Argentinien der Welt steht nach Wahlen vor großen Herausforderungen

Wirtschaftsdelegierter Hofer: Zeit der fantastischen BIP-Zuwächse ist vorbei. Österreichische Exporte entwickeln sich aber weiter positiv

Wien (OTS/PWK742 ) - Am kommenden Sonntag, den 23. Oktober,
finden in Argentinien Präsidentenwahlen statt. Haushohe Favoritin ist die amtierende Präsidenten Cristina Fernández de Kirchner, Witwe des Ex-Präsidenten Nestor Kirchner. Bei der erstmals verpflichtenden landesweiten "Vorwahl" Mitte August 2011 erhielt sie bereits mehr als 50% aller Stimmen und dürfte zwischenzeitlich sogar ihren Vorsprung noch ausgebaut haben. "Cristina Fernández wird somit - darin sind sich sämtliche Beobachter einig - wesentlich gestärkt an den Start der nächsten Regierungsperiode von vier Jahren gehen. Dies wird auch nötig sein, denn auf das achtgrößte Land der Welt warten trotz einer guten wirtschaftlichen Momentaufnahme einige - zum Teil dringende -Herausforderungen", berichtet Josef Hofer, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Argentinien.

Die Zeit der fantastischen BIP-Wachstumsraten von durchschnittlich rund 7% jährlich seit 2003, dem Amtsantritt des verstorbenen Gatten der aktuellen Präsidentin, dürfte bald vorbei sein. Hofer: "Das Land ist stark von den Exporterlösen aus der Landwirtschaft - vorwiegend Soja - und somit von den internationalen Weltmarktpreisen, die in letzter Zeit ins Trudeln gekommen sind, abhängig." Und jeder Prozentpunkt, den die brasilianische Währung nachgibt, verteuert die argentinischen Industrieprodukte auf deren wichtigsten Absatzmärkten. "Für heuer wird mit einer Abflachung des Wachstums auf rund 5% bis 6% gerechnet, für den Zeitraum 2012 bis 2014 werden nur mehr zwischen 3% und 5% prognostiziert", so Hofer.

Auch die hohe Inflationsrate von real rund 25% jährlich (bei vergleichsweise stabilem durch die Zentralbank gestütztem Wechselkurs) wird vermutlich nicht länger ignoriert werden können. In den letzten Jahren lagen die offiziell bekannt gegebenen Teuerungsraten stets knapp unter der psychologisch wichtigen 10%-Marke, was zahlreiche internationale Organisationen kritisch vermerken. Eine weitere "Baustelle" ist die Beziehung und der Zugang zu den internationalen Finanzmärkten. Argentinien befindet sich nach dem Staatsbankrott Ende 2001 nach wie vor im Default, denn eine Einigung mit dem Pariser Klub, es geht um öffentliche Schulden von rund 9 Mrd. US-Dollar, ist bisher nicht erfolgt. Eine der Voraussetzung hierfür wäre eine Kontrolle der Wirtschaftsdaten Argentiniens durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), was die Regierung bisher strikt ablehnt.

Die österreichischen Exporte nach Argentinien legten 2010 um beachtliche 48,7% gegenüber dem Krisenjahr 2009 zu und auch die Entwicklung von +2% in den ersten sieben Monaten des Jahres 2011 darf angesichts der in Wahljahren stets nachlassenden Investitionsneigung sowie in Kraft befindlicher formeller und informeller Importrestriktionen als zufriedenstellend bewertet werden. Argentinien stellt somit nach Brasilien und Chile den drittwichtigsten Exportmarkt Österreichs in Südamerika dar. Wichtigste von Österreich gelieferte Produktgruppen sind hochwertige Maschinen und Apparate wie z.B. Stromgeneratoren und Lebensmittelmaschinen, gefolgt von pharmazeutischen Erzeugnissen (Antisera und Blutfraktionen), Spezialstählen und Stahlwaren, Energydrinks, Messinstrumenten, chemischen Erzeugnissen, etc. (BS)

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Mag. Josef Hofer
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