Sozialpartner-Dialog: Herausforderung Demografie annehmen

GeneralsekretärInnen der Sozialpartner plädieren bei Abschlussrunde für Bündelung der Kräfte, um Systeme zu reformieren

Bad Ischl (OTS/PWK716) - Alice Kundtner, stellvertretende
Direktorin der AK: "Wir wissen, dass Arbeit krank machen kann, wir wissen aber auch, dass Nichtarbeiten ganz sicher krank macht". Daher fordert Kundtner rasche Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Eine große Gruppe jener, die in Frühpension gehen müssen, tut dies nicht freiwillig, sondern müssen krankheitsbedingt in die Invaliditätspension gehen. Die Hälfte davon wegen psychischen Erkrankungen. Kundtner betont, dass es bei den arbeitsbedingten physischen Erkrankungen eine sehr gute Datenlage über Ursachen und Wirkung gibt. Bei den psychischen Erkrankungen aber nur sehr wenig bekannt ist. Kundtner fordert daher dringend eine Evaluierung der arbeitsbedingten psychischen Belastungen. Außerdem sollen in den Betrieben verstärkt Arbeits- und Organisationspsychologen eingesetzt werden. Das ist auf freiwilliger Basis bereits möglich, für Betriebe, die nachweislich eine hohe Zahl von Krankenständen ausweisen könnte das, so Kundtner, auch verpflichten eingeführt werden.

Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, kritisierte die Kritiker der Sozialpartnervorschläge zur Pensionsreform: "Deren Vorschläge zielen nur darauf ab, Pensionen zu kürzen, aber niemand hat Vorschläge gemacht, wie man Betriebe dazu bringen kann, die Menschen länger zu beschäftigen. Aber wenn jemand keinen Arbeitsplatz hat oder zu krank zum Arbeiten ist und nicht in Pension gehen kann, werden nur die Kosten zwischen Arbeitslosen-, Kranken- und Pensionsverschiebung verschoben. Das wäre keine nachhaltige Reform." Die Sozialpartner haben viele gute Vorschläge gemacht, um die Menschen länger gesund und arbeitsfähig zu erhalten. "Es gäbe natürlich noch viele weitere Möglichkeiten, etwa bessere arbeitspsychologische Betreuung und verpflichtende Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung. "Heute ist das alles freiwillig, manche Betriebe machen etwas, andere tun gar nichts", sagte Achitz, und wies darauf hin, dass es überwiegend die Unternehmen mit Betriebsrat sind, wo es betriebliche Gesundheitsförderung gebe. Eine weitere Möglichkeit, Älteren ihre Jobs zu erhalten, seien der Rechtsanspruch auf Änderung der Arbeitszeit und auf Ausstieg aus der Schichtarbeit, sowie Verbesserungen beim Kündigungsschutz. "Wenn man intelligente Programme entwickelt, führt das auch nicht dazu, dass die Älteren noch schwerer vermittelt werden können als derzeit. Nach dem schwedischen 'Last-In, First-Out'-Modell kann ein ältere Arbeitnehmer durchaus wieder gekündigt werden, wenn er zuletzt eingestellt wurde." Das Argument, niemand mehr würde bei verbessertem Kündigungsschutz noch ältere Menschen einstellen, weil man sie nicht mehr los wird, ist also schlicht falsch, wenn man das intelligent regelt."

"Wir stehen als Sozialpartner vor einer der größten Herausforderungen", betonte Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, mit Verweis auf die Schulden- und Finanzkrise und die demografischen Veränderungen.
Das von den Sozialpartnern geschnürte Maßnahmenbündel zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters werde nur fruchten, wenn all die Vorschläge rasch umgesetzt und gezielt mitgetragen werden, betonte Hochhauser. Kardinaler Punkt beim diesjährigen Sozialpartner-Dialog sei die Tatsache, dass sich aus der Veränderung der Erwerbsbevölkerung dringender Handlungsbedarf ergebe, und es gelte, das gesamte Arbeitskräftepotenzial zu nutzen.
Neben der Gruppe der älteren ArbeitnehmerInnen, auf die die Sozialpartner mit ihren Vorschlägen zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters eingegangen sind, unterstrich Generalsekretärin Hochhauser die Wichtigkeit von Maßnahmen, um die Frauenerwerbsquote zu heben.
Hochhauser: "Wir brauchen Maßnahmen, um die Absenzen durch Kinderbetreuungsphasen zu verkürzen. Dazu sind flächendeckende Kinderbetreuungsangebote notwendig.

Dritte wichtige Gruppe, deren Potenzial es zu heben gilt, seien die Jugendlichen, die keinen Bildungsabschluss haben. "Wir brauchen ein leistungsfähiges Bildungssystem und eine Attraktivierung der dualen Berufsausbildung, die auf die Herausforderungen in den Betrieben sowie auf die Eignungen und Neigungen der Jugendlichen stärker Rücksicht nimmt. Notwendig sind Bildungsstandards am Übertritt in die berufliche Aus- und Weiterbildung,"

August Astl, Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, betonte, dass auch die LKÖ voll hinter der Forderung nach einer Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters stehe.
In der Landwirtschaft wirke sich nicht nur die Demografie aus, es habe auch wesentliche Veränderungen der Arbeitsweise gegeben, was sich auch auf die Relation von Erwerbstätigen zu Pensionisten auswirke. Auf einen Beitragszahler kämen 1,2 Pensionisten. Vor dem Hintergrund des technischen Fortschritts werden Bauern immer mehr zu Unternehmern, die Abgrenzung zum Gewerbe werde immer geringer. (PM)

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