Die verlorene Chance einer Aufarbeitung (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 21. Okt. 2011

Klagenfurt (OTS) - Die Erleichterung von Menschen, die unter einer Diktatur gelitten haben, über deren nun offensichtlich scheinendes Ende lässt sich nachvollziehen. Vor allem von jenen, die selbst eine solche miterlebt haben. Für Libyens Gewaltherrschaft galt Gaddafi als Symbol, mehr noch als Garant. Sein Ende wurde zur "Voraussetzung" für das Ende von Unterdrückung, Folter und Tod, so als seien sie immer nur an seine Person geknüpft gewesen. Doch das Bild trügt: Weder bedeutet der Tod des Ex-Machthabers automatisch Stabilität für Libyen noch war seine Macht eine allein durch ihn legitimierte. Jahrelang hat der so genannte "Westen" diese mitgetragen, aus politisch strategischen, pekuniären oder inszenatorischen Interessen. Durch medial vermittelte Schüsse nach der Dämonisierung einer Einzelperson wird nichts von alldem nur ansatzweise aufgearbeitet. Darauf hätte nur durch einen Prozess die Chance bestanden.

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