ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz beantwortet Fragen der österreichischen Filmwirtschaft

Wien (OTS) - In einem Brief an den Fachverband der Film- und Medienindustrie hat ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz heute, am Donnerstag, dem 4. August 2011, zehn Fragen, die ihm von der österreichischen Filmwirtschaft in einer Aussendung gestellt wurden, beantwortet. In seinem Schreiben verweist der Generaldirektor auf sein Bewerbungskonzept, das er dem Stiftungsrat übermittelt hat und in dem klar festgehalten ist, dass der ORF im Bereich der eigenproduzierten österreichischen Fiction eine besondere Rolle und Verantwortung - sowohl als wichtiger Förderer und Auftraggeber als auch als Plattform für die Verbreitung österreichischer Filme, Serien und Dokumentationen - hat.

Weiters betont ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, dass die Zusammenarbeit zwischen ORF und Filmwirtschaft auch in den vergangenen Jahren ein hohes Niveau halten konnte und zahlreiche im Inland erfolgreiche und international mit bedeutenden Auszeichnungen bedachte Produktionen hervorgebracht hat. Dr. Wrabetz weist in seinem Schreiben auch darauf hin, dass die Grundsatzvereinbarung vom 19. November 2009 zwischen dem ORF und Film Austria erfolgreich und in beidseitigem Einvernehmen in die Tat umgesetzt wurde. Dasselbe gilt für die Vereinbarung zwischen der österreichischen Musikwirtschaft und dem ORF vom Jänner 2010.

Im Einzelnen beantwortet ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz die übermittelten Fragen wie folgt:

Frage 1
Der kontinuierliche Ausbau der heimischen Produktionslandschaft ist wesentlich von Planzielen des ORF mitbestimmt. Kann der positiv eingeschlagene Weg der Vergabevolumina aufrecht erhalten werden und die zuletzt gültige Grundlage von Euro 95 Mio. jährlich auf vorerst weitere 2 Jahre zugesichert werden?

Antwort:
Der ORF wird auch in den Jahren 2012 und 2013 das in der Vereinbarung für 2011 vorgesehene Mindestvolumen von 95 Mio. Euro pro Jahr realisieren.

Frage 2
Die Terms of Trade, also die vertragsrechtliche Basis der Zusammenarbeit mit der Filmwirtschaft, haben in Ihrer jetzigen Amtszeit unter wesentlicher Mitwirkung des kaufm. Direktors Richard Grasl eine Modernisierungs- und Anpassungswelle an deutschsprachige Senderstandards gebracht. Die Filmwirtschaft sieht diese Entwicklung sehr positiv, jedoch nicht als abgeschlossen an. Können Sie diesen Anpassungsnotwendigkeiten weiterhin Ihre Unterstützung zusichern (Stichwort Koproduktionsformen, Lizenzanteile, Musterverträge etc.)?

Antwort:
Die Terms of Trades sind in mehreren Gesprächsrunden behandelt worden und befinden sich in der finalen Abstimmung. Selbstverständlich werde ich mich bemühen, den Abschluss einer neuen Vereinbarung raschestmöglich zu erreichen.

Frage 3
Der Fachverband der Film- und Musikindustrie schlägt dem ORF in regelmäßigen - etwa dreimonatigen Intervallen - Treffen vor, die den Zweck haben sollen, die laufenden Entwicklungen und Problemstellungen - wirtschaftlich wie inhaltlich - aufzuzeigen. Wollen Sie sich Ihrerseits von Seiten des ORF für eine solche Delegation mit Entscheidungskompetenz einsetzen?

Antwort:
Ich halte es für sehr sinnvoll, zumindest drei Mal im Jahr in kompetenter Runde zusammenzutreffen, um die laufenden Entwicklungen und Problemstellungen zu erörtern. Seitens des ORF werden diese Gespräche mit Generaldirektor bzw. TV-DirektorIn und Kaufmännischem Direktor bzw. den betreffenden Hauptabteilungsleitern besetzt sein.

