Leserbrief an "Die Presse": Zweiklassenmedizin - Dichtung und Wahrheit

Wien (OTS) - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat eine Umfrage bei Augenabteilungen durchgeführt und angeblich erhoben, wie lange die Patienten auf die Operation warten müssen.

Dabei handelte es sich um keine seriöse Untersuchung, sondern das negative Ergebnis stand für den VKI schon vor der Untersuchung fest.

Die negativen Schlagzeilen wurden vom VKI schon vor Erscheinen der Zeitschrift über die APA publiziert, sodass den Betroffenen gar keine Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben war, da die Zeitschrift am 24.08.2011 noch gar nicht zu kaufen war.

Inhaltlich hat der VKI die Antworten in den Fragebögen manipuliert und absichtlich ins Negative verändert. So hat der VKI in einem Fragebogen aus 5 % einfach 50 % gemacht.

Der Hinweis eines Arztes, dass sich jeder Patient mit Zusatzversicherung jederzeit im Privatspital ohne Wartezeit operieren lassen kann, wurde einfach umgedeutet, dass sich die Wartezeit für Patienten mit Zusatzversicherung im öffentlichen Spital verkürzt.

Einem Arzt wurde unterstellt, dass er ein Privatspital betreibt und dort seine Patienten operiert. Auch diese Feststellung ist erlogen.

Einer Abteilung in Oberösterreich wurde unterstellt, dass Patienten mit Zusatzversicherung vorgereiht werden. Auch diese Feststellung war frei erfunden, da die Wartezeit an dieser Abteilung sowieso nur 14 Tage beträgt.

Wenn man bedenkt, dass an manchen Abteilungen der Anteil an Sonderklassepatienten um 5 % beträgt, so muss einem auch klar sein, dass durch diese 5 % nicht die anderen 95 % "normal Versicherten" verdrängt werden können.

Der graue Star ist schmerzlos und entwickelt sich langsam, oft über Jahre, und in vielen Fällen handelt es sich nicht um Wartezeiten, sondern um Wunschtermine, weil die Patienten gar nicht früher operiert werden wollen.

Die eigentliche "Sauerei" ist die Tatsache, dass der VKI die Ergebnisse manipuliert hat.

Man kann nur hoffen, dass sie ihre Untersuchungen bei Waschmaschinen und Bügeleisen seriöser durchführen.

Univ.Prof.Dr. Michael Radda
Obmann der Österreichischen Augenprimarärzte

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