Ludwig: Baustart für die Revitalisierung der Werkbundsiedlung

Im Zuge des ersten Bauabschnitts beginnen die Sanierungsarbeiten bei drei leer stehenden und einem bewohnten Haus

Wien (OTS) - Die insgesamt 48 Gemeindesiedlungshäuser der
Wiener Werkbundsiedlung werden in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten mit einem Gesamtaufwand von 10 Mio. Euro gefördert revitalisiert. Nun erfolgte der Baustart für den ersten Sanierungsabschnitt, der vier Häuser - in der Woinovichgasse 16, 18 und 20 sowie der Veitingergasse 85 - umfasst. Dabei wird - unter sorgfältiger Einhaltung der Auflagen des Denkmalschutzes - neben einer deutlichen Steigerung des Wohnkomforts auch eine beachtliche Reduktion des Heizwärmebedarfs der Häuser erzielt werden.*****

"Die Gesamtkosten für die Revitalisierung der ersten vier Häuser betragen rund 1,3 Mio. Euro, rund 580.000 Euro schießt die Stadt Wien in Form von Fördermitteln zu", erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, der betonte, dass der nachhaltige Effekt der umfassenden Sanierungsarbeiten auch durch eine erhebliche Verbesserung der Energieeffizienz der Bauten untermauert werde. "Bei den Häusern des Architekten Gerrit Rietveld in der Woinovichgasse 16-20 wird sogar eine jährliche Einsparung von 95,4 Kilowattstunden pro Quadratmeter erzielt werden."

Aufgrund der extrem aufwändigen Anforderungen - für jedes Haus müssen in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und in Abstimmung mit den Mieterinnen und Mietern individuelle und maßgetreue Detaillösungen erarbeitet werden - wird die Werkbundsiedlung in Etappen saniert.
"Erneuerungsbedürftige Teile der Häuser - beispielsweise auch jedes einzelne Fenster bis hin zu den Scharnieren - müssen in Handarbeit hergestellt werden", skizzierte der Wiener Wohnbaustadtrat die anspruchsvolle Aufgabenstellung.

"Der Abschluss der ersten Sanierungsetappe ist für Sommer 2012 geplant. Für den zweiten Sanierungsabschnitt laufen bereits intensive Vorarbeiten, der Beginn der Arbeiten wird voraussichtlich im 2. Quartal 2012 erfolgen", informierte Ludwig über die nächsten Schritte.

BewohnerInnenorientierte, professionelle Abwicklung

Die Gesamtsanierungskosten können bei weitem nicht aus der Mietzinsrücklage gedeckt werden, da die jährlichen Mieteinnahmen nicht mehr als rund 60.000 Euro - die durchschnittliche Nettomiete beträgt 1,50 Euro/m2 - ausmachen. Die Kosten für die Revitalisierung der 48 Gemeindesiedlungshäuser - rund 10 Mio. Euro - werden daher, um die MieterInnen möglichst wenig zu belasten, größtenteils aus dem Zentralbudget von Wiener Wohnen und durch Fördermittel der Stadt Wien im Ausmaß von rund 7 Mio. - finanziert. Zusätzlich fördert das Bundesdenkmalamt die Sanierung mit rund 40.000 Euro.

"Um den zielgerechten Einsatz jedes Euro und eine optimale Betreuung der Mieterinnen und Mieter zu gewährleisten, wird die Erneuerung des wertvollen Wiener Kulturguts Werkbundsiedlung mit größter Sorgfalt und bestmöglichem personellem Einsatz durchgeführt. Für die professionelle Abwicklung der Sanierung zeichnet seit vergangenem Herbst die eigens gegründete Gesellschaft WISEG - Wiener Substanzerhaltungsges.m.b.H & Co KG - verantwortlich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WISEG stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern im Rahmen von Mieterversammlungen, vor allem aber von Einzelgesprächen mit umfassender Information und Beratung zur Seite. Kompetente architektonische Betreuung leistet in Kooperation mit den Expertinnen und Experten des Bundesdenkmalamts das Wiener Architekturbüro P.Good", erklärte Ludwig, der unterstrich, dass die Stadt Wien damit der Verantwortung für den Erhalt des einzigartigen kulturellen Erbes Werkbundsiedlung vollauf gerecht werde.

