Philosophen und Theologen fordern Bildung für alle im Iran

Weltweit scharfe Kritik an Verfolgung der Bahá'i

Wien (OTS) - Über 40 anerkannte Philosophen und Theologen aus sechzehn Ländern protestieren in einem offenen Brief gegen die Verweigerung des Rechts auf Bildung im Iran. In einer noch nie da gewesenen weltweiten Initiative wurde der Brief der Akademiker von christlicher, jüdischer, islamischer und hinduistischer Herkunft jetzt in der britischen Tageszeitung "The Daily Telegraph" veröffentlicht. Unter den Unterzeichnern befinden sich die Philosophen Charles Taylor und Hilary Putnam sowie der katholische Reformtheologe Leonardo Boff.

Taylor war bis zu seiner Emeritierung Professor für Philosophie an der McGill University in Kanada. Der vielfach ausgezeichnete Moralphilosoph und bekennende Katholik begründete seinen Protest gegen die iranische Regierung mit seiner tiefen Überzeugung, dass "kein Zwang" in religiösen Fragen bestehen sollte. Sein Protest sei Ergebnis seiner "Beunruhigung über die Iranische Revolution".

Iran verweigert Bahá'í Recht auf Bildung

"Als Philosophen, Theologen und Religionswissenschaftler, die in der ganzen Welt beheimatet sind, erheben wir unsere Stimme zum Protest gegen den kürzlich erfolgten Übergriff iranischer Behörden auf das Bahá'í Institute for Higher Education (BIHE)", heißt es in dem am 10.Oktober 2011 veröffentlichten offenen Brief in deutscher Übersetzung. Und weiter: "Als gläubige Menschen bekräftigen wir, dass Menschen ihrer Natur nach geistige Wesen sind mit einer ihnen innewohnenden Fähigkeit, Gott zu erkennen und die Wahrheit für sich zu erforschen. Sich Wissen anzueignen und zu Lernen ist ein heiliges und gesetzlich verankertes Recht aller; der Staat ist sogar verpflichtet, dies zu ermöglichen. Im Iran hat die Regierung das Gegenteil getan. Zu den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen gegen die Bahá'í gehört, dass ihnen Bildung allein aufgrund ihres Glaubens systematisch vorenthalten wird. Um den Bedürfnissen ihrer Jugendlichen gerecht zu werden, entwickelten die iranischen Bahá'í das BIHE - eine eigene, informelle Bildungsinitiative der Gemeinde. Am 22. Mai wurden 39 Häuser, die mit BIHE in Verbindung stehen, durchsucht. Die Aktivitäten des Instituts wurden seither als "illegal" erklärt. Neun Dozenten sind weiterhin in Haft. Angriffe wie diese, gegen das Recht von Bürgern, in Freiheit sich zu bilden und dies zu organisieren, können nicht länger geduldet werden. Wir fordern die iranische Regierung auf, nicht nur ihre Verfolgungspolitik gegen die Bahá'í zu beenden, sondern auch Bildung für alle zur Verfügung zu stellen und zu fördern."

Auch in Österreich haben namhafte Persönlichkeiten in Petitionen ein Ende der Diskriminierungen der Bahá'i im Iran gefordert.

Die Bahá'i-Gemeinde im Iran zählt mit über 300.000 Mitgliedern zur größten - allerdings nicht anerkannten - religiösen Minderheit des Landes. Seit über drei Jahrzehnten sind sie systematischen, staatlich angeordneten Verfolgungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Der im 19.Jahrhundert von Baha'u'llah (1817-1892) im Iran gestiftete und heute weltweit verbreitete Glaube lehrt die grundsätzliche Einheit aller Religionen und tritt für die volle Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und Bildung für alle ein.

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Ottilie Käfer,
Pressesprecherin der Bahá'í-Religionsgemeinschaft in Österreich
Bahá'i Center Austria,
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