- 10.10.2011, 14:59:55
- /
- OTS0206 OTW0206
Oesterreichs Energie: Bewusstseinswandel bei Energiethemen ernst nehmen
Oesterreichs Energie-Präsident Peter Layr: "Vorrang für erneuerbare Energien"
Wien (OTS) - Österreichs Stromkunden sind bereit, die Energiewende
zu unterstützen. Nach wie vor herrschen aber auch große
Informationsdefizite. Das ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts im
Auftrag von Oesterreichs Energie. "Ein Bewusstseinswandel ist
deutlich sichtbar, und das muss man ernst nehmen", sagt der Präsident
von Oesterreichs Energie, Peter Layr. "Die Energiewende muss in die
Breite getragen werden. Oesterreichs E-Wirtschaft will deshalb 2012
ein Aktionsprogramm vorlegen, das den im Zukunftsprogramm
beschlossenen Kurs der Investitionen und Innovationen in konkrete
Maßnahmen umsetzt."
Die Atomkatastrophe von Fukushima spiegelt sich als deutliche Zäsur
im Meinungsklima wider. Erstmals war den ÖsterreicherInnen im Mai
2011 wichtiger, woraus der Strom erzeugt wird, als ein niedriger
Preis. An erster Stelle steht nach wie vor unangefochten die
Versorgungssicherheit. Die Zufriedenheit mit dem eigenen
Stromversorger ist auch nach Fukushima ungebrochen hoch. 79 Prozent
halten es derzeit für wichtig oder sehr wichtig, dass der in
Österreich verbrauchte Strom zur Gänze im Land produziert wird, das
sind neun Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.
Vorrang für Strom aus erneuerbaren Energien
Breite Zustimmung findet bei den ÖsterreicherInnen der Ausbau der
erneuerbaren Energien. Knapp zwei Drittel sind der Ansicht, dass eine
problemlose Stromversorgung in Österreich auch in Zukunft gesichert
ist. 62 Prozent glauben, dass die Stromerzeugungsmöglichkeiten in
Österreich ausgebaut werden sollten. 47 Prozent sehen, dass dafür ein
Ausbau der Leitungsnetze erforderlich ist. Nur acht Prozent plädieren
für mehr Importe. Am stärksten ist die Zustimmung zum Ausbau der
Windkraft, die hier knapp vor der Wasserkraft liegt. An dritter
Stelle liegen Fotovoltaik, Erdwärme und Geothermie. Befragt nach
wünschenswerten Maßnahmen steht an erster Stelle eine verstärkte
Förderung von Ökostrom. Ähnlich stark gewünscht wird ein von der
Politik erarbeiteter Ausbauplan, der auch für eine beschleunigte
Abwicklung der Projekte Sorge tragen sollte.
Trend zu höherwertigen Energieformen
In Zukunft erwarten 70 Prozent, dass in Österreich mehr Energie
verbraucht werden wird. Mehrverbrauch sieht man vor allem bei Strom
und teilweise bei Gas. Bei Öl und Kohle finden sich Mehrheiten, die
einen Rückgang des Verbrauchs prophezeien. Im privaten Bereich
dagegen findet sich bei keiner Energieform eine Mehrheit, die für
sich selbst höhere Verbräuche angeben würde. Bei Öl und Kohle geben
60 Prozent an, man werde in zehn Jahren weniger bis gar nichts
verbrauchen.
Konsumenten sehen Strompreisniveau in Österreich weitgehend neutral
Das aktuelle Strompreisniveau in Österreich wird von 42 Prozent der
Konsumenten als durchaus angemessen beurteilt. Zwei Prozent sehen
Strom aktuell als billig an, 39 Prozent halten Strom für teuer, 15
Prozent für zu teuer. Die Unzufriedenheit mit der Höhe der
Strompreise ist seit 2009 von 63 Prozent auf 56 Prozent gesunken.
