- 05.10.2011, 14:19:45
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AVISO: Quadriga 09 über das Ende des Privaten Buchpräsentation am 6. Oktober 2011 im Palais Epstein
Wien (PK) - Fragen betreffend die (vermeintliche)
Demokratisierung von Öffentlichkeit durch das Medium Internet
stehen im Zentrum der neunten Auflage der Buchpräsentationsreihe
Quadriga, zu der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer morgen
Abend in die Räumlichkeiten des Palais Epstein lädt. Anhand von
vier Buchneuerscheinungen, die sich der zunehmend durchlässiger
werdenden Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem annehmen,
diskutieren Miriam Meckel (Kommunikationswissenschaftlerin),
Viktor Mayer-Schönberger (Jurist, Softwareunternehmer, Autor und
Professor) sowie Christian Stöcker (Psychologe und Journalist)
über Nutzen und Gefahren medialer Selbstoffenbarung in Zeiten des
Web 2.0. Für die Moderation zeichnen Zita Bereuter (FM4) und
Peter Zimmermann (Ö1) verantwortlich.
Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Für die Teilnahme ist
eine verbindliche Anmeldung unter
veranstaltungen04@parlament.gv.at erforderlich.
Als Diskussionsbasis dienen die Bücher:
Miriam Meckel: NEXT. Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns.
Rowohlt (2011)
Viktor Mayer-Schönberger: Delete. Berlin University Press (2010)
Christian Stöcker: Nerd Attack! DVA Verlag (2011)
Constanze Kurz, Frank Rieger: Die Datenfresser. Wie
Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten
einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen. S.
Fischer Verlag (2011)
Die präsentierten Bücher im Überblick
In "NEXT" entführt Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel
in eine Zukunft, die ausschließlich den Computern gehört. Darin
zeichnet zunächst der menschliche Algorithmus Legion, der
angesichts der Datenmengen, die er gesammelt hat, mit Fug und
Recht behaupten kann, die Gefühle, Bedürfnisse und Vorlieben des
Menschen besser zu kennen, als dieser selbst, die
Entwicklungsschritte, die zur Dominanz des Digitalen über das
Analoge geführt haben, nach. Zu Wort kommen lässt Meckel, die
derzeit als Direktorin am Institut für Medien- und
Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen tätig ist,
aber auch den letzten Menschen, dessen Vertrauen vor dem
Hintergrund der vollständigen Erschöpfung seines Wissens, Denkens
und Fühlens zerbrochen ist. Er berichtet von der Verschmelzung
des Menschen mit seinem Nutzerprofil und der damit einhergehenden
Gleichsetzung von Leben und Netzwerk am Übergang von Körper- zu
Systemzeit. Meckel möchte ihr Buch dennoch nicht als
"Überlegungen einer vermeintlichen Kultur- oder
Technikpessimistin", sondern als "Angebot zum Weiterdenken"
verstanden wissen.
Rechtsexperte Viktor Mayer-Schönberger setzt sich vor dem
Hintergrund des Befunds der zunehmenden Durchdringung des
menschlichen Lebens durch digitale Netzwerke und
Kommunikationskanäle mit der "Tugend des Vergessens" auseinander:
In seinem 2010 erschienen Buch "Delete" skizziert er die Folgen,
die die technisch bedingte Verschiebung des Verhältnisses
zwischen Vergessen und Erinnern nach sich zieht, und stellt vor
diesem Hintergrund die Frage: "Wenn all unsere Taten, ob nun
legal oder nicht, ständig präsent sind, wie können wir uns in
unserem Denken und in unseren Entscheidungen von ihnen
freimachen?". Die "Zwangsjacke des biologischen Vergessens und
der Fehlerhaftigkeit des menschlichen Erinnerungsvermögens" durch
digitale Speichermöglichkeiten abstreifen zu können, ist
schließlich nicht immer nur ein Segen. Mayer-Schönberger, der
derzeit am Institute Internet Governance and Regulation in Oxford
tätig ist, plädiert deshalb für die Umkehr der gegenwärtigen
Entwicklung: Die Einführung von Verfallsdaten für digital
gespeicherte Information hält er dabei für einen sinnvollen
Schritt. Das Vergessen erlaube es einer Gesellschaft schließlich,
"Einzelnen zu vergeben und für den Wandel offen zu bleiben.
Der Psychologe und Journalist Christian Stöcker bezeichnet sein
jüngst erschienenes Buch "Nerd Attack!" als "Reise zu den
Schauplätzen der digitalen Revolution". Als Ausgangspunkt für
diese Schilderung dient dabei der Triumphzug des C64, des ersten
millionenfach verbreiteten Heimcomputers, der in den
Kinderzimmern der 80er Jahre den Zugang zu einer neuen Welt
eröffnete. Stöcker, der mit dem Computer aufgewachsen und heute
als Ressortleiter der "Netzwelt" bei Spiegel Online tätig ist,
beschreibt schließlich aus ganz persönlicher Sicht technische
Entwicklungsschritte und die hinter ihnen stehenden Akteure. Der
Autor gelangt dabei zum Ergebnis, dass die Digitalisierung
zahlreiche "Segnungen" mit sich gebracht hat. Wolle man den
Anschluss an das digitale Zeitalter jedoch nicht vollends
verlieren, müsse man die indifferente, ignorante und ablehnende
Haltung gegen dieses Medium aufgeben. Ein Umdenken hält Stöcker
deshalb sowohl bei NutzerInnen als auch KritikerInnen digitaler
Kommunikation für notwendig. Dem auf technischem Fortschritt
basierenden "fundamentalen Wandel" unserer Welt prinzipiell
ablehnend zu begegnen, hält er für den falschen Weg.
"Die Datenfresser" haben Constanze Kurz und Frank Rieger, beide
Experten für Informationssicherheit, ihr 2011 erschienenes Buch
betitelt, das den Weg in eine "neue digitale Mündigkeit" weisen
soll. Darin wagen sie nicht nur einen sachkundigen Blick hinter
die Oberfläche der digitalen Welt, sondern erläutern auch
Geschäftsinteressen und -modelle, die auf zunehmender Vernetzung
aufbauen. Dass wir immer mehr Informationen über uns preisgeben,
von denen niemand genau wissen kann, wie sie in Hinkunft
verwendet werden, halten Kurz und Rieger dabei für ein besonders
betrachtenswertes Faktum: Sie plädieren in diesem Zusammenhang
für den Aufbau eines Bewusstseins für die eigene
Datensouveränität und die Bedeutung von Privatsphäre. Es gehe
schließlich nicht an, dass sich Individuen und Gemeinschaften
"ungesteuert im wilden Strom der Bits und Bytes treiben lassen",
resümieren sie. Wie es gelingt, dieser scheinbar zur Naturgewalt
gewordenen Macht entschieden und selbstbewusst gegenüberzutreten,
verraten die AutorInnen in Form eines kurzen praktischen
Wegweisers: Neben einem achtsamen Umgang mit eigenen wie fremden
Daten und der Verwendung von Pseudonymen sollten sich die
NutzerInnen schließlich auch für bessere Regulierung und mehr
Transparenz stark machen: Wie die Zukunft aussehe, liege in der
Hand jedes einzelnen von uns.
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments
(www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.
(Schluss)
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