Greenpeace: Fukushimas Schulen besorgniserregend kontaminiert

Umweltschutzorganisation fordert Verschiebung des Schulbeginn durch japanische Regierung

Wien/Tokio (OTS) - Wie erneute Greenpeace-Messungen ergaben,
liegen die Strahlenwerte in und um Bildungseinrichtungen in Fukushima nach wie vor über internationalen Sicherheitsstandards. In einem Schulgebäude wurden bis zu 1,5 Mikrosievert pro Stunde gemessen, hochgerechnet auf ein Jahr überschreitet die gemessene Strahlung so den international festgelegten Grenzwert (1 Millisievert/Jahr) sogar um mehr als das Dreizehnfache. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Tokio appellierte die Umweltschutzorganisation deshalb heute an die japanische Regierung sofort zu handeln und den offiziellen Schulbeginn am 1. September zu verschieben sowie eine wirkungsvolle Dekontaminierung in die Wege zu leiten. Der von der japanischen Regierung vorgelegte Dekontaminierungsplan ist für Greenpeace eine zu späte und nicht ausreichende Maßnahme.

Von 17. bis 19. August 2011 hatte ein Greenpeace-Team Strahlenmessungen an einer Mittelschule, einer Volkschule und einem Kindergarten sowie einigen öffentlichen Plätzen in Fukushima durchgeführt. "Die Messungen unserer japanischen Kollegen in einem Schulgebäude, das bereits als von den öffentlichen Behörden dekontaminiert galt, ergaben Strahlenwerte von bis zu 1,5 Mikrosievert pro Stunde. Es ist unverantwortlich, unter solchen Umständen den Schulbetrieb wieder aufzunehmen und damit die Kinder einer derart gesundheitsgefährdenden Strahlenbelastung auszusetzen", ist der österreichische Greenpeace-Atomexperte Niklas Schinerl schockiert.

In einem öffentlichen Park im Stadtzentrum stellte das Greenpeace-Team sogar eine radioaktive Strahlung von bis zu 2 Mikrosievert pro Stunde fest. "Die gemessenen Strahlenwerte bewahrheiten leider unsere Befürchtungen, dass die Bewohner in Fukushima -vor allem die Jüngsten unter ihnen- trotz erster erfolgter Dekontaminierungsarbeiten nach wie vor einer viel zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Die japanische Regierung darf nicht länger die Augen vor diesen höchst gesundheitsgefährdenden Umständen verschließen", so Schinerl.

Mit Ausnahme eines von Gemeindemitgliedern selbst gereinigten Kindergartens wiesen alle von Greenpeace untersuchten Örtlichkeiten deutlich erhöhte Strahlenwerte auf. "Eine Verringerung der Strahlung ist möglich, wenn die Reinigungsarbeiten wirkungsvoll durchgeführt werden, wie die deutlich geringeren Strahlenwerte in dem von NGO- und Gemeindemitgliedern gereinigten Kindergarten beweisen", sagt Schinerl.

"Es darf nicht sein, dass Eltern vor die Wahl zwischen Gesundheit und Bildung ihrer Kinder gestellt werden", empört sich die japanische Greenpeace-Atomexpertin, Kazue Suzuki, "Der längst überfällige Dekontaminierungsplan der Regierung wird leider zu spät umgesetzt und greift außerdem zu kurz. Deshalb muss der neue japanische Premierminister den bevorstehenden Schulbeginn verschieben und die Menschen aus den Hochrisikogebieten umsiedeln. Zudem muss der Premier jene Tausenden Arbeiter mobilisieren die nötig sind, um das Strahlungslevel soweit wie nur möglich unter den internationalen Grenzwert von 1mSv/y (Millisievert pro Jahr) zu senken."

Rückfragen & Kontakt:

Video- und Fotomaterial der jüngst durchgeführten Strahlenmesswerte schicken wir Ihnen gerne auf Anfrage (mailto melanie.aldrian@greenpeace.at) zu.
Eine Vorschau finden Sie unter http://www.youtube.com/watch?v=vjXI3LfNoqc

Alle Messdaten zum Download: http://www.greenpeace.org/japan/Global/japan/pdf/20110829_data.pdf

Niklas Schinerl, Anti-Atomsprecher Greenpeace, +43-664-6126704
Melanie Aldrian, Pressesprecherin Greenpeace; Tel.: +43-664 6126725

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