Mitterlehner: Neuer Jugendmonitor verdeutlicht Reformbedarf bei Pensionen und Pflege

Mitterlehner für nachhaltige Sicherung der Altersversorgung durch mehr Transparenz und klares Bonus-Malus-Modell - 73 Prozent der Jugendlichen wollen Reformen im Pensionssystem

Wien (OTS/BMWFJ) - Familien- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner betonte am Montag bei der Präsentation des neuen BMWFJ-Jugendmonitors die steigende Bedeutung einer zukunftsorientierten Sicherung des Pflege- und Pensionssystems. "Die Ergebnisse des Jugendmonitors verdeutlichen den Handlungsbedarf für eine nachhaltige Sicherung der Altersversorgung", sagte Mitterlehner bei einem Pressegespräch mit dem Politik- und Kommunikationswissenschaftler Peter Filzmaier. So sind 73 Prozent der 800 befragten 14- bis 24-Jährigen der Meinung, dass grundlegende Reformen im Pensionssystem nötig sind. Beinahe zwei Drittel der Jugendlichen denken nicht, dass sie mit der Pension durch den Staat einmal ihr Leben finanzieren werden können. Von diesen 65 Prozent befürchtet die Hälfte gar überhaupt keine staatliche Pension mehr zu bekommen. Darüber hinaus spricht sich eine Mehrheit von 54 Prozent für eine häusliche Betreuung älterer Familienmitglieder aus.

Besonders große Handlungsnotwendigkeiten sieht Mitterlehner im Pensionssystem. "Ohne Gegenmaßnahmen gefährden wir nicht nur die Pensionen der nächsten Generationen, sondern berauben uns auch des budgetären Spielraums für Zukunftsinvestitionen", betonte Mitterlehner. Daher ist Mitterlehner für ein nachhaltiges Pensionssystem, das mit Automatik-Elementen wie in vorbildlichen Ländern wie Finnland oder Schweden ausgestattet ist, die bei der Eindämmung der Kosten äußerst erfolgreich sind. Zugleich ist Mitterlehner dafür, das heimische Pensionssystem zu vereinfachen und transparenter zu machen. Daher sollten die Parallelrechnung früher als geplant abgeschafft und die bisher erworbenen Ansprüche auf ein Pensionskonto übertragen werden. "Auf dieser Basis lässt sich ein Bonus-Malus-Modell mit gezielten Anreizen und Einschränkungen etablieren, um eine echte Motivation für längere Erwerbsarbeit zu setzen", so Mitterlehner. Die Ansatzpunkte des kürzlich präsentierten Sozialpartner-Pakets hält Mitterlehner für richtig, diese sollten aber nur einen Zwischenschritt darstellen. Als besonders positiv wertet Mitterlehner die geplante Schaffung eines "Rehabilitationsgeldes", das an die Stelle der befristeten Invaliditätspension treten soll.

Im OECD-Vergleich liegt Österreich mit einem faktischen Pensionsantrittsalter von 58,2 Jahren an vorletzter Stelle. "Wir hinken dem internationalen Schnitt und Ländern wie Deutschland und Schweden weit hinterher", so Mitterlehner. Zudem verkürzte sich die Erwerbszeit seit 1970 von 43 Jahren auf 35 Jahre, während die Versorgungszeit (Kindheit, Ausbildung, Pension) von 34 Jahren auf 48 Jahre stieg. "Die Menschen sind immer länger in Ausbildung und in Pension, während die Phase der Erwerbstätigkeit zurückgeht. Das ist auch angesichts des demographischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftebedarfs ein Alarmsignal", so Mitterlehner.

Pflege: Neuer Schwerpunkt für altersgerechte Sanierung als Ziel

Im Pflegebereich zeigt der Jugendmonitor, dass junge Menschen ihre älteren Familienmitglieder vor allem zuhause betreut wissen wollen. "Neben der Forcierung der mobilen Pflege sollte verstärkt in eine altersgerechte Sanierung von Gebäuden investiert werden. Wir müssen darauf achten, dass wir bis zum nächsten Finanzausgleich das gesellschaftspolitische Klima so aufbereitet haben, dass wir dort die entsprechenden Weichen in diese Richtung stellen können", so Mitterlehner. Zusätzlich zu einer stärkeren Schwerpunktsetzung bei den bestehenden Fördermodellen der Länder könnte nach dem Auslaufen der jetzigen Bundes-Förderaktion für die thermische Sanierung im Jahr 2014 auch eine eigene Förderschiene für "barrierefreies Sanieren" geschaffen werden, wenn die budgetären Mittel dafür vorhanden sind.

Bis zum Jahr 2050 wird es laut Statistik Austria um 650.000 mehr Über-80-jährige als derzeit geben. Müssten davon zehn Prozent in Pflegeheimen versorgt werden (65.000 Plätze), würden schon auf derzeitiger Kostenbasis einmalige Errichtungskosten von 5,5 Milliarden Euro und jährliche Pflegepersonalkosten von 1,6 Mrd. Euro anfallen, so eine Studie von Leitner Consult zum Thema "Volkswirtschaftlicher Vergleich von altengerechten Wohnversorgungstypen". Die günstige Alternative zum Neubau von Pflegeheimen ist, dass Eigenheime oder Wohnungen barrierefrei gestaltet werden. Gleichzeitig können wir damit den Menschen ein würdiges Altern in ihrer vertrauten Umgebung erleichtern", so Mitterlehner.

Filzmaier: "Realistisches Problembewusstsein der Jugendlichen"

Für den Politik- und Kommunikationswissenschaftler Peter Filzmaier zeigen die Ergebnisse des Jugendmonitors, dass die Befragten sehr realistische Einschätzungen über die Folgen des demographischen Wandels haben. "Es gibt ein großes Problembewusstsein, das aber auch nach Dialog fragt", sagt Filzmaier. So sind die Jugendlichen überwiegend der Meinung, dass sie von der Erfahrung älterer Menschen profitieren können. Und immerhin 71 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ältere Arbeitnehmer aufgrund ihrer Erfahrung wichtige Mitarbeiter sind und lange berufstätig bleiben sollen. Knapp die Hälfte der befragten 14- bis 24-Jahrigen denkt zudem schon jetzt darüber nach, wie sie ihre Eltern einmal betreuen können.

Als besonders erfreulich bewerten Mitterlehner und Filzmaier, dass rund drei Viertel der Jugendlichen trotz der unsicheren internationalen Lage den nächsten Monaten zuversichtlich entgegen sehen und optimistisch gestimmt sind. Dabei sind Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren mit 86 Prozent noch deutlich optimistischer als 18- bis 24-Jährige.

Mit dem Jugendmonitor des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) werden die Meinungen und Einstellungen der Jugend zu wechselnden Schwerpunktthemen erfasst. Dabei befragt das Institut für Strategieanalysen von Peter Filzmaier jeweils 800 Personen, die repräsentativ für die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen sind.

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