Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 27. September 2011. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Die Ungeduld der Altvorderen".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Das "Demokratiebegehren" der politischen Alt-Promis kann eine wichtige Debatte in Gang setzen. Wenn das gelingt, müssen ihre Nachfolger zuhören und können die Mahnungen nicht mehr als Keppelei vom Muppet-Balkon abtun.

Wolfgang Radlegger, Erhard Busek, Johannes Voggenhuber & Co. haben eines gemeinsam: Sie sind, wie so viele Menschen in Österreich, ganz und gar nicht einverstanden mit der Politik, die uns von Regierung und Parlament täglich präsentiert wird.
Wolfgang Radlegger, Erhard Busek, Johannes Voggenhuber & Co. haben aber noch etwas gemeinsam: Sie müssen und wollen nichts mehr werden in dieser Republik. Sie haben alle schon einmal wichtige Ämter besetzt und können die Politik daher nun mit einem doppelten Privileg beobachten: Sie wissen, wie der Hase wirklich läuft, und lassen sich daher nicht leicht ein X für ein U vormachen. Und sie können ihre ehrliche Meinung sagen, ohne um die Gunst ihrer Partei und damit um Amt und Einkommen fürchten zu müssen.
Mit dem "Demokratiebegehren" wollen sie nun mehr tun. Geredet haben sie schon lange genug. Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern sind sie damit auf offene Ohren gestoßen. Nicht so bei den Adressaten. Offenheit und ehrliche Auseinandersetzungen sind allen Beteuerungen zum Trotz nicht gefragt. Lieber werden die Überbringer der schmerzlichen Nachrichten abgekanzelt. Der Rufer in der Wüste wird da in den eigenen Reihen gerne als Muppet verunglimpft, der vom Balkon herunterkeppelt.
Das Demokratiebegehren kann den Ausweg aus dieser Muppet-Falle weisen. Wenn genügend Menschen unterschreiben, können hoffentlich auch die aktiven Politiker die Augen vor dem Unmut der Bürger nicht mehr verschließen.
Die inhaltlichen Details stehen dabei nicht im Vordergrund. Ob jeder zweite oder jeder dritte Abgeordnete direkt gewählt wird, ist Geschmackssache. Wichtig ist, dass endlich eine breite Diskussion darüber beginnt, welche neuen Regeln und Rahmenbedingungen nötig sind, um die Politik wieder spannend, lebendig und attraktiv werden zu lassen.
Es ist tragisch genug, dass die Faymanns und Spindeleggers dieser Tage ihre Vorgänger brauchen, statt selber parteien- und lagerübergreifend eine derartige Debatte loszutreten. Nicht viel besser ist es um die Bildungspolitik bestellt, wo es auch das Volksbegehren eines Altvorderen braucht, um die Blockade zu bekämpfen.
Die Faymanns und Spindeleggers wären zumindest gut beraten, den Zwischenruf der Alten ernst zu nehmen. Dann könnten sie sogar Applaus bekommen - nicht nur vom Balkon, sondern auch aus dem (Wähler-)Publikum.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001