Theologe Beck: Religiöse Motive prägen bioethische Entscheidungen

Wiener Mediziner, Theologe und neues Bioethikkommissions-Mitglied Beck legt Differenzen vor allem im Blick auf Embryonenschutz dar

Wien, 06.10.11 (KAP) Auf den deutlichen Einfluss der unterschiedlichen Religionen und ihrer Grundüberzeugungen auf die Haltung zu bioethischen Fragen hat der Wiener Mediziner und Moraltheologe Prof. Matthias Beck hingewiesen. Individualität und Menschenwürde seien Auffassungen, die sich vor allem aus dem Judentum und Christentum herleiten, aus ihrer Auffassung von einer "personalen" Beziehung zwischen Gott und Mensch und der Auffassung vom Menschen als Gottes "Ebenbild", sagte Beck beim "Jour fixe" des Verbandes katholischer Publizisten am Mittwochabend in Wien.

Diese Hochschätzung des Individuums zeige sich im Bewusstsein von der Würde des Menschen auch in seinem embryonalen Stadium bzw. am Ende seines Lebens, so Beck, der am Mittwoch in die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt bestellt wurde. Für Hinduisten und Buddhisten etwa hätten durch den Glauben an eine Wiedergeburt bereits Begriffe wie "Lebensanfang" und "Lebensende" eine andere Bedeutung als für Gläubige der Offenbarungsreligionen Judentum, Christentum und Islam. Viele Ostasiaten hätten daher weniger Vorbehalte gegen heutige medizinischen Techniken wie Stammzellenforschung an menschlichen Embryonen, Klonen von Menschen oder der Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen.

Beck erinnerte zudem daran, dass es auch innerhalb der christlichen Kirchen trotz gemeinsamer Überzeugung von der individuellen Würde jedes Menschen - unterschiedliche Auffassungen in bioethischen Detailfragen gebe. So vertrete beim Embryonenschutz die katholische Kirche die strengste Linie. Sie betrachte den Embryo vom Augenblick der Vereinigung von Ei- und Samenzelle an als menschliches Individuum, dem die volle Würde zukommt, das absolut schützenswert ist und auch nicht verwertet werden darf. Dabei habe die katholische Kirche noch bis ins 19. Jahrhundert die von Aristoteles formulierte und von Thomas von Aquin übernommene Vorstellung einer stufenweisen "Beseelung" des heranwachsenden Embryo vertreten, laut der der 'Embryo erst nach frühestens 40 Tages ein Mensch im Vollsinn wurde.

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