Strom wird als moderate Konstante im Bereich der Energiepreise
gesehen, während fossile Energieträger zuletzt deutlich höhere
Preissteigerungen verzeichneten. Tatsächlich ist Strom seit mehr als
zehn Jahren eine der preisstabilsten Energien. Die Strompreise
entwickelten sich praktisch parallel zur Inflation während andere
Energieformen, Lebensmittel und öffentliche Dienstleistungen deutlich
teurer wurden.
Informationslücke bei Energiethemen
Insgesamt könnte der Wissensstand zu Energiethemen und -kosten besser
sein. Layr: "Der Stromverbrauch beträgt nur 20 Prozent des gesamten
Energieverbrauchs, Strom wird aber als wichtigste Energieform
gesehen." 39 Prozent der ÖsterreicherInnen
glauben zu Recht, dass die meiste Energie für Heizung und Warmwasser
verbraucht wird, womit sie auch richtig liegen, denn dafür verwenden
die Haushalte 57 Prozent der verbrauchten Energie. 23 Prozent sehen
(alte) Elektrogeräte als die größten Energieverbraucher und sieben
Prozent nennen hier die Stand-By-Nutzung. 11 Prozent sehen den
größten Energieverbrauch bei der Beleuchtung. Tatsächlich gehen 35
Prozent des Energieeinsatzes an den Pkw, sieben Prozent an
Haushaltsgeräte und ein Prozent für Beleuchtung. Stand-By ist zwar
weitgehend unnötig aber marginal. Im Schnitt verbrauchen
ÖsterreicherInnen pro Person 2027 kWh pro Jahr, von denen 85
Kilowattstunden auf Stand-By-Betrieb bei Geräten entfallen.
ÖsterreicherInnen positiv zu Smart Meter, aber gegen Fernsteuerung
von Geräten
Die derzeit in Vorbereitung befindliche Einführung digitaler
Stromzähler, die auch Fernsteuerfunktionen ausführen und den
Stromkunden direkte Preisinformationen übermitteln können, wird von
zwei Dritteln der Österreicher befürwortet. 17 Prozent sind sehr
interessiert an Smart Meter, 37 Prozent sind interessiert und 22
Prozent etwas interessiert. Uninteressiert sind 24 Prozent.
Allerdings lehnen 70 Prozent ab, dass der Stromversorger bestimmte
Stromverbrauchsquellen fernsteuern kann. Nur 20 Prozent können sich
das vorstellen, 8 Prozent haben dazu keine Meinung. Für einen Smart
Meter wären die Stromkunden im Schnitt bereit, Kosten von 1,6 Euro
pro Monat zu akzeptieren. Layr: "Die Österreicherinnen und
Österreicher sind der neuen Technik gegenüber also durchaus
aufgeschlossen, aber nicht bereit, die tatsächlichen Mehrkosten dafür
in Kauf zu nehmen."
Aktionsprogramm fasst Vorhaben der E-Wirtschaft zusammen
Österreich gehört im europäischen Vergleich bereits jetzt zu den
Vorreitern, wenn es um den effizienten Einsatz von Energie geht. Das
zeigen die Vergleichsdaten der europäischen Statistikbehörde
EUROSTAT. Dennoch gibt es noch ein weites Feld für
Effizienz-verbesserungen. E-Mobile sind neben der U-Bahn die
energieeffizientesten Transportmittel. Kombiniert mit der
österreichischen Stromproduktion, die zu zwei Dritteln aus
erneuerbaren Quellen stammt, bietet sich hier eine Top-Chance für
Effizienzverbesserungen und Klimaschutz. Elektroautos verursachen in
Österreich im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen nur ein Fünftel
der CO2-Emissionen. Der Stromverbrauch wird durch neue Aufgaben, die
von dieser Energieform übernommen werden, weiter wachsen, während der
Energieverbrauch allgemein sinken wird. Darauf bereitet sich die
E-Wirtschaft vor. Das in Ausarbeitung befindliche Aktionsprogramm von
Oesterreichs Energie wird alle wichtigen Innovations- und
Investitionsvorhaben der E-Wirtschaft zusammenfassen und so als
Zukunftsplattform für die Energieversorgung nicht nur den Stand der
Projekte aufzeigen, sondern kann der Politik auch als wichtige
Richtschnur dienen. Layr: "Die Investitions-vorhaben sind gewaltig,
nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Österreichs E-Wirtschaft
ist wettbewerbsfähig und setzt auf erneuerbare Energien und
Effizienz. Wir erwarten aber auch, dass neue Anreize wie etwa das
Ökostromgesetz längere Zeit Bestand haben, um einen grundlegenden
Strukturwandel zu ermöglichen."
