- 10.10.2011, 22:01:45
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Kommentar zu Literatur
Osnabrück (ots) - Lust auf Lyrik
Und wo bleibt Hesse? Sein Gedicht "Stufen" liegt meistens vorn, wenn
Menschen in Deutschland nach ihrem Lieblingsgedicht gefragt werden.
Bei den Promis, denen Marburger Studierende die gleiche Frage
stellten, macht Rilkes "Panther" das Rennen. Sprichwörtlich gewordene
Zeilen bieten sie beide - Rilkes "Hinter tausend Stäben keine Welt"
steht Hesses "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" keinen Deut
nach. Die Sentenz macht das Gedicht zum Lieblingsgedicht, so ließe
sich folgern. Die Prominenten haben für den Band jedenfalls auf
sichere Kandidaten gesetzt. Eine Enttäuschung?
Ja und nein. Ja, weil ganze Bereiche der Lyrikgeschichte ausgeblendet
bleiben. Eichendorff, Heine, Mörike? Die Romantik hat keine Chance,
ebenso wenig wie die Lyrik nach 1945. Da fielen den Promis nur Robert
Gernhardt und Erich Fried ein. Wie konventionell. Also eine
Enttäuschung? Nein, denn die Politiker, TV-Leute und Sportler
begründen, was ihnen ein Gedicht sagt. So votiert Wolfgang Niedecken
für Brecht, Jan Fedder für Ringelnatz. Warum nicht? Über einen Kanon
des deutschen Gedichts lässt sich so nicht diskutieren, über Lust auf
Lyrik schon. Hesses "Stufen" bleiben übrigens gefragt, immerhin bei
Alfred Biolek.
Rückfragehinweis:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: 0541/310 207
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