ÖGJ: Mehr Qualität in die Lehrausbildung!

Teilprüfung und Qualitätssicherung einführen, Durchlässigkeit Schule-Lehre verbessern

Wien (OTS/ÖGB) - "Es geht nicht nur um die Wahl des richtigen Lehrberufs. Die Jugendlichen brauchen die Garantie, dass sie auch gut ausgebildet werden, wenn sie einmal einen Lehrbetrieb gefunden haben", fordert Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), anlässlich des Tags der Lehre: "Die Lehre ist der einzige Ausbildungsweg, wo es so etwas wie Qualitätssicherung überhaupt nicht gibt, das muss sich ändern." Konkrete Schritte wären die Einführung einer verpflichtenden Teilprüfung, die verpflichtend auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet werden. "Das senkt den Druck auf die Lehrlinge, die Jugendlichen wüssten Bescheid, was sie können, und die Qualität der Betriebe würde überprüfbar", so Michlmayr. Außerdem notwendig: Gesetzliche Qualitätssicherung, verpflichtende betriebliche Ausbildungspläne sowie bessere und kontrollierte Aus-und Fortbildung für die Ausbildner.++++

Die ÖGJ als Vertretung der Lehrlinge ist gerne bereit, ihre Expertise bei der Erarbeitung eines neuen Förderkonzepts einzubringen. Die Lehrlingsförderung Neu sollte nicht mehr beim Insolvenzfonds angesiedelt sein, sondern in einem eigenen, neu zu schaffenden Ausbildungsfonds: "Wir brauchen einen Ausbildungsfonds, in den Betriebe einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die ordentlich und qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten", so Michlmayr.

Durchlässigkeit Schule - Lehre erhöhen - Fachkräfte ordentlich bezahlen

"Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat, soll auch entsprechend bezahlt werden. Daran schummeln sich viele Firmen aber vorbei", kritisiert Michlmayr, "denn oft werden Absolventinnen von berufsbildenden Schulen nicht als Fachkräfte eingestuft, sondern nur als Lehrlinge bezahlt." Bei der Gewerkschaftsjugend haben sich zum Beispiel mehrere HandelsschulabsolventInnen gemeldet, die statt als Bürokaufmann/-frau nur als Lehrling eingestuft wurden, und Tourismus-BHS-MaturantInnen, denen der Abschluss gerade nur ein Jahr Anrechnung für die Reisebüroassistenzausbildung eingebracht hat. Michlmayr: "Die Unternehmer sparen sich auf diese Art das höhere Gehalt, das sie eigentlich an die jungen ArbeitnehmerInnen zahlen müssten, und obendrein bekommen sie auch noch eine Lehrstellenförderung."

Bis zum Jahr 1993 konnte man relativ leicht von der Schule in die Lehre und umgekehrt wechseln - es war im BAG beziehungsweise im Schulorganisationsgesetz (SchOG) festgelegt, dass die bereits gelernten Inhalte auch in der anderen Ausbildung anerkannt und angerechnet werden. Wer also schon einige Schuljahre in der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) verbracht hat, musste nicht als Lehrling im ersten Lehrjahr einsteigen. Und wer mit einer fertigen Lehre in der Tasche noch in der Schule weiterlernen wollte, ist in eine entsprechend hohe Klasse eingeschult worden. "Die Wirtschaft jammert immer wieder über einen angeblichen Fachkräftemangel - aber fertig ausgebildete SpezialistInnen will sie nicht ordentlich bezahlen", kritisiert der ÖGJ-Vorsitzende.

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