Österreich braucht nationalen Weg zur Energieeffizienz
Die von der EU-Kommission vorgelegte Richtlinie Energieeffizienz, die
im Herbst verhandelt werden soll, wird in Teilbereichen von der
E-Wirtschaft abgelehnt. "Wir bekennen uns voll und ganz zur Erhöhung
der Energieeffizienz, aber Teile der Richtlinie sind weder
inhaltlich, noch den Zeitplan betreffend, durchführbar", so Layr.
"Die E-Wirtschaft hat in der Vergangenheit bereits freiwillige
Vereinbarungen erfolgreich umgesetzt. Das sollte auch beim
Energieeffizienzgesetz in Österreich so bleiben."
Energieeffiziente Technologien unterstützen
Die öffentliche Hand kann in vielen Bereichen mit gutem Beispiel
vorangehen. Energieeffiziente Technologien sollen in Zukunft nicht
nur mit Förderungen, sondern auch im Bereich der Forschung und
Entwicklung sowie durch zielführende Rahmenbedingungen unterstützt
werden. Layr: "Hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung sowie Fernwärme
und Fernkälte bieten ein großes Potenzial für Effizienzmaßnahmen, das
mit geeigneten Genehmigungsverfahren und Instrumenten der Raumordnung
erschlossen werden könnte. Zusätzlich sind verstärkte Anreize für
Forschungsaktivitäten zur Weiterentwicklung der Technologien und
Geräte erforderlich."
Kriterienkatalog Wasserkraft muss Klima- und Energieziele beachten
Eine klarere Ausrichtung und eine Unterstützung der Klimaziele
erwartet sich die E-Wirtschaft von der Endfassung des
Kriterienkatalogs Wasserkraft nach Ablauf der Begutachtungsfrist.
Layr: "Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) enthält ein
klares Bekenntnis zur Wasserkraft und das gilt es einzulösen. Der
Kriterienkatalog soll den NGP daher ergänzen, aber keinesfalls
verschärfen." In Summe erwartet sich die E-Wirtschaft durch den
Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan Einbussen bei der
Stromproduktion aus den bestehenden Wasserkraftwerken im Ausmaß von
mindestens 1,5 Prozent der Jahresproduktion. Der Kriterienkatalog
solle daher bewusst nur für Bewilligungsverfahren für konkrete
Neubauprojekte angewendet werden dürfen.
Stabile Rahmenbedingungen für die Entwicklung intelligenter
Stromnetze
Versorgungssicherheit und die verstärkte Nutzung erneuerbarer
Energien in der Stromversorgung erfordern in den kommenden Jahren
gewaltige Investitionen in die Netz-Infrastruktur. Entscheidend
dafür, ob das auch gelingt, wird die derzeit in Verhandlung
befindliche Netzregulierung für die dritte Regulierungsperiode, die
2014 beginnt sein. "Österreich braucht Anreize für die enormen
Investitionsaufgaben der kommenden Jahre", erklärte Layr. "Dafür
unverzichtbar ist die Anerkennung der Betriebs- und
Investitionskosten durch die Regulierungsbehörde."
Rückfragehinweis:
Oesterreichs Energie Ernst Brandstetter Pressesprecher Tel.: 0043 1 50198 - 260; Mobil: 0043 676 845019260 mailto:presse@oesterreichsenergie.at www.oesterreichsenergie.at Über Oesterreichs Energie Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir eng mit politischen Institutionen, Behörden und Verbänden zusammen und informieren die Öffentlichkeit über Themen der Elektrizitätsbranche. Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000 Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte 2010 rund 60 Milliarden Kilowattstunden, davon 60 Prozent aus nachhaltiger Wasserkraft.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NVE






