WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Hoher Wellengang im sicheren Hafen - von Andre Exner

Mitgehangen, mitgefangen - in Krisenzeiten ist nun mal nichts sicher

Wien (OTS) - Geld, Gold, Grund - so sieht ein krisenfestes
Portfolio laut der jahrhundertealten Devise der Bankiersfamilie Rothschild aus. Und genau nach diesem System haben die meisten Anleger ihre sicheren Häfen in der neuesten Krise ausgesucht. Goldbarren, "Betongold" und Bares, am besten in der Krisenwährung Schweizer Franken auf dem Zürcher Konto geparkt, sollten vor dem zu erwartenden finanziellen Sturm des Jahrhunderts schützen. Marmor, Stein und Eisen bricht, aber diese Investments nicht...

Oder doch? Seit heuer die Mega-Krise ausgebrochen ist, ist nichts mehr wie es war (nebenbei bemerkt, wissen Sie eigentlich, was genau der Grund für die Panik ist, die seit dem Sommer Märkte und Politiker im Griff hat? Dann wissen Sie mehr als ich!). Der sichere Hafen Gold ist keiner mehr: Der Goldpreis sackte seit Ende August auf Dollar-Basis um 14, in Euro um elf Prozent ab, weil derzeit angeblich mehrere Notenbanken versuchen, die leeren Staatskassen mit dem Verkauf des Familiensilbers bzw. -goldes zu füllen.

Wer im Sommer bei einem Kurs von 1,05 je Euro auf den Franken gesetzt hat, verlor seit der Fixierung des Wechselkurses knapp 20 Prozent. Und selbst Immobilien sind nicht das Wahre - in Wertpapierform sind sie der Lust und Laune der Märkte ausgesetzt und als Direktinvestment der Lust und Laune der Politiker. Kommt eine Vermögenssteuer mit Berücksichtigung des - im Grundbuch erfassten und nicht ins Ausland transferierbaren, also leicht zu besteuernden - Immobilienvermögens, könnten das Zinshaus oder die Vorsorgewohnung zum Verlustbringer werden.

Mitgehangen, mitgefangen - in Krisenzeiten ist nun mal nichts sicher. Franken, Gold und Immobilien haben ihren guten Ruf nicht von irgendwoher, aber die Märkte sind heute viel komplexer, als es sich ein Bankier vor hunderten Jahren je hätte träumen lassen. So hat beispielsweise die Immofinanz im ersten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten, weil die guten Mieterträge die Währungsverluste durch die Abwertung des Euro und Aufwertung des Schweizer Franken nicht ausgleichen konnten - was zeigt, dass in der vernetzten Welt der Märkte sogar der eine sichere Hafen dem anderen weh tun kann.

Doch nicht verzagen: Einen sicheren Hafen braucht nur derjenige, der sein Vermögen bewahren möchte. Zum Vermögensaufbau sind Goldbarren, Geldmarktanlagen und Häuser sowieso nicht gedacht. Überlegen Sie, ob Ihnen wirklich die Sicherheit am wichtigsten ist! Noch ist niemand zu Geld gekommen, nur weil er keines verlieren wollte.

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