Von Fukushima über Tschernobyl und Zwentendorf nach Wien Japanisch-österreichisches Gespräch über Energiefragen

Wien (PK) - Eine Delegation des japanischen Abgeordnetenhauses besuchte heute das Parlament und wurde vom Zweiten Präsidenten
des Nationalrates, Fritz Neugebauer, herzlich willkommen
geheißen. Die Parlamentarierdelegation aus Fernost wurde vom Vorsitzenden des Ausschusses für Regeln und Administration des Repräsentantenhauses, Tadamasa Kodaira, geleitet. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen der AKW-Unfall von Fukushima, die
Bemühungen Japans, das AKW zu sichern und die evakuierten
Menschen mit neuen Wohnungen zu versorgen, sowie ein Gedankenaustausch über die Energiepolitik Österreichs.

Tadamasa Kodaira berichtete seinem Gastgeber von der Reise seiner Delegation über Tschernobyl und Zwentendorf nach Wien. Das Atomunglück von Fukushima im März dieses Jahres sei wie jenes von Tschernobyl in der höchsten Kategorie, nämlich "sieben"
eingestuft worden. Im vergangen Juli sei es gelungen, das beschädigte AKW zu stabilisieren, führte Kodaira aus, nun
versuche man, die Kühlung des Reaktors zu reparieren. Japan
hoffe, dass dies noch in diesem Jahr gelingen werde. Menschen,
die evakuiert werden mussten und derzeit in Camps leben, sollen
bald wieder in Wohnungen untergebracht werden. "Wir werden alles daran setzen, die Sicherheit wiederherzustellen und werden der
Welt die Daten und Berichte über das Unglück zur Verfügung stellen, damit alle davon lernen können", sagte Tadamasa Kodaira.

Präsident Fritz Neugebauer erläuterte den Gästen aus Fernost den Standpunkt Österreichs zur Atomkraft und die daraus resultierende österreichische Energiepolitik. Zuvor brachte er aber sein tiefempfundenes Mitgefühl für die vielen Opfer der Katastrophe
vom März dieses Jahres in Japan zum Ausdruck. "Es hat sich
gezeigt, dass sich die Erde nicht darum kümmert, was die Menschen auf ihr bauen", sagte Neugebauer und fügte hinzu: "Wo es wegen
des großen Energiebedarfs hochentwickelter Länder schon nicht möglich ist, auf Kernkraftanlagen zu verzichten, sollen diese Anlagen dem höchsten Sicherheitsstandard entsprechen."

Das österreichische Kernkraftwerk Zwentendorf sei nicht in
Betrieb gegangen, weil es zuvor zum Anlass einer Volksabstimmung über die Zukunft der Energieversorgung in Österreich wurde. Diese Volksabstimmung hat eine knappe Mehrheit gegen die Nutzung der Kernenergie in Österreich gebracht. Würde man heute eine solche Volksabstimmung in Österreich abhalten - woran nicht gedacht sei
- würde sich eine weit größere Mehrheit der Österreicher gegen die Kernenergie aussprechen, teilte Fritz Neugebauer den
japanischen Parlamentariern mit. Was den Energiebedarf
Österreichs betreffe, sei das Land in der glücklichen und privilegierten Lage, sich aus Wasserkraft und in zunehmendem Maße auch aus Wind- und Sonnenenergie sowie aus anderen erneuerbaren Energien zu versorgen, erfuhren die japanischen Gäste in ihrer Unterredung mit Präsident Neugebauer.

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