FiW-Fürntrath-Moretti: "Unternehmerinnen sind nicht Melkkühe der Nation"

Unternehmerinnen fordern mehr Wochengeld und Kinderbetreuungseinrichtungen - Familienforscher Mazal: In Österreich lediglich 3% des BIP für Familien

Wien (OTS/PWK600) - Am zweiten Tag der Alpbacher
Reformgespräche befasste sich der Arbeitskreis von Frau in der Wirtschaft mit Österreichs Familienleistungen. Die Unternehmerinnen sehen sich in der Zwickmühle: Einerseits würden sie den Großteil der Familienleistungen finanzieren, so kommen 80 Prozent der Gelder des Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von den Betrieben. Andererseits bekommen sie im Vergleich zu Arbeitnehmerinnen weniger heraus. Beispielweise beim Wochengeld: Unternehmerinnen erhalten derzeit circa 26 Euro, während unselbstständig Beschäftigte durchschnittlich 41 Euro lukrieren würden. "Wir Unternehmerinnen wollen nicht mehr länger die Melkkühe der Nation sein", brachte es Adelheid Fürntrath-Moretti, Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW) und Vertreterin der mehr als 100.000 Unternehmerinnen in Österreich, auf den Punkt.

Neben der Angleichung des Wochengeldes forderte Fürntrath-Moretti vor allem den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese müssen vor allem flexibel und leistbar sein. "Wenn wir Frauen das Gefühl haben, unseren Kindern geht es gut, dann können wir auch erfolgreich im Betrieb sein." Studien belegen, dass Unternehmerinnen einen großen Kinderwunsch haben, jedoch mit einer "kräfteraubenden" Mehrfachbelastungen zwischen Betrieb, Kinderbetreuung und Haushaltsführung zu kämpfen hätten. 9-to-5-Jobs gehören der Vergangenheit an, daher brauche es auch Kinderbetreuungseinrichtungen, die auf diese Anforderungen eingehen. Gleichzeitig müssen aber auch aufgrund der demographischen Entwicklung die Unternehmen flexibler werden: "Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als flexibel zu sein, sonst gehen uns die Arbeitskräfte aus." Was eine große Herausforderung darstelle, denn so stellte Fürntrath-Moretti die Frage, wie könne man beispielsweise die Arbeitszeiten in der Gastronomie oder im Gesundheitswesen familienfreundlicher gestalten?

Die Bundesvorsitzende der Unternehmerinnen erwartet sich von der Politik einen stärken Fokus auf Sachleistungen. Finanzielle Familienleistungen sollten auf ihre Sinnhaftigkeit evaluiert werden:
"Welche Leistungen sind wirklich sinnvoll und zielführend?" Fred Deven, wissenschaftlicher Direktor des Department of Well-Being, Health and Family in Brüssel, schlägt in dieselbe Kerbe: Zuerst müsse das Ziel der Familienpolitik definiert werden, dann erst sollten Mittel eingesetzt werden. "Familienpolitik braucht explizite Ziele", die Werkzeuge müsse man darauf abstimmen. Familienforscher Wolfgang Mazal gibt zu bedenken: "Wir wissen einfach zu wenig, welche Leistungen Familien erhalten." Daher fordert er eine Transparenz-Datenbank für die Familienleistungen, wo die Leistungen der Länder und Gemeinden erfasst werden. "Fakt ist: Österreich gibt lediglich drei Prozent des BIP für Familien aus. Damit belegen wir den erstaunlich schlechten 16. Platz innerhalb der OECD-Staaten." Bei Familienleistungen dürfe nicht gespart werden, denn das seien Zukunftsinvestitionen. Mazal forderte wie Fürntrath-Moretti eine Reformierung des stark überschuldeten FLAF, aus dem Österreichs Familienleistungen finanziert werden, aber auch vieles darüber hinaus, wie Schülerfreifahrten und Schulbücher.

Mazal ist überzeugt: "Familienfreundlichkeit rechnet sich für Unternehmer." Die Kosten für Überstunden, Mitarbeiter-Fluktuationen und Know-How-Verlust seien um ein Vielfaches höher als Investitionen die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens und die Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (AC)

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