Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 7. September 2011. Von KATHARINA ZIERL. "Integration braucht Innovation".

Innsbruck (OTS) - Unertitel: Die erfolgreiche Integration von Migranten bedarf neuer, zielgerichteter Lösungsansätze. Die Privatschul-Initiative einiger türkischstämmiger Unternehmer zählt nicht dazu, treibt sie doch eher die Parallelgesellschaft voran.

Die Nachricht hat eingeschlagen. Emotionalen Staub aufgewirbelt. Türkischstämmige Unternehmer wollen in Tirol ein Privatgymnasium realisieren. Um - wie sie selbst sagen - den Migrantenkindern die Integration zu erleichtern. Der Aufschrei im Land war und ist groß. Das überrascht nicht, enthält diese Mitteilung doch einiges an Zündstoff. Nicht nur auf den ersten Blick.
Der Versuch der Türken, eine Schule ganz nach den Vorstellungen und Bedürfnissen der eigenen Kultur einzurichten, ist legitim. Zu hinterfragen, welche Intention hinter einem derartigen Vorhaben steckt, allerdings auch. Und zwar fernab von unnötigen fremdenfeindlichen Pauschal-Verurteilungen, die nur Ängste schüren und inhaltlich überflüssig sind.
Integration braucht Innovation. Ziel muss es also sein, Lösungen zu finden. Lösungen, die Barrieren und Vorurteile abbauen. Ob die Initiative einiger türkischstämmiger Unternehmer einen derartigen Lösungsansatz bietet, ist zweifelhaft. Separiert sich eine Gruppe bewusst, kann das nicht zur Integration beitragen. Vielmehr werden vorhandene Berührungs-ängste größer, den Kindern wird indirekt suggeriert, dass sie nicht Teil der österreichischen Gesellschaft sind.
Das nach außen wirkende Signal der Absonderung wiederum hat zur Folge, dass die Vorurteile gegen Ausländer neue, ungesunde Nahrung erhalten und das Aufeinanderzugehen in weite Ferne rückt. Statt einem Miteinander kann es dann - wie auch bislang schon vielerorts - nur ein gegenseitig mehr oder weniger geduldetes Nebeneinander der unterschiedlichen Kulturen geben.
Dabei könnten gerade Kinder im unkomplizierten Umgang miteinander vorhandene Barrieren abbauen. Dafür braucht es allerdings Eltern, die dazu bereit sind, ihre Kinder offen und frei von kulturellem Ballast in die Welt zu schicken. Sowohl auf österreichischer als auch auf ausländischer Seite.
Neben der Bereitschaft von Migranten, sich aktiv integrieren zu wollen, und der Toleranz von Einheimischen, das auch zuzulassen, braucht es allerdings geeignete Einrichtungen, die genau das ermöglichen. Kinder mit Migrationshintergrund müssen besser gefördert werden. Ihre Bedürfnisse müssen im Schulsystem Platz finden. Kein einfaches, aber ein dringend notwendiges Unterfangen. Zumindest dann, wenn Integration mehr sein soll als ein plakativer, aber inhaltsleerer Begriff, der sich gut für Wahlkämpfe eignet.

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