Aktuelle Positionen der Stadt zu den Universitäten

Wien (OTS) - In wenigen Wochen ist in Wien für über 160.000 Studierende Semesterbeginn. Wien ist mit neun Universitäten, fünf Fachhochschulen und sechs Privatuniversitäten, einer Reihe von international renommierten Forschungseinrichtungen und außer-universitären Instituten nach Berlin die zweitgrößte Wissens-und Universitätsstadt in Zentraleuropa.

Die aktuelle Debatte rund um Finanzierung der Unis, Studiengebühren, Zugangsregelungen versus Beschränkungen bis hin zur Einführung der Studien-eingangsphase zeigen die prekäre Lage der Hochschulen.

Die Stadt Wien nimmt ihre Verantwortung als Wissenschaftsstadt wahr, um den Forschungsstandort im Herzen Europas zu sichern und auszubauen.

Stadt Wien: Verantwortungsvolle Hochschulpolitik gefordert

- Erhöhung der Akademikerquote

Ziel der Hochschulpolitik sollte sein, die Akademikerquote auf europäisches Niveau anzuheben. Die Abschlussquote heimischer Studenten liegt derzeit mit 25 % weit unter dem OECD-Schnitt von
38 %.

"Mehr Akademiker bedeuten wirtschaftliche Vorteile. Jeder Akademiker und jede Akademikerin bringt dem Staat über Steuern und Sozialabgaben dreimal soviel ein, wie die Ausbildung kostet. Außerdem sind nur 2 % der HochschulabsolventInnen von Arbeitslosigkeit betroffen", heben Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hervor.

Die OECD spricht sogar die Empfehlung aus, Kredite für ein funktionierendes Hochschulsystem aufzunehmen.

- Ausreichende Finanzierung der Unis

Voraussetzung für die Anhebung der Akademikerquote ist die ausreichende Finanzierung der Hochschulen: Seit Jahren appellieren Universitäten und die Stadt Wien dafür, das Uni-Budget auf 2 % des BIP anzuheben (derzeit 1,3 %). Das wird nur mit einer gemeinsamen Anstrengung möglich sein, bei der federführend der Bund Vorschläge zu machen hat. Jene im kürzlich vorgelegten Hochschulplan greifen zu kurz, weil sie keine Auskunft über die konkreten Anstrengungen des Bundes geben.
"Die Diskussion darf aber nicht nur auf das Finanzielle reduziert werden. Wenn es Länder gibt, etwa unser Nachbar Slowakei, wo ein Absolvent im Vergleich zu Österreich nur die Hälfte kostet, dann gibt es auch strukturellen Nachholbedarf. Umso mehr, wenn die Absolventenquote dort mit 50 % doppelt so hoch ist, wie bei uns", gibt Mailath zu Bedenken und zitiert den ehemaligen Harvard-Präsidenten Derek Bok: "Wenn Sie glauben, dass Bildung teuer ist, dann probieren Sie es doch einmal mit Unwissen".

- Demokratisierung der Universitäten

Die seit den 70er Jahren entwickelte und gut funktionierende studentische Vertretung in sämtlichen Uni-Gremien sowie die Vertretung des Mittelbaus wurden mit dem UOG 2002 abgeschafft. Dieser Demokratieabbau muss rückgängig gemacht, die bundesweite Direktwahl der ÖH wieder eingeführt werden. Die Einbindung der Studierenden und der Universitäten ist wichtig, um die Universitäten der Zukunft gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zu formen.

- Stipendiensystem sozial treffsicher gestalten

Das Stipendienwesen, wie es jetzt praktiziert wird, ist nicht treffsicher: Nur 19 % aller Studierenden erhalten ein Stipendium. Im Gegenzug geben aber 60 % der Studierenden an, arbeiten gehen zu müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. D. h. viele Studierende, die Studienbeihilfe bräuchten, bekommen sie nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: So wird nicht die tatsächliche Unterstützung durch die Eltern herangezogen, sondern die zumutbare. Ob die StudentInnen tatsächlich Geld von ihren Eltern erhalten, wird nicht überprüft. Außerdem sind die Grenzwerte für das Einkommen der Eltern und die Zuverdienstgrenzen für Studierende seit Jahren nicht angepasst worden bzw. viel zu niedrig. Die Höhe der Studienbeihilfe selbst wurde nur teilweise inflationsangepasst und ist daher zu niedrig. Den Teil der Studienbeihilfe, der für Miete gedacht ist, erhalten nur Studierende, deren Eltern nicht in Wien wohnen.

Notwendig wäre daher ein gerechtes und treffsicheres, auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehendes Beihilfensystem, das Wegfallen der Distanzklausel und eine regelmäßige Indexanpassung.

- Förderung außeruniversitären Institute und Druckkostenförderung

Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen spielen im Wissenschaftsleben der Stadt eine wesentliche Rolle, wie etwa die Akademie der Wissenschaften, das Institut für Höhere Studien oder das Erwin-Schrödinger-Institut für Mathematische Physik. Außeruniversitäre Forschung ist unverzichtbar für den Standort Wien; sie widmet sich Themen, deren sich die Universitäten nicht in der gleichen Intensität annehmen können oder wollen. Der Bund stellte hier im Frühjahr seine Förderung ein, was einem Kahlschlag im außeruniversitären Bereich und bei der Publikations- und Konferenzförderung gleichkommt.

"Obwohl es sich bei der Förderung der außeruniversitären Institute und der fehlenden Druckkostenförderung um relativ geringe Mittel handelt, die im Budget wenig bewegen, richten die Kürzungen strategisch höchsten Schaden an. Die Stadt kommt hier ihrer Verantwortung nach und fördert diesen wichtigen Bereich weiterhin mit neun Mio. Euro jährlich." erklärt Mailath.

- Keine Wiedereinführung von Studiengebühren

Die Diskussion rund um die Uni-Finanzierung sollte nicht an jene um neue Studiengebühren gekoppelt werden. Gerade wenn es darum geht, die Akademikerquote zu erhöhen, wirken Studiengebühren kontraproduktiv:
Denn Studiengebühren sind unsozial, weil sie für sozial Schwache eine weitere Hürde darstellen. In Europa gibt es übrigens einen Trend zur Abschaffung von Studiengebühren: Im Studienjahr 2007/08 hoben noch 18 von 29 EU-Ländern Studiengebühren ein (inkl. Norwegen und Schweiz). 2011 sind es nur noch 14.

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Mag. Daniel Benyes
Mediensprecher des Stadtrates für Kultur und Wissenschaft
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