Das Unbehagen wächst - Kommentar von Sven Frohwein

Essen (ots) - Facebook ist ein Netz im Netz. Schon heute müssen Nutzer die Internetseite der Online-Gemeinschaft nicht mehr verlassen, wenn sie Videos sehen und Texte lesen wollen. Denn die lassen sich einbetten zwischen Freundesliste, Urlaubsbildern und der Nachricht vom Kneipenbesuch am Abend. Jetzt soll die bunte Facebook-Welt noch schöner werden. Damit bloß niemand mehr auf die Idee kommt, bei der Konkurrenz reinzuschauen. Das Unternehmen guckt sich die Strategie bei anderen Großen ab. Auch Apple lässt nur Firmen rein, die nach der Pfeife des Konzerns tanzen. Doch der Schritt hin zu mehr Abschottung ist ein schwer kalkulierbares Risiko. Überwiegt die Mehrheit der Nutzer, die das Internet in appetitlichen Facebook-Häppchen serviert bekommen möchte, geht die Rechnung auf. Fühlen sich die Surfer zu sehr gegängelt, ist es um die Popularität des Netzwerks geschehen. Dafür gibt es schon jetzt Anzeichen. Bei den Nutzern wächst das Unbehagen, das digitale Leben in die Hände nur eines Anbieters zu legen. Gut so. Denn das, was Facebook jetzt plant, ist beispiellos: ein digitaler Lebenslauf, garniert mit Statusmeldungen aus dem Hier und Jetzt. Diese Sammlung ist Gold wert. Bis der Nutzer erkennt, dass er nicht mehr Kunde ist sondern Produkt, ist es zu spät - und seine Daten stehen für immer im Netz.

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