90.000-facher Gesetzesbruch, 90.000-fache Tierquälerei?

Elektroreizgeräte haben in der Hundeausbildung nichts verloren!

Wien (OTS) - Auf Initiative der Jagdzeitschrift "St. Hubertus"
luden vergangenen Freitag in Perchtoldsdorf Teile der Jägerschaft zum Seminar "Tierquälerei durch Tierschutz?". Kernpunkt war die Forderung nach Wiederlegalisierung der in Österreich verbotenen Elektroreizgeräte für die Jagdhundeausbildung.

Es referierten der Jagdhundeausbildner Andreas Gass, DI Dieter Klein von der Universität Münster sowie der belgische "Hundesportler" und Hundetrainer Bart Bellon. Alle Drei waren sich einig, dass durch das Verbot von Elektroreizgeräten die "Distanzkontrolle" von Jagdhunden kaum mehr möglich wäre, da diese während der Jagd in so "hohe Trieblage" geraten können, dass sie vor Autos oder Züge laufen würden. Nach der Logik dieser Vortragenden wäre das gesetzlich verankerte Verbot dieser elektrischen Fernreizgeräte daher Tierquälerei.

"Ich begrüße zwar, dass zu dieser Veranstaltung auch VertreterInnen des Tierschutzes eingeladen waren", sagt Mag. Alexander Willer vom Wiener Tierschutzverein. "Es ändert aber nichts daran, dass hier eine Schuldumkehr versucht wird. Nicht das Tierschutzgesetz sorgt für Tierquälerei, sondern Elektroreizgeräte tun das. Der Gesetzgeber hat sie nicht grundlos verboten."
"Diese 'Fernsteuerung', egal wie technisch ausgefeilt sie sein mag, ist Sinnbild einer grundlegend falschen Ausbildungs-Methodik: Das liegt jenseits jeglicher moderner Lerntheorie. Ein Hund soll nicht bloß 'funktionieren', er soll Vertrauen zum Menschen aufbauen. Wenn es ohne Strafreize nicht geht, hat der Ausbildner versagt, nicht der Hund oder das Gesetz", so Willer.

"Höchst alarmierend ist zudem, dass laut Angabe von einem der Seminar-Veranstalter immer noch geschätzte 90.000 Elektroreizgeräte in Österreich im Umlauf sein dürften. Und das obwohl §5 des Bundestierschutzgesetzes nicht nur die Anwendung, sondern auch Erwerb, Besitz und In-Verkehr-Bringen verbietet", führt Willer aus. "Elektroreizgeräte haben am Hund nichts verloren! Österreich hat hier in Europa gemeinsam mit Deutschland und Wales eine Vorreiterrolle. Die gilt es zu verteidigen. Eine Wiederzulassung würde den Tierschutz um Jahrzehnte zurückwerfen, Tür und Tor für Missbrauch öffnen und nur einigen wenigen Geräteherstellern dienen, die mit großem Werbeaufwand und elektrisierenden Showdarbietungen ihre Vertreter weltweit auf Kundenfang schicken".

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