WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer Märkte manipuliert, wird Krisen ernten - von Alexander Hahn

Marktverwerfungen sind Folge langfristig verfehlter Geldpolitik

Wien (OTS) - Das Medienecho auf die jüngsten Turbulenzen der Finanzmärkte war enorm. Wie im Jahr 2008 waren die Schuldigen an den Verwerfungen schnell ausgemacht: Eine aufgeblähte, weitgehend unregulierte Finanzbranche agiert auf Märkten, die keineswegs so gut funktionieren, wie es Wirtschaftswissenschafter gerne darstellen. Bei genauerer Betrachtung ist diese Behauptung so nicht haltbar. Marktwirtschaft ist eine Methode zur Preisfindung unter Einbeziehung aller Akteure und der Wechselwirkungen zwischen den Teilmärkten. Dieses System hat seine Überlegenheit gegenüber planwirtschaftlich festgesetzten Preisen in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dieses Erfolgsmodell soll nun selbst zum Sanierungsfall geworden sein?

Märkte funktionieren heute nicht weniger effizient als früher. Der springende Punkt ist vielmehr, dass eine der wichtigsten ökonomischen Variablen planwirtschaftlich gesteuert wird, nämlich der kurzfristige Zins. Dieses System ist dauerhaft tragfähig, solange Notenbanken dieser Aufgabe im Geist der Deutschen Bundesbank verantwortungsvoll nachkommen. Diese war einst als unabhängige Instanz einzig der Geldwertstabilität verschrieben und trat im Zweifel auch als Korrektiv zur Politik in Erscheinung.

Heute wirkt es eher so, als würden Notenbanker und Staatslenker an einem Strang ziehen. Diese unheilvolle Verbrüderung hat jedoch mehr Probleme geschaffen als gelöst. Wann immer Märkte seit den 1990er-Jahren zu rezessiven Gegenbewegungen ansetzten, um Fehlentwicklungen zu korrigieren, wurde dies mit expansiver Geldpolitik abgefedert oder gar verhindert. Bekanntlich ist eine Rezession Gift für die Wiederwahl eines Politikers.

Von der Asien-Krise bis zum Platzen der Technologie-Blase war stets der frühere Fed-Chef Alan Greenspan zur Stelle, um wirtschaftliche Probleme schnellstmöglich mit frischem Geld auszubügeln. Dadurch wurden die zugrunde liegenden Fehlentwicklungen jedoch nicht korrigiert, sondern verstärkt. Dazu zählt auch, dass die Finanzwirtschaft durch dauerhaft zu tiefes Zinsniveau so weit aufgebläht wurde, dass die Blasen und Marktverwerfungen der vergangenen Jahre ermöglicht wurden.

Natürlich sollte die Finanzbranche künftig strenger reguliert werden. Wichtiger ist jedoch die Einsicht, dass bereinigende Abschwünge notwendig sind, damit Märkte auf Dauer effiziente Resultate liefern. Andernfalls drohen wieder Marktbereinigungen so lange verschleppt zu werden, bis etliche Jahre später System-bedrohende Krisen daraus entspringen.

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