• 28.09.2011, 12:13:44
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Tiroler Datenskandal bestätigt Warnungen der Ärztekammer

Steinhart: "Datenklau beweist aufs Neue, wie unsicher die Speicherung von Patientendaten wirklich ist"

Wien (OTS) - Der jüngste Datenskandal, im Zuge dessen sich die
Hacker-Gruppe Anonymous Austria Besitz über eine umfassende Datenbank
der Tiroler Gebietskrankenkasse mit mehr als 600.000 Patientendaten
verschafft hat, versetzt den Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer,
Johannes Steinhart, in höchste Alarmbereitschaft.****

"Es war nur eine Frage der Zeit, bis Patientendaten in die Hände
von Hackern gelangen", so Steinhart. Und es sei bezeichnend, dass
gerade in der E-Medikations-Pilotregion Tirol "ein Malheur dieser
Größenordnung" passiert sei. Steinhart wartet nun darauf, dass die
politisch Verantwortlichen endlich bekennen, dass eine 100-prozentig
sichere Speicherung von Medikations- und Gesundheitsdaten nicht
gewährleistbar sei. "Dass Hacker über 600.000 Patientendaten
'stolpern' können, ist keine Bagatelle und sollte uns endgültig die
Augen öffnen."

Auch der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger
erntet Kritik vom Vizepräsidenten. "Anstatt die Ärztekammer ständig
als 'verantwortungslose Boykotteurin' anzuprangern, sollte der
Patientenanwalt vielleicht einmal selbst Verantwortung übernehmen und
sich auf die Rechte der Patientinnen und Patienten besinnen", so
Steinhart. Denn: "Die Intim- und Privatsphäre der Patienten und die
Tatsache, dass gesundheitsbezogene Daten dem Datenschutz unterliegen,
gehören zu den grundlegenden Patientenrechten, das sollte Herrn
Bachinger eigentlich bekannt sein. Es wird Zeit, dass er sich dafür
einsetzt, dass diese Rechte auch in Zukunft gewahrt werden können."

Die ganze Zeit sei die Rede von der Qualitätsverbesserung, die die
E-Medikation und die Elektronische Gesundheitsakte ELGA bringen
würden. "Ich glaube nicht, dass es die Patientinnen und Patienten als
Qualitätsverbesserung ansehen, wenn sie pausenlos dem massiven Risiko
ausgesetzt sind, dass ihre hochsensiblen Gesundheitsdaten an die
Öffentlichkeit gelangen können." Es dürfe nicht sein, dass mit
Patientendaten so leichtfertig umgegangen werde.

Die Vorfälle der letzten Zeit würden darüber hinaus ganz klar
beweisen, dass die Verantwortlichen weder das technische Know-how
noch eine Chance hätten, Daten so zu speichern, dass sie unter keinen
Umständen an die Öffentlichkeit gelangen könnten, ist der
Vizepräsident überzeugt. "Ich kann nur immer wieder aufs Neue darauf
hinweisen, dass es am sichersten ist, Medikations- und
Gesundheitsdaten in der Obhut der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu
belassen", so Steinhart. Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte
appelliert nun an Gesundheitsminister Alois Stöger, "dem Spuk endlich
eine Ende zu bereiten und sich endgültig vom geplanten ELGA-Gesetz zu
verabschieden." Die Wiener Ärztekammer stehe darüber hinaus nach wie
vor zu ihrer Ablehnung des derzeitigen E-Medikationsmodells. (ec)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Mag. Elisa Cavalieri
Tel.: (++43-1) 51501/1407
mailto:cavalieri@aekwien.at
http://www.aekwien.at

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