Mehr Geld für exzellente Krebstherapien aus Tirol

Expertenkommission bestätigt dem Tiroler COMET-Zentrum Oncotyrol herausragende Arbeit und empfiehlt Förderung bis 2015

Innsbruck (OTS) - Seit drei Jahren läuft sie, die große Verbundforschung im Oncotyrol. Über 40 beteiligte Partner aus dem In-und Ausland arbeiten an der Entwicklung innovativer Therapien zur verbesserten Diagnostik und individuellen Behandlung von Krebspatienten bei weniger Nebenwirkungen. Jetzt hat eine internationale Jury das Kompetenzzentrum im Auftrag der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) begutachtet und bestätigt: die Arbeit von Oncotyrol ist exzellent. Damit gibt die Expertenkommission den Weg für eine zweite Förderperiode und neue Forschungsgelder an den Standort frei. Weitere 13,5 Millionen Euro wollen Firmenpartner, öffentliche Hand und Universitäten gemeinsam investieren.

"Das positive Ergebnis der Expertenevaluierung für Oncotyrol zeigt, dass die Profilbildung am Standort Tirol erfolgreich verläuft und die bisherigen Landesinvestitionen gut platziert sind", zeigt sich der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter erfreut. "Oncotyrol verbindet die in Tirol exzellent entwickelte onkologische Grundlagenforschung erfolgreich mit den klinischen Bereichen, also der Anwendung am Patienten. Und genau mit dieser Vernetzung kann Tirol die Entwicklung moderner Therapien beschleunigen und sich im Bereich Onkologie eine internationale Spitzenstellung erarbeiten. Dank Oncotyrol sind wir bereits auf dem besten Weg zu einer solchen Top-Position", so Platter.

Experten empfehlen der Bundesregierung Förderung für weitere drei Jahre

Sieben anerkannte Experten aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Österreich waren es, die das K1-Zentrum Oncotyrol kürzlich zwei Tage lang genauestens unter die Lupe genommen haben. Am Prüfstand: Forschungsprojekte, Organisation, Entwicklung, Kennzahlen und der für eine zweite Förderperiode eingereichte Antrag. Die Bewertung fiel umfassend positiv aus. Besonderes Lob spricht die Jury der wissenschaftlichen Exzellenz und der rasch erarbeiteten, internationalen Sichtbarkeit von Oncotyrol aus. Damit erreicht Oncotyrol zwei ganz wesentliche Zielsetzungen des COMET-Programms und die Jury empfiehlt den Programmeigentümern Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sowie Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend die Förderung für weitere drei Jahre.

Zoller-Frischauf: Wirtschaft stellt positives Zeugnis über neue Budgets aus

Der Löwenanteil der öffentlichen Finanzierung für Oncotyrol kommt ab 2012 mit 4,5 Millionen Euro von Bundesseite via FFG. Das Land Tirol sieht für die erforderliche Cofinanzierung im Verhältnis 2:1 eine Förderung von rund 2,25 Millionen Euro vor. Mit den künftigen Investitionen der Firmenpartner in Höhe von 6 Millionen Euro (45%) und jenen der Universitäten (5%) stehen insgesamt 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. "Das Juryurteil und die neuen Investitionen sind ein Meilenstein für den Krebsforschungsstandort Tirol und die angewandte Forschung in unserer Region", bewertet Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. "Wichtig ist mir zudem, dass die internationalen Firmenpartner über Zuteilung ihrer Budgets schon im Vorfeld der Evaluierung ein positives Zeugnis ausgestellt haben. Dass Pharmagrößen wie Roche oder Janssen-Cilag erneut investieren spricht für die Tiroler Expertise und bestätigt das Konzept Oncotyrol."

Oncotyrol: Public-Private-Partnership bringt teure Forschung rasch zum Patienten

Personalisierte Medizin birgt attraktive Chancen für Patienten, Gesundheitssystem, innovative Technologiefirmen und die Industrie. Allerdings braucht sie fundierte Forschung und Entwicklung, die bereits auf der molekularen Ebene und damit in der Grundlagenforschung ansetzt und bis in die Klinik reicht. Dies alles ist mit hohen Kosten verbunden. Mit Hilfe des Private-Public-Partnership-Modells Oncotyrol können öffentliche Hand und Wirtschaft ihre verfügbaren Mittel gemeinsam möglichst effizient einsetzen. 22 Forschergruppen an 5 Universitäten, 9 Industriepartner und 27 Unternehmen kleiner und mittlerer Größe nutzen diese Option bei Oncotyrol zum Zeitpunkt in 29 Forschungs-projekten. Für die zweite Förderperiode kommen 29 neue Firmenpartner sowie 16 weitere Wissenschaftspartner dazu, darunter klingende Namen wie Ratiopharm, Celgene Biotech Austria, der US-Pharmakonzern Merck & Co oder das Weizman Center in Tel Aviv.

