"DER STANDARD"-Kommentar zur Telekom-Affäre: "Aufklärung auf halbem Weg" von Luise Ungerboeck

Ausgabe vom 5.9.2011

Wien (OTS) - Ob die Staatsholding ÖIAG die Telekom-Korruptionsaffäre in ihrer ganzen Dimension erfasst hat, ist zu bezweifeln. Da wird endlich ein Screening durch ausländische Wirtschaftsprüfer angekündigt, die Prüfzeit ist aber von vornherein auf acht Monate beschränkt.
Daneben liegt ÖIAG-Chef und Telekom-Präsident Markus Beyrer auch, wenn er meint, der bis dato identifizierte Schaden, 18 Millionen Euro, sei gemessen an fünf Milliarden Euro Jahresumsatz läppisch und rechtfertige keine Sonderprüfung. Da waren 247 Millionen Schilling, die Ex-Vorstände mittels Scheinaufträgen an Ex-Politiker, Parteien und mutmaßlich in eigene Taschen verschoben haben. Die sind es allemal wert, die ganze Vergangenheit zu durchleuchten - und nicht nur jene Zukäufe im In- und Ausland, die schon jetzt 300 Kilometer gegen den Wind stinken.
Das Argument, eine aktienrechtliche Sonderprüfung sei ohne Hauptversammlung nicht möglich, sticht schon gar nicht. Die ÖIAG hat mit 28,4 Prozent zwar keine nordkoreanische Stimmenmehrheit, aber dennoch eine Stimmenmehrheit. Bleibt nur mangelnder Aufklärungswille. Der zeigt sich schon daran, dass sich Beyrer höchstselbst zum Kopf jenes Kontrollausschusses macht, der krumme Geschäfte der Telekom mit dem Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly aufklären soll. Als Industriellen-Generalsekretär gehörte Beyrer zur Jagdgesellschaft des Lobbyisten, bezahlt hat - erraten - die Telekom. Noch Fragen?

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001