AKNÖ-Schulkostenstudie: Eltern geben im Schnitt 814 Euro pro Schulkind und Jahr aus

Wien (OTS/AKNÖ) - Ob Füllfeder, Turnschuhe, Schikurse oder Nachhilfe. Der finanzielle Aufwand für schulbedingte Ausgaben ist oft enorm. Wie viel die niederösterreichischen Haushalte während eines gesamten Schuljahres tatsächlich dafür ausgeben, wollte die AKNÖ genau wissen. In einer einjährigen Langzeitstudie in Zusammenarbeit mit den nö. Elternverbänden für Pflichtschulen und mittleren und höheren Schulen und unter wissenschaftlicher Begleitung des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf) wurden daher erstmals die finanziellen Belastungen von Eltern durch den Schulbesuch ihrer Kinder detailliert erhoben. Pro Schuljahr geben die Eltern im Schnitt 814 Euro pro Schulkind aus, die durchschnittlichen Kosten für Haushalte mit Schulkindern belaufen sich auf 1.462 Euro.

Teure AHS

Für jedes Kind in der Volksschule fallen im Laufe eines Schuljahres im Schnitt 503 Euro an schulbedingten Kosten an. Die größten Ausgaben betreffen hier Beiträge und Selbstbehalte (wie z.B. für die Schülerfreifahrt) mit 110 Euro und Schulmaterialien mit 96 Euro. Besucht ein Kind eine Hauptschule, ist das für die Eltern deutlich günstiger als der Besuch einer AHS-Unterstufe. Denn während in einem Schuljahr pro HauptschülerIn im Schnitt 709 Euro Schulkosten anfallen, so ist der Besuch einer AHS-Unterstufe um mehr als ein Viertel teurer (913 Euro). "Ein Grund für diese auffällige Kostendifferenz ist die Tatsache, dass in dieser Schulform viel mehr bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen wird. Die Kosten dafür betragen in der AHS-Unterstufe durchschnittlich 117 Euro pro SchülerIn und Schuljahr, in der Hauptschule werden dafür lediglich 49 Euro ausgegeben", so AKNÖ-Bildungsexperte Günter Kastner. Mit Abstand am teuersten kommt der Besuch einer weiterführenden Schule: 1.325 Euro kostet Eltern der Besuch einer AHS-Oberstufe pro Kind und Schuljahr, 1.195 Euro für Berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS).

Familien sind von Schikurs und Co besonders belastet

Der Blick auf Haushalte mit mehreren Kindern zeigt die besonders belastenden Ausgaben auf. Im Schnitt gibt ein niederösterreichischer Haushalt mit Schulkindern 1.462 pro Schuljahr aus. Dabei fallen die Kosten für mehrtägige Schulveranstaltungen am stärksten ins Gewicht:
434 Euro geben Eltern für Schikurse, Sprachreisen und Co aus. Beiträge und Selbstbehalte folgen mit 188 Euro, erst an dritter Stelle folgen Ausgaben für Schreibwaren oder Schulmaterialien (174 Euro).

Schulkosten als sozial selektiver Faktor im Schulsystem

Besonderes Augenmerk wurde bei der Studie auf die sozialen Auswirkungen von Schulkosten gelegt, für die es laut Kastner zahlreiche Belege gibt: "Besonders für Kinder von AlleinerzieherInnen und aus Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen haben die schulbedingten Kosten oft ungünstige Wirkungen für ihre Bildungslaufbahn." So gab z.B. jede zehnte Familie mit niedrigem sozialen Schichtindex an, dass ihre Kinder eine schulische Wunschausbildung aus finanziellen Gründen nicht ergreifen konnten. Bei jeder fünften Familie mit geringem Einkommen kam es im letzten Schuljahr vor, dass ihre Kinder an schulischen Aktivitäten nicht teilnehmen konnten, weil es finanziell nicht möglich war. Und auch die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Nachhilfe ist sozial höchst unterschiedlich: So sind die Ausgaben für Nachhilfe in Familien mit mittlerem oder hohem Einkommen 5- bis 6-mal so hoch wie bei Familien mit niedrigem Einkommen. Kastner: "Leider wird somit wieder einmal evident, dass Kinder aus weniger begüterten Familien im Schulsystem mit einem Chancendefizit zu kämpfen haben. Familien mit einem geringen Einkommen haben einfach kaum die Möglichkeit, etwaige schulische Defizite durch private Nachhilfe zu kompensieren."

Wahrgenommene Belastung durch schulbedingte Kosten hoch

Neben der Erhebung der schulbedingten Kosten wurden die StudienteilnehmerInnen auch nach ihrer Einschätzung bezüglich der dadurch entstehenden finanziellen Belastung für ihren Haushalt befragt. Wenig überraschend: 97 Prozent der nö. Haushalte fühlen sich durch die anfallenden Schulkosten belastet, beinahe jeder dritte Haushalt sogar stark. Auch hier zeigen sich klare Unterschiede nach Haushaltseinkommen und sozialen Kriterien:
AlleinerzieherInnen-Haushalte und Familien mit niedrigem sozialen Schichtindex spüren die Kostenbelastung durch den Schulbesuch ihrer Kinder weitaus stärker als der Durchschnitt.

Schuldebatte versachlichen - Beihilfen und Förderungen neu andenken

"Ziel der AKNÖ-Studie war es, aussagekräftige Daten über die Entwicklung der Schulkosten zu erhalten, um künftige Diskussionen über Beihilfen für SchülerInnen und die steuerliche Behandlung von Familien mit Kindern zu versachlichen", so AKNÖ-Präsident Hermann Haneder. Für ihn ist durch die Ergebnisse der Studie klar, dass sich die Politik mit dem Thema der versteckten Schulkosten und ihren sozialen Auswirkungen beschäftigen muss: "Wir müssen über die 13. Familienbeihilfe neu reden, über die Richtlinien für die Gewährung von Schülerbeihilfe und über andere Förderungen. Soziale Schieflagen im Schulsystem gehören beseitigt, damit nicht die Geldbörse der Eltern über Bildungs- und Lebenschancen der Kinder entscheidet."

Schulkosten sind bezahlte Steuern

Steuerrechtliche Verbesserungen für Familien mit Schulkindern fordert der Landesvorsitzende der nö. Elternvereine, Ing. Franz Schaupmann. Denn 20 % der erfassten Schulkosten sind auch bezahlte Steuern, also Umsatzsteuer. Familien können für diese Ausgabeposten keine Vorsteuerverrechnung wie Betriebe vornehmen. "Familien mit Kindern brauchen daher auch weiter ein vernünftiges, verlässliches und leistungsfähiges Transferwesen in der Familienförderung. Das Rückfahren der 13. Kinderbeihilfe war ein Schritt in die falsche Richtung und trifft vor allem Familien mit Kindern in den unteren Einkommensschichten", kritisiert Schaupmann.

Die Studie ist in Kürze zum Download verfügbar unter:
http://noe.arbeiterkammer.at/

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