Pressekonferenz: Ärzte fordern: Versorgung von Schmerzpatienten muss besser werden!

Präsentation der Ergebnisse der Ärzte-Schmerz-Petition 2011

Wien (OTS) - In Österreich leiden rund 1,7 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Trotzdem wird der Zugang zu innovativen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieformen erschwert. 1.391 Ärzte fordern mit ihrer Unterschrift ein breiteres Therapieangebot und dass zur Behandlung von starken Schmerzen zugelassene Präparate auch in die Erstattung der österreichischen Sozialversicherung aufgenommen werden. Dadurch sollen Schmerzen gelindert und Belastungen für die Volkswirtschaft durch Krankenstand, Invalidität und Berufsunfähigkeit minimiert werden.

Initiiert wurde die Ärzte-Schmerz-Petition 2011 von der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) sowie der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP). Der Anlass hierzu war und ist die Tatsache, dass der Zugang zu innovativen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieformen in Österreich erschwert ist. Allein in den letzten Jahren wurden beispielsweise sieben neue Medikamente - zugelassen zur Behandlung von starken Schmerzen - nicht in den Erstattungskodex (EKO) aufgenommen.

"Diese Medikamente sind aber in anderen, mit Österreich vergleichbaren EU-Ländern, zur Behandlung chronischer Schmerzen auf Kassenkosten verschreibbar. Das muss zum Wohl der Patienten geändert werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) die Beweggründe der Unterschriftenaktion und ergänzt: "Erfolgreiche Schmerztherapie impliziert eine 'multimodale' Vorgehensweise. Um Patienten auch in Zukunft State-of-the-Art behandeln zu können, ist eine Änderung der Rahmenbedingungen erforderlich, wofür wir uns mit unseren Unterschriften einsetzen."

Knapp 1400 Unterschriften in nur vier Wochen

"Gerade die Schmerztherapie ist eine höchst individualisierte Medizin. Bestimmte Substanzen oder neue Therapeutika können gar nicht durch Althergebrachtes ersetzt werden. Die sogenannten "high-end"-Präparate fehlen in Österreich im klinischen Behandlungsrepertoire. Therapieempfehlungen medizinischer Fachgesellschaften müssen von der Sozialversicherung berücksichtigt werden. Österreich darf hier nicht hinter alle EU-Standards zurückfallen. Das bestätigt auch das Ergebnis der Ärzte-Schmerz-Petition", verdeutlicht Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle Kozek-Langenecker, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) und führt weiter aus: "In einem Zeitraum von nur vier Wochen bestätigten insgesamt 1.391 Ärztinnen und Ärzte, dass zusätzliche innovative Schmerztherapeutika zur Behandlung von chronischen Schmerzen notwendig sind und dass Therapieempfehlungen medizinischer Fachgesellschaften von der Sozialversicherung berücksichtigt werden müssen.

Umdenken im Gesundheitssystem notwendig

Dieses Resultat stellt für die Präsidenten der Fachgesellschaften einen klaren Auftrag dar, Gespräche mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Politik zu führen. Am 5. Oktober 2011 wurde die Schmerz-Petition an den Hauptverbandsvorsitzenden Dr. Hans Jörg Schelling übergeben. Es wurde vereinbart, eine gemeinsame Task-Force ins Leben zu rufen. "In den nächsten Monaten wollen wir die Dringlichkeit der Situation klar machen", so Doz. Kozek-Langenecker.