Sanierungsmaßnahmen im 1. Bauabschnitt

Die Sanierungsmaßnahmen umfassen u.a. folgende Leistungen:

  • Umfassende Trockenlegung der Kellerräume, Wärmedämmung an der Außenseite der erdberührten Kellerwände
  • Instandsetzung der Fassaden
  • Neuherstellung der Flachdachabdichtung mit zusätzlicher Wärmedämmung
  • Erneuerung der Fenster, Türen und Hauseingangsportalelemente
  • Herstellung einer kondensatfreien Benutzbarkeit der Häuser mit möglichst geringen baulichen Änderungen
  • Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung als Mittel zur Kondensat-Vermeidung und zur Erhöhung des Wohnkomforts (Situierung der Lüftungsanlage im Keller)
  • Innenausbau (wohnungsseitig) - Instandsetzung von Böden, Wänden, Decken, Elektroinstallationen, Sanitär- und Heizungsinstallationen, Einbau von Bädern im Keller, komplette Bad bzw. WC-Sanierung
  • Erhöhung der Wohnqualität durch eine Verbesserung des Wärmeschutzes, soweit denkmalverträglich -Instandsetzung der Außenanlagen, Terrassensanierung im Garten, Erneuerung des Gartenzauns bzw. der Gartentür

Geschichte der Werkbundbundsiedlung Wien

Die Werkbundsiedlung im 13. Bezirk entstand in den Jahren 1930 bis 1932 unter der Leitung des bekannten Architekten Josef Frank und wurde insgesamt von 32 namhaften ArchitektInnen der Moderne entworfen. Sie gilt heute als eines der bedeutenden Beispiele der modernen Architektur.
Die Siedlung wurde aus 33 Haustypen errichtet: 22 Reihenhaustypen, sieben Typen mit gekuppelter Verbauung, drei Einzelhaustypen und einer Sondertype. Von der Heimbauhilfsaktion der Gemeinde Wien, die die Errichtung finanzierte, waren die Häuser zum Kauf in Baurecht bestimmt. Es konnten jedoch nur 14 Häuser verkauft werden. 1939 übernahm die Gemeinde Wien die verbliebenen Häuser in ihre Verwaltung und vermietete sie.
Sechs Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, an deren Stelle in den Jahren 1951, 1952 und 1956 Neubauten in Privatbesitz errichtet wurden. Die Werkbundsiedlung Wien steht seit 1978 unter Denkmalschutz.

Die letzte Revitalisierung wurde in den Jahren 1982 bis 1985 durchgeführt. Aufgrund des in den 1930-er Jahren verwendeten Baumaterials, damals ebenfalls ein Experimentierfeld für die beteiligten ArchitektInnen, besteht erneuter Sanierungsbedarf. In den letzten Jahren wurden daher in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt umfangreiche Vorarbeiten für die geplante Revitalisierung der Siedlung durchgeführt. Ziel dabei war es, das Konzept für eine nachhaltige Sanierung mit einer deutlichen Steigerung des Wohnkomforts für die MieterInnen zu erstellen und die erforderlichen finanziellen Mittel bereitzustellen. Es galt aber auch, die besonders aufwändige Organisation und Betreuung der Sanierung zu gewährleisten.
Die GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung führte unter Einbeziehung von ExpertInnen umfangreiche Voruntersuchungen an drei leerstehenden Häusern (Veitingergasse 85 - Architekt Josef Hoffmann, Woinovichgasse 16 und 20 - Architekt Gerrit Rietveld) durch. Sie beinhalteten u.a. detaillierte Befundungen sowie die Ermittlung der Kosten.

22 Häuser befinden sich in Privatbesitz, 48 Objekte im Eigentum der Stadt Wien - Wiener Wohnen.
Der Partner, mit dem die Stadt Wien - Wiener Wohnen gemeinsam die WISEG - Wiener Substanzerhaltungsges.m.b.H & Co KG - gründete, ist die "at home" Immobilien-GmbH, die 2001 als Tochter der Neuen Heimat - GEWOG gegründet wurde. Die "at home", die u.a. für die Revitalisierung des Gründerzeitgebäudes Wollnerhof in Ottakring verantwortlich zeichnete, ist als Bauträger, Planer und Verwalter von Wohnhäusern und Gewerbeobjekten erfolgreich tätig und bringt genau jene Kenntnisse in Ergänzung zu Wiener Wohnen ein, die notwendig sind, um den dargelegten Spezialanforderungen gerecht zu werden.
Die 48 Häuser der Werkbundsiedlung befinden sich weiterhin im Eigentum der Stadt Wien, die Mietverträge bleiben selbstverständlich aufrecht. (Schluss) da

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Christiane Daxböck
Mediensprecher Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
Tel.: 01 4000-81869
christiane.daxboeck@wien.gv.at

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