"DER STANDARD"-Kommentar: "Der Fußball, der dem Land gebührt" von Christian Hackl

Der zizerlweise Abschied von Constantini ist eine typisch österreichische Lösung - Ausgabe vom 8.9.2011

Wien (OTS) - Da jedes Land den Fußball hat, den es verdient, kann Österreich auf Teamchef Dietmar Constantini und ÖFB-Präsident Leo Windtner mächtig stolz sein. Und Wolfgang Schüssel wird einmal nachgesagt werden, dass er einst der Begründer der Rücktrittskultur war. Die Nationalmannschaft ist in der EM-Qualifikation kläglich gescheitert. Vielleicht gelingt es noch, Aserbaidschan und Kasachstan auf Distanz zu halten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Spieler als Talente gelten, die teilweise in ausländischen Ligen reüssieren. Man spricht fast von einer goldenen Generation. Österreich verpasst zwar traditionell Großveranstaltungen. Anspruch und Wirklichkeit meiden einander. Aber meist hieß es, die sind Dodeln und können nicht kicken. Insofern gab es unter Constantini eine Steigerung.
Er war Windtners Idee. Österreich benötige nach der kurzen Ära des Karel Brückner einen Feuerwehrmann, der den Brand löschen müsse. Was Windtner nicht bedachte: Wer räumt den Schutt weg, stellt ein neues Haus hin? Da Windtner, der sich das Image des Machers umgehängt hat, Fehler nicht eingestehen will oder in seinem Weltverständnis nicht darf, hat er nun eine typisch österreichische Lösung präsentiert. Constantini darf die beiden verbleibenden, sinnlosen Qualifikationsspiele noch machen, am 11. Oktober ist aber Schluss. Das ÖFB-Direktorium hat übrigens bereits am 11. August entschieden, dass der Ende Dezember auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Constantini spielt das peinliche Spielchen mit. Wahrscheinlich ging es auch ums Geld. Er hätte nach dem 0:0 gegen die Türkei sagen können: "Danke, es war sehr schön, es hat mich sehr, sehr gefreut." Das wäre ein würdevollerer Abgang gewesen. Er hätte ja noch frei nach Wolfgang Schüssel hinzufügen können: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst." Aber nein, er verlängerte den Schrecken. Auf Geheiß von Windtner.
Der Präsident sagte: "Das ist keine typisch österreichische Lösung." Vermutlich glaubt ihm das nicht einmal Constantini. Windtner verblüffte mit folgender Feststellung. "Wir brauchen Zeit, einen Nachfolger zu finden. Wir müssen erst ein Anforderungsprofil erstellen. Das geht aber schnell." Auch der Fußball ist Teil der Freunderlwirtschaft. Landesverbandspräsidenten entscheiden mit. Der Tiroler mag den Wiener nicht, der Steirer lehnt den Kärntner ab, dem Salzburger ist alles wurscht. ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig ist nie zu unterschätzen. Deutsch muss der neue Teamchef jedenfalls können. Auch das passt zu Österreich.
Constantini Fehler vorzuwerfen ist müßig, er war nur ein kleines Rädchen. Stur ist er gewesen. Er führte im Grunde genommen sinnlose Kleinkriege (Verbannung von Andreas Ivanschitz), nominierte vier Kapitäne, empfand die Taktik im Fußball als überschätzt. Das Ergebnis war mitunter ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Aber er hat sich bemüht. Menschlich ist er durchaus okay, seine Kindercamps sind großartig. Das wird freilich nicht als Bedingung im neuen Anforderungprofil stehen.
Der Feuerwehrmann ist bald Geschichte. Vielleicht täte dem ÖFB ein Brandstifter gut. Aber das wird Windtner zu verhindern wissen. Das wäre ja keine österreichische Lösung. Der neue Mann (Frau ist auszuschließen) wird sich auch nur schwer für die WM 2014 qualifizieren. Aber er sollte wenigstens souveräner scheitern.

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