WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schweizer suchen im Währungskrieg Entscheidung - von Hans Weitmayr

Zaudert die Notenbank nur eine Sekunde, trifft der monetäre Fallout die Schweiz

Wien (OTS) - Es ist nichts anderes als eine neuerliche Eskalation
im vom brasilianischen Finanzminister Guido Mantega ausgerufenen Währungskrieg: Mit einem klaren Kursziel von 1,20 Franken je Euro hat die Schweizer Notenbank die wahrscheinlich letzte Waffe im monetären Arsenal gezündet. Sie ist jetzt bereit, jede nur erdenkliche Menge an Franken zu drucken und massiv Euro zu kaufen, um so die übertriebene Aufwertung der eidgenössischen Währung zu beenden.

Alleine die Ankündigung der Bereitschaft, diese monetäre Atombombe zu zünden, ließ die Märkte Deckung suchen. Der Euro verlor gegen den Franken binnen Sekunden knapp acht Prozent an Wert - auf dem Währungsmarkt stellt das einen veritablen Erdrutsch dar.

Bemerkenswerterweise traf der Eingriff der Bank bei den Marktteilnehmern auf wohlwollenden Applaus. Die zuvor stattgefundene Aufwertung wurde in ihrem Ausmaß von einzelnen Beobachtern wie dem Goldman Sachs-Star Jim O'Neill als "lächerlich" bezeichnet. Bis Redaktionsschluss gab es von keiner relevanten Stelle Einsprüche gegen die doch recht gravierende - nennen wir das Kind beim Namen -Marktmanipulation. Aber um genau eine solche handelt es sich, was wiederum - volkswirtschaftlich gerechtfertigt oder nicht - ein Problem aufwirft: Konservative Marktteilnehmer suchen auf der Flucht vor Euro und Dollar nach wie vor sichere Häfen. Haben diese Investoren die gestrigen Vorfälle einmal verdaut, werden sie den Franken wieder testen, auf massiven Widerstand der Notenbank stoßen und vorerst scheitern.

Aber diese Versuche werden sich wiederholen und die Schweizer sind, zumindest laut EZB, auf sich allein gestellt. Unilaterale Währungsinterventionen sind ein extrem schwieriges und in jedem Fall kostspieliges Unterfangen. Das wissen die Schweizer selbst am besten. Im Juni des Vorjahres gab die Notenbank einen mehrmonatigen Feldzug gegen die eigene Währung auf, nachdem es zu einer Vervierfachung der Währungsreserven und einem Rekordverlust von knapp 15 Milliarden Euro gekommen war, was wiederum SNB-Präsident Philipp Hildebrand beinahe den Job gekostet hatte.

Der wichtige Unterschied zu damals: Es gibt jetzt ein klar ausgesprochenes Kursziel. Hat der Markt aber auch nur den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, die Notenbank könnte bei der Verteidigung dieser Marke zaudern, wird die monetäre Atombombe zwar ebenfalls gezündet - der Fallout trifft in diesem Fall aber die Schweiz.

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