AK-Dividenden-Report 2011: Ausschüttungen auf Rekordniveau

Tumpel: Immer mehr Geld fließt aus den Unternehmen in die Taschen der Aktionäre

Wien (OTS) - Es darf nicht sein, dass die Unternehmen lieber die Aktionäre abkassieren lassen, statt in Beschäftigung zu investieren. Fast der ganze Jahresüberschuss (85 Prozent) floss heuer in die Taschen der Aktionäre oder wird an die Muttergesellschaften weitergegeben. Dies zeigt eine aktuelle AK Studie zu den Jahresabschlüssen 2008-2010 von über 700 führenden Unternehmen. "Nachhaltiges Wirtschaften sieht anders aus", so AK Präsident Herbert Tumpel. Wenn sämtliche erwirtschaftete Mittel entzogen werden, bleibt nichts für die, die maßgeblich zum Gewinn beigetragen haben. "Mit dem Einsatz und der Kraft der Beschäftigten haben die Unternehmen wieder sehr gute Gewinne gemacht. Da ist es nur recht und billig und an der Zeit, dass die Beschäftigten ihren gerechten und nachhaltigen Anteil bekommen",fordert Tumpel.

In der Industrie werden sogar fast 90 Prozent der Gewinne an Aktionäre oder Muttergesellschaften abgeführt. Ein Blick auf die Lohnsumme dieser Unternehmen zeigt, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Jahreslohn- und Gehaltssumme von rund 150.000 Beschäftigten direkt an die Aktionäre oder Muttergesellschaften fließen, ein Rekordwert. Immer mehr steht damit das Interesse der Aktionäre, der sogenannte "Shareholder-Value", und immer weniger das Wohl des Unternehmens und der Beschäftigten im Vordergrund.
Seit Krisenbeginn wurden in diesen Unternehmen bereits 8.000 Arbeitsplätze abgebaut. "Es muss mehr Geld im Unternehmen verbleiben. Nur so können Arbeitsplätze auf Dauer gesichert werden", so Tumpel. Mit den allein 2011 vorgenommenen Ausschüttungen könnten 80.000 Jobs finanziert werden.

Denn Investitionen sind der Schlüssel für das reale Wirtschaftswachstum, das gerade jetzt so dringend gebraucht wird. Nur wenn investiert wird, steigt die Produktivität. Nur wenn investiert wird, können gute Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden. Genau dieses Investitionspotenzial wird aber zugunsten der Aktionärsinteressen zunehmend vernachlässigt. Über Ausschüttungen werden den Unternehmen bereits Mittel entzogen die fast das 1,5-fache der Investitionen ausmachen. Besonders markant ist diese Entwicklung in der Industrie: Hier liegen die Ausschüttungen für 2011 fast beim dreifachen des Investitionsvolumens des Vorjahres (243,0 Prozent).

Kein Wunder, dass Österreich im internationalen Vergleich in Sachen Investitionswachstum im untersten Drittel der OECD-Länder noch hinter Italien rangiert. Trotz guter Ertragslage hat es auch 2010 keine Trendumkehr gegeben.

Ein Blick auf die großen ATX-Konzerne zeigt. Österreichs Leit-Unternehmen gehen mit schlechtem Beispiel voran: Die Gewinne steigen, aber der Beschäftigungsabbau wird in den Unternehmen weiter vorangetrieben: Allein die ATX-Unternehmen haben 2010 Ihren Jahresüberschuss fast verdoppelt, auf 6,3 Milliarden Euro. Doch wie aus den Geschäftsberichten hervorgeht, wurden dennoch über 10.000 Stellen abgebaut. Und während die Beschäftigung sinkt, werden die ATX-Aktionäre belohnt: 2011 gab es 15 Prozent mehr Dividenden als noch im Jahr zu vor, insgesamt rund 2,1 Milliarden.

Die AK-Studie zu den Dividenden-Ausschüttungen von 700 österreichischen Unternehmen und ATX Unternehmen finden Sie unter wien.arbeiterkammer.at

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