Frage 4
Im dokumentarischen Bereich erkennt die Filmwirtschaft besorgniserregende Programmeinschränkungen - quantitativ wie qualitativ. Denken Sie daran, dem offenkundigen Bedarf des heimischen Publikums nachzukommen und zukünftig mehr Sendeplätze und Programm in diesem Bereich zu finanzieren?

Antwort:
In meinem Bewerbungskonzept habe ich festgehalten, dass der österreichischen Dokumentation in den kommenden Jahren besonderes Augenmerk gegeben werden soll. Sowohl im Bereich "Universum" als auch "Menschen & Mächte" soll das Niveau zumindest gehalten werden. Neben der Fortsetzung der Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte (Aufarbeitung der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts) soll sich eine eigene Dokumentations-/Dokumentarfilmreihe mit den großen "Themen der Zeit" (z. B. "Energie", "Klima", "globale Finanzmärkte" etc.) beschäftigen. Ein wichtiges Projekt wird weiters die Dokumentationsreihe "Die Österreicher" sein. Diese Reihe soll die Geschichte Österreichs von der Urzeit bis zur 2. Republik darstellen und mit namhaften, aber auch jungen Historikern und Filmemachern konzipiert und vorbereitet werden.

Zusätzlich werden die Sendeplätze für Dokumentationen aus dem Bereich der Kultur, Religion und der Landesstudios in vollem Umfang aufrechterhalten. ORF III wird österreichischen Dokumentationen eine zusätzliche Plattform bieten.

Frage 5
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach den Themenabenden. Diese haben sich äußerst bewährt und die Relevanz des ORF gegenüber den Privaten Sendeanstalten deutlich gemacht. Denken Sie daran, diese wieder einzuplanen?

Antwort:
Die Strategie der Themenschwerpunkte und Themenabende soll fortgesetzt und sogar noch ausgebaut werden. So sollen z. B. die Dokumentationen zu den "Themen der Zeit" in eigene Themenabende eingebettet werden.

Frage 6
Die Fernsehfilmproduktion ist künftig noch mehr Gradmesser für Identität und Unverwechselbarkeit. In diesem Bereich ist die Koproduktion nicht immer als Produktionsform geeignet. Bekennen Sie sich daher auch in Zukunft in diesem Bereich zur 100%igen Auftragsproduktion?

Antwort:
Selbstverständlich wird sich der ORF bemühen, schon aus ökonomischen Gründen, das Instrument der Koproduktion insbesondere auch im Zusammenhang mit der Nutzung von Förderinstrumenten optimal zu nutzen und zu entwickeln. Allerdings wird es auch in Zukunft speziell österreichisch gefärbte 100%ige Auftragsproduktionen als spezielles Element zur Förderung der Unverwechselbarkeit und österreichischen Identität unserer Programme geben.

Frage 7
Das Film-Fernseh-Abkommen konnte erfreulicherweise auf vier Jahre bis 2013 budgetär aufgestockt und gesichert werden. Der Erfolg österreichischer Filme ist national und international ungebrochen. Der ORF ist Teil dieser Entwicklung. Können Sie auch längerfristig diese Partnerschaft zusichern?

Antwort:
Es ist mein Ziel, dass Film-Fernseh-Abkommen auch über das Jahr 2013 hinaus fortzusetzen. Ich habe in meinem Bewerbungskonzept dargelegt, dass ich mich für eine ausreichende Sicherstellung der finanziellen Rahmenbedingungen des ORF einsetzen werde. Konkret habe ich hier die Fortsetzung der Refundierungsregelung über das Jahr 2013 hinaus und gewisse Liberalisierungen im Bereich der Werberegeln angesprochen. Ich bin zuversichtlich, dass es hier schrittweise gesetzliche Regelungen im Einvernehmen mit den wesentlichen anderen Marktteilnehmern geben kann und so die Basis für die langfristige Sicherung des Film-Fernsehabkommens auch über den derzeit festgelegten Zeitraum hinaus auf dem derzeitigen oder sogar erhöhten Niveau möglich sein wird.

