WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt... - von Esther Mitterstieler

Miteinander neue Wege zu suchen, wäre eine schöne Aufgabe

Wien (OTS) - Es ist jedes Jahr kurz nach Ferragosto das gleiche Spiel: Arbeitnehmer und Arbeitgeber verkünden in homöopathischen Dosen ihre Forderungen für die Herbstlohnrunden. Dann untermauern die Wirtschaftsforscher mit Zahlen, warum es im konjunkturellen Gesamtbild gut ist, die Löhne zu erhöhen, um auch die Kaufkraft anzukurbeln. Bloß nicht zu viel darf erhöht werden, weil dann die Inflation angeheizt wird. Sie kennen das Spiel, das Resultat genauso:
Sieger des Spiels sind meist beide Seiten. Im Vorjahr haben sie sich nach wochenlangen Diskussionen in der Mitte getroffen. Die Industrie wollte 1,9 Prozent, die Arbeitnehmervertreter einen Dreier vor dem Komma. Endresultat war ein Plus von 2,5 Prozent bei den Metallern. Die Ist-Löhne legten um 2,3 Prozent zu.

Der Status quo heute: Viele Unternehmen haben volle Auftragsbücher, mahnen aber zu Vorsicht - angesichts der Gewitterwolken von Börsen-wie von Konjunkturseite nicht zu Unrecht. Allein: Auch die Argumente der Arbeitnehmer dürfen nicht ungehört bleiben. Wenn Franz Viehböck, Vorstand der Berndorf AG, im WirtschaftsBlatt-Interview am Mittwoch sagte, die Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, am Erfolg des Unternehmens mitzunaschen, hat er Recht. Wie die Partizipation ausschauen kann, darüber gibt es freilich verschiedene Wege: Wenn Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt werden, fördert das auch ihr unternehmerisches Denken. Sie werden in guten Zeiten gerne und zu Recht ihr Geldbörsel aufhalten, aber auch in schlechten einsehen, dass es keinen Cent mehr gibt. Viele Unternehmen haben aber keine Beteiligungsmodelle. Daher braucht es natürlich einen anderen Weg, den Mitarbeitern auch Respekt für ihre Leistung zu zollen. Wer arbeitet, soll genug verdienen. Und die durchschnittliche Inflationsrate der letzten zwölf Monate - aktuell sind es 2,7 Prozent - sollte keineswegs Lohnerhöhungen aufsaugen. Die Ist-Löhne müssen erhöht werden, um die Kaufkraft zu stützen. Das hat wiederum belebende Effekte auf die Konjunktur in Zeiten dunkler Gewitterwolken. Das Spiel zwischen den beiden Seiten wird auch heuer seinen positiven Ausgang finden. Bewusst sollten sich die zwei allerdings auch sein, dass sich die Welt außerhalb Österreichs und Europas weiterdreht.

Es ist an der Zeit, neue Modelle der Partizipation anzudenken. Unternehmen sollten offen sein, den Mitarbeitern bei Erfolg mehr auszuzahlen, die Arbeitnehmer aber genauso, in grimmigen Zeiten auf überzogene Gehaltserhöhungen zu verzichten. Dann gelingt es: wir steigern das Bruttosozialprodukt.

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