"Die wichtigste Aufgabe des Oncotyrol-Managements ist es, dafür zu sorgen, dass erfolgversprechende Ansätze für die Therapie möglichst schnell zum Patienten kommen. Firmenpartner für Phase zwei haben wir deshalb verstärkt nach ihrer Bereitschaft ausgewählt, erzielte Ergebnisse unmittelbar für die Entwicklung konkreter Produkte einsetzen zu wollen. Der wirtschaftliche Return on Investment für die Partner dient gleichzeitig der langfristigen Sicherung der Arbeit von Oncotyrol", nimmt Bernhard Hofer, MSc, der Geschäftsführer der Oncotyrol GmbH, zu den neuen Firmenpartnern Stellung. Diese werden im Rahmen ihrer Beteiligung auch an zahlreichen neuen Forschungsprojekten mitarbeiten.

Auf dem Plan: ein innovatives Testsystem für potenzielle Wirkstoffe gegen Knochenmarkstumor und Technologietransfer als Alleinstellung

Eines der neuen Projekte in Förderperiode zwei beschäftigt sich mit dem therapeutischen Bedarf für das Multiple Myelom. Dieser unheilbare Knochenmarkstumor wird jährlich bei 50.000 Patienten in Europa und den USA diagnostiziert und führt jedes Jahr bei 25.000 Patienten zum Tod. Dass es bislang keine personalisierten Medikamente zur Behandlung gibt, liegt unter anderem daran, dass ein gutes Testsystem für potenzielle Wirkstoffe, ein sogenannter Assay, fehlt. Ab 2012 wird Oncotyrol das Testsystem zum Screening entdeckter Wirkstoff-Kandidaten selbst entwickeln. Von regionaler Seite wollen sich die TILAK und die ugichem GmbH sowie als internationale Partner Roche Diagnostics, Pan-Biotech (beide Deutschland) und das ungarische Biotech-Unternehmen Vichem Chemie beteiligen. Für das neue Testsystem will man einzigartige Zellkulturbedingungen schaffen, bei denen die Tumorzellen in einem naturähnlichen Umfeld aus Blutgefäßen, Immunzellen und Bindegewebszellen gezüchtet werden. Erst die Beobachtung der Tumorzellen in diesem System wird verlässliche Aussagen ermöglichen, ob die Test-Wirkstoffe wirklich nur die Tumorzellen töten und gesunde Zellen wie körpereigene Immunzellen verschonen. Die Beobachtung des Verhaltens der Zellen erfolgt schließlich mit Hilfe PANsys 3000, einem innovativen automatisierten Zellkultursystem der beteiligten Pan-Biotech vor Ort in Innsbruck.

Univ.-Prof. Prof. Dr. Lukas Huber, der wissenschaftliche Leiter von Oncotyrol, erläutert: "Das Multiple Myelom-Projekt ist Best Practice für das Oncotyrol-Prinzip. Denn eine aussichtsreiche Entdeckung auf molekularer Ebene - zum Beispiel von Biomarkern oder Wirkstoffkandidaten - schafft es nur dann zum individuellen Einsatz am Krankenbett, wenn sie effizient verzahnt weiter bearbeitet wird. Alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette, das sind Forscher, Mediziner, HTA-Experten sowie für die Durchführung der klinischen Studien oder die Vermarktung in Frage kommende Unternehmen sind bei Oncotyrol vom Start weg in die Entwicklung eingebunden. Diesen Vorsprung beim Technologietransfer werden wir in der zweiten Förderperiode von Oncotyrol weiter ausbauen und als klares Alleinstellungsmerkmal der Tiroler Krebsforschung positionieren."

Hintergrund Oncotyrol

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Gesellschafter der Oncotyrol GmbH sind die Medizinische Universität Innsbruck, die Tiroler Landeskrankenanstalten, die Landesuniversität UMIT (Private Universität für Gesundheits-wissenschaften, Medizinische Informatik und Technik), die Standortagentur Tirol sowie die CEMIT, Center of Excellence in Medicine and IT Gmbh.
Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten -Medizinische Universität Innsbruck, Universität Innsbruck, UMIT - im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt. Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET - Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) sowie Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) und auf Bundesländerseite federführend von Tirol gefördert. Das Programm COMET wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt. Koordiniert wird das Großprojekt von der CEMIT.
Links: www.oncotyrol.at, www.ffg.at/comet

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