Neue Diagnose- und Therapiestrategie bei Netzhauterkrankungen

Wien (OTS) - Die Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie an der Medizinischen Universität Wien hat federführend die bisher größte Netzhautstudie weltweit durchgeführt. Dabei wurde eine neue Therapiestrategie bei der altersbedingten Makuladegeneration erarbeitet. Gleichzeitig wurde an der MedUni Wien eine neue Methode, wie man Krankheitsprozesse der Netzhaut noch früher erkennen und damit gezielter behandeln kann, entwickelt.

2.457 PatientInnen nahmen an der Studie teil, bei der Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, als Leiterin des Steering Committees und Principal Investigator fungierte und Christopher Kiss von der MedUni die klinischen Studien durchführte. Die MedUni Wien war in dieser Studie weltweit das führende Zentrum. Zusätzlich wurden sämtliche Daten der Studie von vier Kontinenten und aus 34 Ländern elektronisch im Vienna Reading Center, einer wissenschaftlichen Abteilung der Augenklinik, gesammelt und dort von Team von Christian Simader, Leiter der VRC, analysiert.

Weniger Injektionen, höhere Wirkung
"Die Gabe von Antikörpern in den Glaskörperraum des Auges hat die Prognose für die häufigste Erblindungsursache in den letzten Jahren zwar revolutioniert, die Therapiehäufigkeit mit monatlichen Injektionen lebenslang hat die Verfügbarkeit jedoch weltweit maximal eingeschränkt", erläutert Schmidt-Erfurth als international führende Retina-Expertin. Mit einem neuen Medikament mit anhaltender Wirksamkeit und einer verbesserten Behandlungsstrategie erreicht man nun alle Patienten und führt zudem eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der PatientInnen herbei. Kiss: "Die Injektion in den Glaskörper ist nur noch maximal alle zwei Monate nötig statt einmal monatlich, der Wirkstoff, der ähnlich dem bisher verwendeten ist, ist viel potenter und wirkt länger." Damit müssen die Betroffenen auch seltener zur Behandlung und Ärzte und Kliniken können die Sehkraft-erhaltende Therapie mehr Patienten zukommen lassen.

Als Auslöser der Erkrankung gelten Abbauprodukte des Stoffwechsels im Sehprozess, die sich über die Jahre in der Netzhaut (Makula) ablagern, so genannte Drusen. Kiss: "Unsere Netzhaut arbeitet ununterbrochen, im Alter sammelt sich dort metabolischer Abfall an, der immer schlechter abtransportiert werden kann." Zudem leiden die PatientInnen an mangelnder Sauerstoffversorgung an der Netzhaut. Als Reaktion auf die Drusen wird der so genannte Gefäßwachstumsfaktor (VEGF - vascular endothelial growth factor) angestoßen, der beginnt, Gefäßwucherungen unter der Netzhaut zu bilden. Durch Plasma- und Blutaustritte wird die zentrale Netzhaut progressiv zerstört. Die bisherigen VEGF-Hemmer waren nur kurz wirksam. Die neue Substanz, das wurde vom Wiener Team nachgewiesen, wirkt doppelt so lang.

In Österreich sind rund 125.000 Menschen von der MDA, bei der die Sehfähigkeit im Zentrum des Gesichtsfeldes teilweise oder gänzlich verloren geht, betroffen. Jährlich treten 4.000 bis 5.000 Neuerkrankungen auf.

Behandeln, bevor ein Schaden passiert
Gleichzeitig wurde in der Studiengruppe von Christopher Kiss mit Hilfe der hochauflösenden optischen Kohärenztomographie (OCT) eine neue Methode angewendet, mit der man diskrete Veränderungen des Netzhautgewebes exakter und früher als bisher einem Befund zuordnen kann. Kiss: "Wir können jetzt quasi voraussehen, was kommt, früher eingreifen und behandeln, bevor ein Schaden passiert."

Service:
Am Mittwoch, 28. September 2011, findet im Festsaal im Wiener Rathaus der 2. Wiener Augentag (10 - 18 Uhr) mit vielen Aktionen und Vorträgen rund ums Auge statt. Stefan Sacu, Johannes Nepp, Birgit Lackner von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie sowie Heidemarie Abrahamia (Universitätslehrgang für Gender Medicine) gehören zu den Vortragenden.

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