden und hätten "gigantische Leistungsbilanzdefizite" in der Höhe von gemeinsam 120 Milliarden Euro pro Jahr aufgebaut. "Mit dem auf dem EU-Gipfel beschlossenen Programm kann man es eine Weile finanzieren. Nur wird die Außenschuld dann jedes Jahr um 120 Milliarden Euro größer, und man entfernt sich immer weiter von der Lösung der Probleme", erläutert der Ifo-Chef.

Die Hebelung des Rettungsschirms EFSF berge große Risiken. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der deutsche oder österreichische Maximalbeitrag an Haftungen und Garantien im Rettungsschirm auch tatsächlich fällig wird, vergrößert sich erheblich."

Sinn spricht sich im "profil"-Interview für Änderungen des EU-Vertrags aus, da schon der alte Maastricht-Vertrag bereits mehrfach gebrochen worden sei. "Die Vertragsänderungen laufen alle darauf hinaus, dass die EU-Länder gegenüber ihren Verfassungsgerichten sagen können, dass sie das Vermögen ihrer Bürger rechtmäßig aufs Spiel setzen."

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