Blecha übermittelt "Gesund länger arbeiten"-Programm an Sozialpartner-Pensionsdialog in Bad Ischl

Kritik an "Nichteinladung" des Seniorenrates und an ÖVP-Kopf

Bad Ischl (OTS) - "Die alten Sozialpartner haben offenbar etwas dagegen, dass die neuen Sozialpartner - die Bundesjungendvertretung und der Seniorenrat - in Bad Ischl beim Pensionsgipfel dabei sind", übt Pensionistenverbands- und Seniorenrats-Präsident Karl Blecha Kritik an der "Nichteinladung". "Dabei haben sich die Jungen und wir Ältere intensiv in der Debatte um eine altersgerechte Arbeitswelt und Maßnahmen zur Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters eingebracht", so Blecha.

Blecha grundsätzlich: "Man muss bei unserem zu niedrigen Pensionsantrittsalter die Ursachen bekämpfen, das heißt in der Arbeitswelt. Wenn man die Leute permanent unter Druck setzt, wenn ältere Beschäftigte gemobbt werden und von Weiterbildungsmaßnahmen ausgeschlossen sind, wenn ältere Dienstnehmer rausgeschmissen werden liegt das nicht am Pensionssystem, sondern an der Arbeitswelt: dort muss reformiert werden!"

Der Pensionistenvertreter übte heftige Kritik an ÖVP-Klubobmann Kopf, der wegen burnout in Frühpension gehende Menschen gleich auch den Führerschein wegnehmen will. "Hier offenbart sich das Menschenbild der ehemals christlich-sozialen Volkspartei!", so Blecha. Er forderte Kopf auf, diesen Vorschlag zurückzunehmen und stattdessen auf die Unternehmen einzuwirken, dass es weniger Druck und Stress am Arbeitsplatz gibt. "Bei diesen permanenten Belastungen ist es kein Wunder, dass die Menschen durch die Arbeit krank werden. Wir brauchen auch angesichts der älter werdenden Gesellschaft gesunde und altersgerechte Arbeitsplätze, dann werden sich auch die vielen Invaliditätspensionen reduzieren und das Pensionsantrittsalter wird wieder steigen" ist sich Blecha sicher.

Blecha übermittelt am Vortag des "Bad-Ischler-Sozialpartner-Dialogs daher das "Gesund länger arbeiten"- 12-Punkte-Programm des Pensionistenverbandes:

1. Gesunde, altersgerechte Arbeit und Arbeitsgestaltung

+ ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze,
+ Gesunde und sichere Arbeitsbedingungen: Gefahrenverhütung, Arbeitszeit, Arbeitshygiene, Arbeitsklima
+ Reduktion der Kälte- und Hitzearbeitsplätze, Hebehilfen und Reduktion von Zwangshaltungen
+ Verringerung gesundheitsgefährdender Arbeitsstoffe
+ Erleichterung der physischen Arbeit durch Einsatz technischer Hilfsmittel
+ altersgerechte Schichtpläne, Arbeitszeit- und Pausengestaltung
+ Bewusstseinsbildung bei Führungskräften: Führungsqualität, Teamgeist, Leitbilder und Werte, Wissensmanagement, altersverträgliche humane Gruppenarbeit
+ Gesundheit und Kompetenz des Individuums fördern
+ Keine Altersgrenzen für interne Karrieren, Weiterqualifizierung und Kompetenzerweiterung, alternsgerechte Didaktik
+ Förderung eines Klimas der Anerkennung und Wertschätzung verschiedener Altersgruppen
+ Betriebliche Generationen-Balance

2. Verpflichtende betriebliche Gesundheitsvorsorge

+ Schwerpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung auf psychische Erkrankungen ("burn-out" = Nummer 1 bei Invaliditätspensionen, noch vor Stützapparat!)
+ inkl. Verstärkung und Vertiefung der Programme "fit2work" bzw. "Fit für Österreich"

3. Einschränkung gesundheitsschädlicher Arbeit (z.B. Schwerarbeit, Nachtarbeit) durch schrittweisen Ausstieg für ältere Arbeitnehmer

4. AMS-Beratungsangebot für Betriebe, um altersgerechte und gesunde Arbeitsorganisation zu ermöglichen

5. Recht auf Reduktion der Arbeitszeit für ältere Arbeitnehmer + Neue Altersteilzeitmodelle - reduzierte Arbeitszeit z.B. bei Männern ab 62 (=Korridorpensionsalter mit Abschlägen) bis 65 (=Regelpensionsalter ohne Abschläge)

6. Malus für Arbeitgeber, die ältere Beschäftigte kündigen + z.B. bei Kündigung eines älteren Beschäftigten durch den Dienstgeber:
Verpflichtende Übernahme der Kosten der Arbeitslosigkeit durch den Dienstgeber für die ersten Monate (wer das Versicherungsrisiko herbeiführt, muss zahlen!)

7. Zuschüsse für Dienstgeber bei Weiterbeschäftigung gesundheitlich eingeschränkter Arbeitnehmer

8. Einführung eines Frühpensions-Monitoring - strukturiertes Erfassen aller Ursachen, Begründungen, Befundungen, Alter, Art der Erwerbstätigkeit, Firmenbranche bzw. Örtlichkeit der Frühpensionierungen, um weitergehende Maßnahmen und Strategien zur Anhebung des Frühpensionsalters zu erarbeiten

9. Einführung eines "Senior-Pools" beim AMS zur langfristigen Betreuung von ArbeitnehmerInnen über 40

10. Bei der Pensionsberechnung: Attraktivere Steigerungsbeträge ab 60 Jahre

11. Verpflichtendes Hinweisen auf die höhere (weil weniger bis keine Abschläge, mehr Beitragsmonate) Pension bei Arbeit bis zum Regelpensionsalter im Beratungsgespräch durch die Pensionsversicherung

12. Abflachen der Lebensverdienstkurven

Die Einkommen der jungen Generation sind zu gering, da auch Familien-und Hausstandsgründung zu bewerkstelligen ist. Gleichzeitig gelten ältere Arbeitnehmer als "zu teuer".

Rückfragen & Kontakt:

Pensionistenverbands Österreichs
Andy Wohlmuth, Tel.: 0664 - 48 36 138

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