Lehrlingsausbildung: Rasches Handeln im Ausbildungsbereich notwendig

IV-GS Neumayer: Aufnahmekriterien für Lehrlinge und Sicherung des Fachkräftenachwuchses Zukunftsthema für Industrie

Wien (OTS/PdI) - "Die demografische Entwicklung zwingt uns grundsätzlich zu raschem Handeln im Ausbildungsbereich", erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, anlässlich der Präsentation der Studie "Aufnahmekriterien für Lehrlinge" der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Steiermark durch den Geschäftsführer Mag. Dr. Peter Härtel, heute Dienstag. Österreich stehe aufgrund dieser demografischen Entwicklungen vor enormen ökonomischen, gesellschafts- und bildungspolitischen Herausforderungen. Die absehbaren Trends würden nicht nur zu gesellschaftlichen Umbrüchen und Veränderungen in der heimischen Bildungslandschaft infolge abnehmender Schülerzahlen führen. Der Nachwuchspool, aus dem die Unternehmen schöpfen, "trocknet nach und nach aus", warnte Neumayer.

"Für die österreichische Industrie hat die Lehrlingsausbildung eine hohe Bedeutung, und sie steht auch in schwierigen Zeiten zu ihrem Bekenntnis, in Bildung und Ausbildung insbesondere der Jugend zu investieren", so der IV-Generalsekretär. Die Industrie ist nach Gewerbe und Handel der drittgrößte Lehrlingsausbildner Österreichs und bildet aktuell rund 16.000 Lehrlinge aus. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es bei den Lehranfängern in der Industrie ein deutliches Plus von über 10 Prozent auf 4.550 Lehrlinge (September 2011). "Die Herausforderung ist: Unsere Betriebe finden immer weniger Lehrlinge. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ist daher aktuell eines der wichtigsten Themen für die Industriebetriebe, da die Unternehmen im Wettbewerb auf qualifizierte Fachkräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen sind", betonte Neumayer.

Studie: Anforderungen der Unternehmen an Lehranfänger

Allerdings werde die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Unternehmen, insbesondere in einer Industrie und dem was Lehranfänger an Kompetenz mitbringen immer größer. "Mehr als 1.700 Unternehmungen geben in dieser österreichweiten Erhebung Auskunft darüber, was sie von Lehrstellen-Bewerberinnen und -Bewerbern erwarten und wie sie die Kenntnisse und Kompetenzen, die Jugendliche mitbringen, einschätzen", so der Geschäftsführer der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Steiermark, Mag. Dr. Peter Härtel. Für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch liegen damit aussagekräftige Daten vor, die Jugendlichen, Lehrerinnen und Lehrern Orientierung darüber geben, worauf es in der Arbeitswelt wirklich ankommt. "Damit steht erstmals ein Instrument zur Verfügung, das Lehrerinnen, Lehrer und Jugendliche dabei unterstützt, sich gezielt auf den jeweils gewünschten Beruf vorzubereiten", so Härtel.

Und diese Unterstützung sei dringend erforderlich, da die Werte von geforderten und mitgebrachten Kenntnissen und Kompetenzen weit auseinanderliegen - in Bereichen wie Mathematik um 50 Prozentpunkte und mehr. Noch drastischer seien die Unterschiede zwischen Anforderungen der Unternehmungen und den vorhandenen Kompetenzprofilen Jugendlicher in anspruchsvollen Industrieberufen. "Hier tun sich Lücken von bis zu 70 Prozent auf", so Härtel. "Dies soll ausdrücklich nicht als Vorwurf an Jugendliche, Lehrerinnen, Lehrer, Schulpartnerinnen und Schulpartner oder die Schule als Ganzes verstanden werden. Die vorliegenden Aussagen sollen erstens konkrete Handhabe bieten, um Jugendlichen zeitgerecht auch im Rahmen des Berufsfindungsprozesses jene Kompetenzen zu vermitteln, die sie benötigen, um einen anspruchsvollen, zukunftssicheren Beruf zu erlernen", betonte Härtel. Die Ergebnisse seien aber sehr wohl ein klarer Beleg für den Reformbedarf im österreichischen Schulwesen:
"Bildungsqualität ist Aufgabe des gesamten Systems, der Politik und aller Beteiligten. Konzepte liegen vor - von der Strategie zum lebensbegleitenden Lernen für Österreich, der Pädagogenbildung NEU bis zum aktuellen Volksbegehren Bildungsinitiative. Jetzt muss das umgesetzt werden", so Härtel.

Auch die Industriellenvereinigung (IV) fordert seit langem eine Systemänderung, die die Qualität des Bildungswesens deutlich heben muss. In diesem Sinne sei auch das Engagement der IV beim "Bildungsvolksbegehren" zu verstehen. "Wir müssen alles in unserer Macht stehende unternehmen, um die ideologischen Gräben in der zentralen Zukunftsfrage 'Bildung und Ausbildung' zu überwinden. Ein weiterer Stillstand macht nicht nur die Wirtschaft und Politik zu Verlierern, sondern vor allem unsere Jugend, der die Zukunftsperspektiven genommen werden", betonte Neumayer abschließend.

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