Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. August 2011. Von NINA WERLBERGER. "Neue Gefahr aus dem Süden".

Mit Italien und Spanien erreicht die Schuldenkrise eine neue Dimension. Europa braucht jetzt eine Anwort.

Innsbruck (OTS) - Die Eurozone ist zum chronischen Patienten geworden, bei dem offenbar keine Medizin mehr anschlägt. Keine milliardenteuren Notfall-tropfen, keine Beruhigungspillen der Zentralbank, keine aufmunternden Worte der Politiker. Nur zwei Wochen nach der erneuten Griechenland-Rettung wird an den Märkten nun munter auf eine vermeintliche Pleite Italiens und Spaniens gewettet. Damit ist die Lage so dramatisch wie kaum je zuvor in der Schuldenkrise:
Wenn Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone kippt, dann wäre das zweifellos eine Bedrohung für die gesamte Währung - und letztlich für alle 17 Eurostaaten inklusive Österreich. Ähnlich kritisch würde es sich mit dem gewichtigen Euroland Spanien verhalten, das im Fall der Fälle den Eurokrisenfonds wohl sprengen würde.
Die Gefahr aus dem Süden ist existenziell, und sie kann nur mit radikalem und beherztem Eingreifen gebannt werden. Homöopathische Arznei wie die jüngste EU-Idee, den Rettungsfonds noch weiter auszuweiten, wird kaum reichen. Die Zeit drängt. Den Politikern der Euroländer muss es jetzt gelingen, möglichst zu verhindern, dass Italien und Spanien in einen Teufelskreis geraten. Denn landen die Südeuropäer erst in diesem verhängnisvollen Strudel aus Zweifeln, hohen Zinsen, Vertrauensverlust und damit noch größeren Zweifeln und höheren Zinsen, dann droht dem Euro tatsächlich der Kollaps. Zwingend ist, dass die Staaten ihre Hausaufgaben machen und die Haushalte konsolidieren, um neues Vertrauen aufzubauen. Doch darüber hinaus ist jener "Plan B" unumgänglich, um den sich alle Beteiligten bisher gedrückt haben. Für den Ernstfall braucht es eine radikale Kur. Wenn es nicht mehr anders geht, dann sollte ein Euroland auch geordnet pleitegehen und sich neu aufstellen können.

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