Ein Atomunglück im Abseits

Fünf Monate nach Fukushima üben sich alle im Verdrängen. Die Lektion bleibt derzeit noch offen.

Innsbruck (OTS) - Fukushima? Das AKW ist noch lange nicht stabil, die Folgen aber sind längst Randnotizen im Weltgeschehen. Ist das gut so?
Neuigkeiten zu Fukushima reißen im Blätterwald der Medien keine ganzen Seiten mehr auf. Deshalb schoss die jüngste Nachricht aus dem japanischen Katastrophen-AKW auch am kollektiven Bewusstsein vorbei. Diese lautete: Die so genannte kalte Abschaltung drohe sich bis zum nächsten Jahr zu verzögern, teilte der Betreiber Tokyo Electric Power Co diese Woche mit. Die Reinigung des hochgradig radioaktiven Wassers in der Anlage brauche länger als ursprünglich angenommen, räumte Tepco ein. Vermutlich wird es bis nächstes Jahr dauern, bis das havarierte Kraftwerk voll unter Kontrolle und die Temperatur auf unter 100 Grad gekühlt ist.
Zur Erinnerung: Fukushima im März 2011 war die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986. Auch wenn Europa deshalb nicht in Panik verfallen musste, ist es interessant zu hören, dass jetzt ausgerechnet ein japanischer Strahlenwissenschafter in der Wissenschaftszeitschrift Science eine internationale Kooperation fordert, die klären soll: Wie hoch darf Strahlung für den Einzelnen sein? Wo liegt wirklich die niederste Schwelle? Dass diese Frage ausgerechnet in Japan, jenem Land mit der meis ten radioaktiven Erfahrung (Fukushima, Nagasaki) strittig ist, macht nur bedingt stutzig. Denn dort ist bereits ein anderer Professor für atomare Strahlung, Osako Toshiso, als Atomberater der Regierung im April zurückgetreten. Aus Protest. Weil die Verantwortlichen die amtlich geduldete Strahlenbelastung für Kinder nahe Fukushima hinaufsetzte -auf 20 Millisievert pro Jahr, das entspricht der Höchstdosis für einen deutschen AKW-Mitarbeiter.
Im September soll eine internationale Konferenz zu dieser Thematik beraten, berichtet die deutsche Wochenzeitung Die Zeit. Das ist gut so. Denn die Folgen von Strahlung sollten wir alle verstehen. Möglichst schnell.

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