Eine Absage, die schmerzt - Kommentar von Angelika Wölk

Essen (ots) - Martin Luther kam nach Erfurt, Papst Benedikt XVI. kam nach Erfurt, aber der ökumenische Aufbruch kam nicht nach Erfurt. Schade. Der Papst hat all den Hoffnungen auf ein Signal, auf einen neuen Aufbruch in der Ökumene, eine Absage erteilt. Sie klang aus dem Mund des freundlichen, feinsinnigen, so überaus bescheiden auftretenden Kirchenoberhauptes entschieden, beinahe kühl. Das war eine bittere Absage. Und sie schmerzt. Aber wahrscheinlich waren die Erwartungen an dieses eigentlich viel zu kurze Treffen mit der Spitze der evangelischen Kirche einfach zu hoch. Wahrscheinlich konnten sie nur enttäuscht werden. Und dennoch war dies ein symbolträchtiges Treffen, eines, dem beinahe Historisches anhing. Denn dass ein Papst ausgerechnet in dem ehemaligen Kloster einen Gottesdienst mit Protestanten feiert, in dem Martin Luther prägende Jahre verbrachte, war trotz allem eine große ökumenische Geste. Dass er Luther nicht als den verdammenswürdigen Kirchenspalter betrachtet, sondern als jemanden, der Protestanten und Katholiken viel zu sagen hat, war vielversprechend. Darauf können beide Kirchen jetzt aufbauen. Und es gab noch einen schönen Nebenaspekt: Benedikt, der sich in der Vergangenheit manch harten Konflikt mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, geliefert hatte, lobte diesen jetzt wegen seines ökumenischen Einsatzes als einzigen namentlich. Das zeugt von Großmut. Und dennoch: All das Positive von Erfurt tröstet nicht über die Enttäuschung hinweg.

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