Auslaufende Stärkekartoffel-Marktordnung bereitet Branche große Probleme

Rückgang der Produktion dieser Kultur um 30% erwartet

Wien (OTS/aiz.info) - Durch das Auslaufen der europäischen Marktordnung für Stärkekartoffeln mit Ende 2011 wird innerhalb der Branche ein Rückgang der Produktion dieser Kultur um 30% erwartet -der Sektor wird somit massiv gefährdet. Die Europäische Vereinigung der Stärkekartoffelproduzenten (CESPU) fordert daher gemeinsam mit dem österreichischen Verband von der EU-Kommission Maßnahmen zur Absicherung der Branche. Die Agrana als wichtiger Verarbeiter dieses Rohstoffs unterstützt diese Forderungen.

Stärkeindustriekartoffeln werden in den meisten europäischen Ländern in benachteiligten Gebieten produziert, in denen aus klimatischen oder geologischen Gründen wenig pflanzenbauliche Alternativen bestehen. Die Produktion dieser Kultur ist für die Landwirte dieser Regionen somit ein wichtiger Teil ihres Einkommens und damit für viele Länder unverzichtbar. EU-weit werden auf knapp 200.000 ha Stärkekartoffeln angebaut. In manchen Ländern sind über 50% aller gepflanzten Erdäpfel Stärkekartoffeln.

EU-Kommission soll Produzenten weiter unterstützen

Werner Hilse, Präsident der CESPU, appellierte heute anlässlich der Generalversammlung des Verbandes in Wien an die EU-Kommission, die Stärkekartoffelproduzenten entweder weiterhin finanziell zu unterstützen oder einen entsprechenden Entwurf zur Weiterführung der Marktordnung vorzulegen. "Die Mitbewerber aus Asien scharren mit dem Substitutionsprodukt Tapiokastärke bereits in den Startlöchern. Mit der Absicherung eines starken europäischen Stärkekartoffelmarktes würden somit auch Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung gesichert", argumentierte Hilse.

Die Marktordnung für Stärkekartoffeln regelt insbesondere Produktionsquoten und Mindestpreise. Die EU-Quote beträgt etwa 1,95 Mio. t, davon entfallen 47.700 t auf Österreich, das entspricht rund 220.000 t Kartoffeln. Die EU-Unterstützung für Stärkekartoffeln beläuft sich derzeit auf EUR 180 Mio. Einerseits erhalten die Verarbeitungsbetriebe Zahlungen für den Mehraufwand bei Stärkekartoffeln, andererseits bekommen die Landwirte Prämien (EUR 15,- je t). Wenn diese Gelder künftig deutlich verringert werden sollten, wird laut Hilse der Anbau dieser Frucht zunehmend unattraktiver, außerdem wird der Preis der konkurrierenden Rohstoffe Weizen und Mais eine erheblichere Rolle spielen.

Produktionsmöglichkeiten für benachteiligte Gebiete absichern

In Österreich bauen etwa 1.500 Landwirte Stärkekartoffeln an, 10% davon biologisch. Jeder dritte im Inland produzierte Erdapfel wird in Gmünd im Waldviertel zu Stärke verarbeitet. Mehr als die Hälfte der Erzeugung wächst in dieser niederösterreichischen Region. In diesem strukturschwachen Gebiet ist der Stärkekartoffelbau ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft sowie der vor- und nachgelagerten Branchen. Produktionsalternativen sind hier weniger vorhanden als in anderen Regionen.

"Derzeit werden Österreichs Stärkekartoffelerzeuger mit EUR 4 Mio. gefördert. Das ist ein verschwindend kleiner Teil des Agrarbudgets. Ohne Unterstützung wäre aber die Wettbewerbsfähigkeit dieser Produktion stark beeinträchtigt und in unserem Land nicht mehr möglich", warnte Alfred Sturm, Obmann der Vereinigung österreichischer Stärkekartoffelproduzenten (VÖSK). Sturm forderte auch im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) von 2014 bis 2020 sektorspezifische Maßnahmen für diesen Bereich. Der Entwurf von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos zur GAP nach 2013 sehe Instrumente vor, auch in Zukunft besondere Maßnahmen für spezielle Produktionssparten und sensible Gebiete festzulegen, so der Obmann. Es gelte nun, die Möglichkeit von gekoppelten Zahlungen (zumindest für einen entsprechenden Übergangszeitraum) zu nutzen und damit einen traditionellen Produktionszweig in Österreich abzusichern.

Agrana: Es stehen auch Arbeitsplätze und Investitionen auf dem Spiel

Fritz Gattermayer, Mitglied des Vorstandes der Agrana Beteiligungs-AG, unterstützte dieses Forderungen aus Sicht der Stärkeindustrie uneingeschränkt. "Durch die Reduzierung der Wettbewerbsfähigkeit von Stärkekartoffeln im Vergleich zu Alternativkulturen bei Abschaffung der Marktordnung könnte mittelfristig das Rohstoff-Aufkommen zur vollständigen Auslastung der Kartoffelstärkefabrik in Gmünd nicht mehr gewährleistet sein", warnte Gattermayer. Die Agrana leiste derzeit schon einen Zuschlag von EUR 26,- je t zum Mindestpreis der Stärkekartoffeln, um den Landwirten einen entsprechenden Deckungsbeitrag zu ermöglichen. Aber auch hier seien die Möglichkeiten begrenzt.

"Es wurde in den vergangenen Jahren sehr viel in die Veredelung investiert, um hochspezialisierte Produkte zu erzeugen. Im Biobereich beispielsweise ist Agrana derzeit Marktführer in Europa. Ob diese marktseitigen Maßnahmen ausreichen, um eine nachhaltige Kartoffelstärkeproduktion in Österreich sicherzustellen, bleibt jedoch angesichts der strukturellen Nachteile in Frage gestellt. Es ist daher aus Sicht der Industrie notwendig, dass die Stärkekartoffelbranche auch künftig eine Unterstützung erfährt. Es wäre nicht sinnvoll, die in den vergangenen Jahren aufgebauten und derzeit gut funktionierenden Strukturen aufs Spiel zu setzen", so Gattermayer.

Kartoffelstärke findet sich in zahlreichen Produkten des täglichen Bedarfs - so zum Beispiel in Brot- und Backwaren, aber auch in Suppen und Saucen sowie in diversen Kartoffelgerichten. Weiters ist Kartoffelstärke ein wichtiger Bestandteil von Produkten der Papier-und Kartonerzeugenden Industrie sowie der Textil-, Pharma- oder Bauchemischen Industrie.
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