WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Apples König hinterlässt eine große Lücke - von Peter Sempelmann

Der Abgang von Steve Jobs ist kein Drama - vorerst

Wien (OTS) - Es gibt Ereignisse, die weder unerwartet noch überraschend sind und dennoch die ganze Welt beschäftigen. Der Rücktritt von Steve Jobs als CEO von Apple gehört dazu. Eigentlich war es ein Wunder, dass der im Jahr 2004 an Bauchspeicheldrüsen-Krebs erkrankte Apple-Chef, überhaupt so lange durchgehalten hat. 2009 musste er sich auch einer Lebertransplantation unterziehen.

Nun verabschiedet sich Jobs endgültig von Apple. Bei der für Oktober erwarteten Präsentation des iPhone 5 wird er nicht mehr am Podium stehen. Ein Auftritt, den sich ein fitter Jobs nie hätte nehmen lassen.

Ganz im Stil eines absolutistischen Monarchen erklärte Jobs den langjährigen COO Timothy Cook zum neuen Chef. Es wird jedoch eine Weile dauern, bis Cook in die charakteristischen Jeans und den schwarzen Rollkragenpulli seines Vorgängers hineingewachsen ist. Jobs hat Apple enorm geprägt. Bis zuletzt wurde praktisch keine Entscheidung ohne seine Zustimmung getroffen. Er hatte in allen Belangen das letzte Wort, nervte Designer hartnäckig mit Details und hatte dabei immer den richtigen Riecher. Seit seiner Rückkehr zu Apple im Jahr 1997 gelang es ihm mit iMac, iPod, iTunes und nicht zuletzt dem iPhone und dem iPad immer wieder, der Welt zu zeigen, wie Produkte gestaltet sein müssen, damit sie von den Kunden angenommen werden. Dabei ist das ganz einfach erklärt: Die Funktion folgt der Form und nicht umgekehrt.

Der Abgang von Jobs hinterlässt eine große Lücke, ist aber für Apple zumindest vorerst kein Drama. Der alte Chef war zwar der Kopf und das Aushängeschild des Unternehmens. Apple war und ist aber nicht Jobs alleine.

Ein Gutteil des Erfolgs der Produkte der vergangenen Jahre ist Chefdesigner Jonathan Ive und seinem Team zuzuschreiben. Sie sind die kreativen Köpfe hinter sämtlichen Verkaufsschlagern - vom iMac des Jahres 1998 bis zum iPad2 des Jahres 2011. So lange es dem neuen CEO Cook gelingt, dieses Team zu halten, wird Apple auch weiter mit innovativen Produkten überraschen. Der Fahrplan für die Produkte der nächsten drei Jahre und die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens sind ebenfalls bereits festgelegt. Erst dann wird sich zeigen, wie viel von Apples Erfolg Jobs Charisma zuzuschreiben ist oder ob es auch ohne ihn geht.

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