AK Tirol unterstützt leidgeprüfte Familie im Kampf ums Recht

Zivilrechtliche Schadenersatzklage gegen TILAK GmbH eingebracht

Innsbruck (OTS) - Seit dreieinhalb Jahren kämpft eine Familie um ihr Recht. Nach einer Operation ist ihr Kind schwer behindert. Seit damals versuchen die Eltern, Licht ins Dunkel zu bringen und wurden bisher von den zuständigen Stellen nur vertröstet. Die AK Tirol unterstützt die leidgeprüfte Familie seit nunmehr eineinhalb Jahren in ihrem Kampf ums Recht.
Es geht im Konkreten um das Mädchen Nadina Strobl (geb. am 24. November 2007), das sich am 4. Jänner 2008 im Alter von etwa 6 Wochen am LKH Innsbruck - Universitätsklinik Innsbruck einer Routineoperation (Leistenbruch) unterzog. Im Rahmen dieser Behandlung kam es jedoch zu massiven Komplikationen und es wurde schließlich ein massiver Gehirnschaden des Kindes diagnostiziert.
Nadina leidet in Folge der Gehirnschädigung unter anderem an tiefgreifenden Entwicklungsstörung mit komplexen Wahrnehmungsstörungen, einer zerebralen Sehstörung und einer schweren Epilepsie mit therapieresistenten Krampfanfällen.
Sowohl seitens der behandelnden Ärzte als auch der ärztlichen Direktion wurde den Eltern gegenüber stets damit argumentiert, dass kein Behandlungsfehler vorliege und alles darauf hinweise, dass eine angeborene Stoffwechselerkrankung vorliegt, die vor der Operation zu keinen Auffälligkeiten geführt habe und deshalb ein scheinbar gesundes Kind einer Routineoperation zugeführt worden sei (vgl. Leserbrief der ärztlichen Direktorin Dr. Kofler in TT vom 12. Februar 2010, Seite 10).
Einem weiteren Interview mit der zuständigen ärztlichen Direktorin Dr. Kofler im Mai 2010 ist zu entnehmen, dass seitens der TILAK seinerzeit nicht einmal die zuständige Haftpflichtversicherung informiert worden sei, da es keinen Hinweis auf einen Fehler gegeben hätte (vgl. TT-Artikel vom 3. Mai 2010, Seite 3).
Die Eltern schalteten gemeinsam mit der Patientenvertretung des Landes Tirol die Schiedsstelle in Arzthaftpflichtfragen, Ärztekammer für Tirol, (im Dez 2008) ein. In diesem Schiedsverfahren wurde ein anästhesiologisches Gutachten eingeholt, wobei der Sachverständige Univ. Prof. Dr. Kröll darin zu dem Schluss kommt, dass kein ärztliches Fehlverhalten vorliegt und es sich im konkreten um einen schicksalhaften Verlauf handle.
Obwohl dieses Gutachten offensichtlich lückenhaft ist und zum Teil mit reinen Vermutungen und Spekulationen arbeitet, ferner die Dokumentationslücken ignoriert und keine seriösen Antworten auf die aufgeworfenen Fragen gibt, ist die zuständige Schiedskommission ohne weitere Erörterungen unverständlicherweise dem Ergebnis des Gutachters gefolgt.
Da die Eltern bei der Suche nach den Hintergründen für die schwere Behinderung ihrer Tochter nach einer Routineoperation in der Universitätsklinik Innsbruck weder von der Schiedsstelle in Arzthaftpflichtfragen noch von der Patientenanwaltschaft unterstützt wurden, hat sich Anfang 2010 die Arbeiterkammer Tirol des Falles angenommen, Familie Strobl unterstützt sowie Rechtsschutzdeckung gewährt, wobei der Arzthaftungsexperte RA Dr. Thomas Juen mit der Rechtsvertretung für Nadina Strobl beauftragt wurde.
Da die zwischenzeitlich involvierte Entschädigungskommission des Tiroler Patientenentschädigungsfonds eine nähere gutachterliche Überprüfung der seinerzeitigen Behandlung Nadinas ebenfalls als sinn-und zweckmäßig erachtete, wurde seitens der Kommission unter Beiziehung der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Juen ein weiteres umfangreiches anästhesiologisches Gutachten in Auftrag gegeben, wobei Dr. Juen die Möglichkeit gegeben wurde, die für die Patientenseite offenen Fragen an den Sachverständigen zu stellen.
Seit März 2011 liegt nunmehr das Sachverständigengutachten des Herrn Prof. Dr. Jochen M. Strauß, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Perioperative Medizin und Schmerztherapie des Akademischen Lehrkrankenhauses der Georg-August-Universität Göttingen vor.