Volkswirtschaftliche Folgen von chronischen Schmerzerkrankungen unterbewertet

Schmerzen wirken sich nicht nur auf das individuelle Leid der Patienten und deren Lebensqualität aus. Wenn junge Patienten im arbeitsfähigen Alter betroffen sind, leidet auch die Volkswirtschaft darunter. Rund 15 Arbeitstage gehen pro Jahr durch Schmerzen verloren. Eine Umfrage zeigt, dass rund 20 Prozent der Befragten über Jobverlust aufgrund von Schmerzen klagen, gleichzeitig wird bei 21 Prozent eine Depression diagnostiziert . "Immer mehr Österreicher sind von Schmerzen betroffen. Besonders 40 bis 50-Jährige schlittern oft krankheitsbedingt in die Berufsunfähigkeits- oder Frühpension. Fehlzeiten aufgrund von häufigen Arztbesuchen, lange Krankenstände, Berufsunfähigkeit und Frühpension belasten die Volkswirtschaft", bestätigt Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias, Österreichische Ärztekammer und past Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und führt weiter aus: "Chronische gesundheitliche Beeinträchtigungen haben insgesamt einen Effekt auf die Kaufkraft und können das Wirtschaftswachstum dämpfen. Daraus folgt, dass mit zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung die Erwerbstätigkeit leidet, Berufsunfähigkeit- und oder Frühpensionen die Folge sind und schlussendlich die Höhe des Erwerbseinkommens zurückgeht. Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 33 Prozent aufgrund von chronischen Schmerzen berufsunfähig und 21 Prozent aufgrund von chronischen Schmerzen in Frühpension sind. Natürlich spielt auch die demografische Entwicklung - die steigende Lebenserwartung - eine große Rolle. Beeinträchtigte Erwerbssituation, frühe Berufsunfähigkeit, Frühpensionierungen und langfristige Behandlungen, all das wirkt sich nicht nur auf das Leben der Betroffenen aus. Das bedeutet auch steigende Kosten für das Gesundheitssystem und zwar für alle Beteiligten: Sozialversicherung, Bund, Länder und Gemeinden. Bei der Schmerztherapie geht es nicht nur um die Medikamentenkosten, die die Sozialversicherung übernehmen muss, es sind vor allem die hohen indirekten Kosten, die auch Bund und Länder betreffen."

Mehr Lebensqualität für Schmerzpatienten

Sabine Waste, Gründerin der help 4 you company und selbst chronische Schmerzpatientin, unterstützt die Initiative der Ärzteschaft und führt dazu aus: "Die Situation ist alarmierend: laut Befragung sagen 10 Prozent der PatientInnen, die Schmerzen seien manchmal so stark, dass sie lieber sterben möchten. Es dauert in Österreich über zwei Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird! Schmerzen sind sehr individuell und jeder erlebt Schmerz anders, da spreche ich aus langjähriger Erfahrung. Man muss mit Schmerzen nicht leben, sondern für jeden Patienten kann ein passendes Behandlungskonzept gefunden werden. Gezieltere, individuell auf den Patienten abgestimmte Therapie trägt zu einer erhöhten Compliance bei. Ich unterstütze daher die Initiativen der Ärzte, damit die Versorgung für alle Schmerzpatienten in Österreich besser wird."

Über die Schmerz-Petition 2011

Im Fokus der Petition lagen folgende Aussagen und Forderungen an das österreichische Gesundheitssystem:

  • "Als Ärztin/Arzt kann ich aufgrund meiner Erfahrung im täglichen Umgang mit SchmerzpatientInnen bestätigen, dass zusätzliche innovative Schmerztherapeutika notwendig sind."
  • "Klinische Therapieempfehlungen von Fachgesellschaften in Österreich sollen auch von der Sozialversicherung adäquat respektiert und umgesetzt werden."

Die Petition richtete sich an alle Ärzte, die chronische Schmerzpatienten tagtäglich behandeln und denen eine Verbesserung der therapeutischen Situation im klinischen Alltag ein besonderes Anliegen ist: Schmerzexperten aller Fachrichtungen in den Spitälern und Spezialambulanzen, Fachärzte im niedergelassenen Bereich sowie auch an Allgemeinmediziner, die Schmerz-Patienten langjährig und regelmäßig behandeln.

Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2417/

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

Die laufenden Aktivitäten zur Erhöhung des Bewusstseins für eine adäquate schmerztherapeutische Versorgung in Österreich werden von mehreren Unternehmen der pharmazeutischen Industrie unterstützt. Diese Aussendung wurde mit Unterstützung von Grünenthal und Mundipharma durchgeführt.

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