Frage 8
ORF III stellte gerade sein Profil vor. Teil dieses Profils könnte auch ein Zugehen auf den heimischen Nachwuchs sein. Die Sichtbarmachung von Nachwuchsarbeiten im dokumentarischen wie im fiktionalen Bereich, die nicht vom ORF mitfinanziert/produziert wurden, ist in Österreich eine große Hürde. Die privaten Sendeanstalten denken derzeit nicht an eine angemessene Lizenzabgeltung für Sendeprogramm, sonder eher an kostenlose Bereitstellung. Wird der ORF hier Flagge zeigen und unter (sicherlich moderater) Lizenzabgeltung Abschlussarbeiten der FAK und anderer Ausbildungsstätten, Kurzfilme udgl. auf dem neuen Kanal zur Aufführung bringen?

Antwort:
Natürlich sind die finanziellen Mittel von ORF III beschränkt, es wird jedoch für spezielle Projekte, wie z. B. im Projekt "Artist in Residence" Kostenbeiträge für Nachwuchsarbeiten geben.

Frage 9
Der ORF hat sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der Musikwirtschaft (Charta der österreichischen Musik) zur Anhebung des Österreichanteils auf den öffentlich-rechtlichen Radiokanälen des ORF verpflichtet. Können Sie sich längerfristig, d. h. über den 31.12.2011 hinaus, zu dieser Zusammenarbeit (inkludierend die Förderung des Österreichischen Musikfonds) bekennen und ist eine akkordierte Weiterentwicklung in quantitativer, vor allem aber in qualitativer Hinsicht (Kernzeiten, Neuheitenanteil, gemeinsame Entwicklung von spezifischen Formaten) beabsichtigt?

Antwort:
Die Vereinbarung über eine Österreichische Musikcharta hat sich aus meiner Sicht bewährt und sollte auch über den 31.12.2011 hinaus fortgesetzt werden. Die Förderung des österreichischen Musikfonds sollte jedenfalls für die Dauer der Refundierung fortgesetzt werden. Die Verhandlungen über eine akkordierte Weiterentwicklung der Musikcharta sollten auf Basis der Erfahrungen 2010 und 2011 im Herbst aufgenommen werden.

Frage 10
Die Zusammenarbeit des ORF mit den Unternehmen der Teamvermietung in der redaktionellen Berichterstattung bringt nach wie vor Kosten-und logistische Vorteile für den ORF auf Bundes- und Landesebene. Die Aufhebung der garantierten Abnahmemengen und der Verzicht auf die Abgeltung der KV-Erhöhungen haben dazu geführt, dass die Unternehmer dieses Bereichs längst nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Erst die Abnahmeverpflichtungen machen eine ökonomisch sinnvolle Kalkulation möglich. Sind Sie bereit, in Analogie zu den Terms of Trade (siehe Frage 2) auch hier über verbindliche Vertragsbindungen sicher zu stellen, dass diese Unternehmen, den arbeitsrechtlichen (kollektivvertragsrechtlichen) Vorgaben entsprechend, nachhaltig Dienstleistungen anbieten können? (AC)

Antwort:
Die Teampreise sind zwischen dem ORF und den Teamvermietern verhandelt und nicht einseitige Vorgaben des ORF. Garantierte Abnahmemengen standen in der Vergangenheit mit Technikinvestitionen in Verbindung. Sind die Investitionen abgeschrieben, entfällt auch der seinerzeitige Garantiegrund. Diese Praxis sollte auch für zukünftige ähnlich gelagerte Fälle beibehalten werden.

Ich bin sicher, dass mit dieser dargelegten Strategie der Filmstandort Österreich auch in den kommenden Jahren eine positive Entwicklung zum Vorteil aller Beteiligten, insbesondere jedoch des heimischen Publikums, nehmen wird.

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