Dieses Gutachten kommt zu folgenden wesentlichen Ergebnissen:
a) Nadina Strobl war vor der gegenständlichen Operation am 4. Jänner 2088 in der Klinik Innsbruck gesund und litt an keinem gesundheitlichen "Vorschaden" (belegt durch zwischenzeitlich insgesamt drei Sachverständigengutachten!)
b) Vorliegen erheblicher schadensursächlicher Sorgfaltsmängel in Bezug auf die Durchführung und Überwachung der damaligen Narkose, sowie Unterlassung einer durchgehenden Überwachung des Kindes vom OP-Ende bis in den Aufwachraum
c) Erhebliche Zweifel des Sachverständigen an der Richtigkeit des geführten Anästhesieprotokolls
d) Infusionsfehler und mangelhafte bzw. unzureichende Dokumentation zur Infusionsmenge
e) Einsatz eines hierfür nicht zugelassenen Medikaments (sog. "off-label-use")
f) Unterlassen notwendiger Untersuchungen des Kindes im Aufwachraum und verspätete Verlegung des Kindes auf die Intensivstation
g) Ebenso dürftige bzw. mangelhafte Dokumentation und teilweise fehlende bzw. verspätete Diagnostik in der Intensivstation

Obwohl dieses Gutachten der TILAK GmbH und deren Haftpflichtversicherung (Zürich Versicherungs-AG) seit nunmehr knapp einem halben Jahr vorliegt, wurde trotz mehrfacher Aufforderungen und Fristsetzungen unsererseits bis zum heutigen Tage noch kein Haftungsanerkenntnis von TILAK-Seite abgegeben. Stattdessen wird die Familie Strobl seit Monaten damit vertröstet, dass man seitens der Haftpflichtversicherung das Gutachten Prof. Strauß durch weitere Gutachten überprüfen müsse.
Ein derartiges "Prüfgutachten" liegt der Zürich Versicherungs-AG nunmehr jedoch bereits seit Juni 2011 vor. Trotz mehrfacher Ersuchen wurde dieses Gutachten der Fam. Strobl nicht zur Verfügung gestellt, dies mit der Begründung dass es sich um ein "internes" Gutachten der Versicherung handelt und noch nicht alle Fragen geklärt wären. Dies zeigt, dass die außergerichtlichen Vergleichsgespräche seitens der TILAK und ihrer Haftpflichtversicherung nicht ernsthaft geführt werden und man auf der Gegenseite offensichtlich nur versucht Zeit zu gewinnen. Zeit, die Nadina und ihre Eltern jedoch nicht haben!
Ein seitens der Zürich Versicherungs-AG zwischenzeitlich selbst in Auftrag gegebenes Gutachten spricht davon, dass Nadina aufgrund der massiven Gehirnschädigung ein lebenslanger Pflegefall bleiben und immer eine "Rundum-Betreuung" benötigen wird.
In Anbetracht dieser Umstände hat Dr. Juen am heutigen Tage (25. August 2011) beim zuständigen Landesgericht Innsbruck eine zivilrechtliche Schadenersatzklage gegen die TILAK GmbH eingebracht (Leistungsbegehren: Euro 362.923,41 und Feststellungsbegehren -Haftung für sämtliche dem Kind aus der verfahrensgegenständlichen Behandlung künftig erwachsende Schäden).
Hinzuzufügen ist, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck seit nunmehr über 1 Jahren in der gegenständlichen Rechtssache auch ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren führt, welches derzeit gegen drei der seinerzeit behandelnden Ärzte der Uni-Klinik Innsbruck behängt (17 Ut 264/09v und 17 St 109/11b). Diesem Verfahren hat sich RA Dr. Juen als Rechtsvertreter für Nadina Strobl angeschlossen und zahlreiche Beweisanträge gestellt.

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